Im Jahr 2004 kamen meine Überlegungen zur weiteren beruflichen Entwicklung in eine entscheidende Phase. Ich rechnete mit etwa 37 Jahren bis zum Renteneintrittsalter. Das würde ich körperlich kaum mit der Pflege am Krankenbett verbringen können. Die absehbaren Umbrüche im Gesundheitswesen lassen auch heute kaum verlässliche Aussagen über künftige professionelle Möglichkeiten zu. Die Akademisierung in der Pflege war und ist allerdings absehbar. Ein akademischer Grad ist einerseits eine anerkannte Qualifikation und bietet andererseits eine breite Basis, um auf Veränderungen reagieren zu können. Da ich gleichzeitig das Familieneinkommen zu sichern hatte war ein Vollzeitstudium nicht möglich. Die Angebote deutscher Universitäten für Fernstudien im Bereich Pflegewissenschaften waren gleichzeitig sehr begrenzt und von Modellprojekten bestimmt. Die
Open University (GB)
andererseits bietet seit Jahrzehnten Fernstudiengänge an, die in der Regel ohne Präsenzzeiten geplant sind. Nur für Prüfungen muss ich nach Köln. Seit 2004 studiere ich also "Health and Social Care".
Im August 08 erwarb ich das Diploma "Health and Social Care".
Im Dezember 09 habe ich den Kurs bestanden, der mich berechtigt den Titel BAopen zu führen. Das ist der kleine Bruder des BA Health and Social Care, den ich voraussichtlich im Oktober 2010 erreichen werde.
In Deutschland werden die Bachelor Studiengänge seit Jahren diskutiert. Die Regierungen der EU haben beschlossen die Ausbildungsgänge an den Hochschulen zu vereinheitlichen. Damit soll auch erreicht werden, dass europäische Arbeitgeber (im wissenschaftlichen wie im privatwirtschafltlichen Bereich) besser einschätzen können, was von internationalen BewerberInnen zu erwarten wäre. Ein deutsches Diplom war in Italien oder Irland kaum zu erklären.
An der Open University habe ich den Eindruck gewonnen, dass ein BA in erster Linie der Nachweis über Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten und das Durchhaltenvermögen am Schreibtisch ist. Beides ist fakultätsübergreifend wichtig. Tatsächlich habe ich in Schottland jemanden getroffen, der mit einem BA in Geographie eine leitende Funktion in der Arbeit mit straffälligen Jugendlichen hatte.
Vor diesem Hintergrund ist schwer nachzuvollziehen, dass an deutschen Fakultäten eifersüchtig darüber gewacht wird, genau nur die speziellen Studieninhalte für Prüfungszulassungen anzuerkennen, die - warum auch immer - in der eigenen Studienordnung stehen.
In meinen Begegnungen mit Universitäten und Diplomierten musste ich feststellen, dass an jedem Lehrstuhl, in jeder Firma sehr spezielle Fragestellungen zu bearbeiten sind, eigene Methoden genutzt werden und Neulinge Einarbeitungszeit brauchen. Es schiene mir sinnvoll zu sein, die Studierenden zu befähigen, sich effektiv mit neuen Methoden und Inhalten vertraut zu machen. Warum demgegenüber in Deutschland mit dem Bologna Prozess die Studienfreiheit massiv beschnitten wurde, ist für mich unverständlich.
Zudem steht mit dem European Credit Transfer System (ECTS) ein Verfahren zur Verfügung, um Studienleistungen unabhängig von professoralen Vorlieben vergleichbar zu machen.