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Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung - Körperpflege

Kern der Begutachtung zur Einstufung in eine Pflegestufe ist der Zeitaufwand für die nötigen Hilfen.
Es ist selten, dass jemand auf die vollständige Übernahme aller Verrichtungen der Grundpflege angewiesen ist. Häufig können Oberkörper und Intimbereich selbst gewaschen werden und bei der Zahnpflege genügt es, Zahnbürste und Becher anzureichen. Unterschiedliche Formen der Hilfeleistung werden bei der Pflegezeitbemessung berücksichtigt. Außerdem muss berücksichtigt werden, wenn, zum Beispiel weil Pflegebedürftige verwirrt sind, die Hilfe bei einzelnen Verrichtungen erschwert wird. Es ist auch zu berücksichtigen, wenn die Pflege, zum Beispiel durch das Untergewicht der Pflegebedürftigen erleichtert wird. [zu den Erschwernisfaktoren]
Die Zeitangaben aus den BRi beziehen sich immer auf die Hilfeform der vollständigen Übernahme.

Die Pflegekassen bitten häufig darum ein Pflegetagebuch-Formular auszufüllen. Wir raten davon ab, das zu benutzen [mehr ...].

Weitere Erläuterungen zu den Zeitkorridoren finden Sie hier.

Für die Erfassung des Hilfebedarfs werden nur wenige Tätigkeiten berücksichtigt. Sie werden in vier Bereiche gegliedert:
Aufzaehlung Ernährung
Aufzaehlung Mobilität
Aufzaehlung Hauswirtschaft
Auf dieser Seite geht es um den Bereich der ...

Aufzaehlung Körperpflege

1. Waschen
Wird jemand ganz von der Pflegeperson gewaschen, werden dafür 20 bis 25 Minuten angerechnet. Teilwäschen brauchen weniger Zeit: Oberkörper: 8 bis 10 Minuten, Unterkörper 12 bis 15 Minuten, Hände/Gesicht 1 bis 2 Minuten (zum Beispiel im Anschluss an eine Mahlzeit).

2. Duschen
Wird das Duschen vollständig übernommen, werden 15 bis 20 Minuten angerechnet. In der Praxis dürfte das selten der Fall sein, da Pflegebedürftige, die in der Dusche stehen oder sitzen können meist auch in der Lage sind, einen Teil der Körperpflege zu übernehmen. Oft müssen sie dabei aber beaufsichtigt werden, weil sie in der Vergangenheit gestützt sind.

3. Baden
Beim Baden brauchen viele Menschen vor allem Hilfe beim Waschen des Rückens und des Unterkörpers. Dann können von den allgemein anerkannten 20 bis 25 Minuten nur Teile anerkannt werden.

Für Duschen und Baden gilt:
- Auch Haare müssen gewaschen werden. Das ist hier noch nicht berücksichtigt und dauert auch sehr unterschiedlich lange. Deshalb müssen Zeitaufwand (einschließlich der Haartrocknung) und Häufigkeit individuell ermittelt und entsprechend angerechnet werden. Ein bis zwei Haarwäschen pro Woche gelten als Standard.
- Der zeitliche Aufwand für die Hautpflege wurde bereits in diesen Zeitvorgaben berücksichtigt.
- Die nötigen Hilfen beim Ein- und Aussteigen in Wanne/Dusche und beim An- und Ausziehen werden zusätzlich berechnet.
- Nur sehr wenige SeniorInnen haben Bedarf nach täglichem Duschen oder Baden. In der Regel wird das einmal wöchentlich geschehen. Der Zeitaufwand wird auf den täglichen Bedarf umgerechnet:
Beispiel:
Zwei mal wöchentlich, meist DI und FR, werden Hilfen beim Duschen und Haarewaschen benötigt. (Fallen an diesen Tagen Hilfen beim "Waschen" weg? Dann müsste "Waschen" für fünf mal in der Woche berechnet werden.)
Auf dem Duschhocker sitzend kann sich der Versicherte Gesicht und vorderen Oberkörper selbst waschen. Alles andere wird von der Pflegeperson übernommen. Hilfebedarf jeweils 12 Minuten.
Waschen und Trocknen der Haare wird vollständig übernommen und dauert jeweils 7 Minuten.
Rechnung: 7+12=19 Minuten pro Verrichtung. 2*19=38 Minuten pro Woche. 38/7=5,43 Entspricht durchschnittlich 5-6 Minuten Hilfebedarf pro Tag.
(Wie oben beschrieben müssten nötige Hilfen bei den Transfers in gleicher Weise berechnet werden. Weitere Hilfen im Rahmen der morgendlichen Pflege fallen täglich an und werden zusätzlich berechnet.)

4. Zahnpflege
Für die Zahnpflege werden grundsätzlich 5 Minuten anerkannt. Ein Mensch ohne Zähne braucht für die Mundpflege allerdings auch weniger Zeit.

5. Kämmen
Muss das Kämmen übernommen werden, können 1 bis 3 Minuten angerechnet werden.

6. Rasieren
Das Rasieren wird mit 5 bis 10 Minuten auch bei Frauen anerkannt. Wird jemandem die Zeit gegeben sich selbst elektrisch zu rasieren, muss weniger berechnet werden. Muss der Rasierapparat immer wieder in die Hand gegeben und die Hand selbst zeitweise geführt werden, wird "aktivierend gepflegt". Wenn das regelmäßig 15 Minuten dauerte, müsste dieser Mehrbedarf anerkannt werden.

7. Darm und Blasenentleerung
Für die umfassende Hilfe beim Wasserlassen (Intimhygiene, Reinigen der Toilette bzw. des Umfeldes) werden 2 bis 3 Minuten beim Stuhlgang 3 bis 6 Minuten angerechnet. Dazu kommt häufig das Richten der Bekleidung (2 Minuten).
Etwas anders wird das Wechseln von Vorlagen berechnet. Nach Wasserlassen: 4 bis 6 Minuten, nach Stuhlgang: 7 bis 10 Minuten. Beim Wechseln von kleinen Vorlagen werden nur 1 bis 2 Minuten angerechnet. Bei allen "Wechseln" ist die Intimhygiene und die Entsorgung inklusive.
Für das Wechseln oder Entleeren des Urinbeutels werden 2 bis 3 Minuten, für einen Stomabeutel 3 bis 4 Minuten anerkannt.
Die Zeiten um zur Toilette und wieder zurück zu gehen, werden extra unter Gehen angerechnet, wenn dabei Hilfe erforderlich ist.
Liegen spezielle pflegeerschwerende Faktoren vor, ( - massive chronische Diarrhö, - Erforderlichkeit der mechanischen Harnlösung oder der digitalen Enddarmentleerung) muss der erforderliche höhere Aufwand ermittelt und angerechnet werden.

[... zum Originaltext "Körperpflege"] nach oben

Weitere Erläuterungen zu den Zeitkorridoren finden Sie hier.


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Anmerkungen:
BRi = "Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" [mehr zu den BRi...]
veröffentlicht vom MDS (Essen), 2013



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