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Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung - Mobilität

Kern der Begutachtung zur Einstufung in eine Pflegestufe ist der Zeitaufwand für die nötigen Hilfen.
Es ist selten, dass jemand auf die vollständige Übernahme aller Verrichtungen der Grundpflege angewiesen ist. Häufig können Oberkörper und Intimbereich selbst gewaschen werden und bei der Zahnpflege genügt es, Zahnbürste und Becher anzureichen. Unterschiedliche Formen der Hilfeleistung werden bei der Pflegezeitbemessung berücksichtigt. Außerdem muss berücksichtigt werden, wenn, zum Beispiel weil Pflegebedürftige verwirrt sind, die Hilfe bei einzelnen Verrichtungen erschwert wird. Es ist auch zu berücksichtigen, wenn die Pflege, zum Beispiel durch das Untergewicht der Pflegebedürftigen erleichtert wird. [zu den Erschwernisfaktoren]
Die Zeitangaben aus den BRi beziehen sich immer auf die Hilfeform der vollständigen Übernahme.

Die Pflegekassen bitten häufig darum ein Pflegetagebuch-Formular auszufüllen. Wir raten davon ab, das zu benutzen [mehr ...].

Weitere Erläuterungen zu den Zeitkorridoren finden Sie hier.

Für die Erfassung des Hilfebedarfs werden nur wenige Tätigkeiten berücksichtigt. Sie werden in vier Bereiche gegliedert:
Aufzaehlung Ernährung
Aufzaehlung Körperpflege
Aufzaehlung Hauswirtschaft
Auf dieser Seite geht es um den Bereich der ...

Aufzaehlung Mobilität

10. Selbständiges Aufstehen und Zubettgehen
Die einfache Hilfe beim Aufstehen oder zu Bett gehen wird mit je 1 bis 2 Minuten angerechnet.
Manche Menschen können ihre Lage im Stuhl, Sessel oder Bett nicht selbstständig verändern. Für das alleinige Umlagern werden im Bereich Mobilität 2 bis 3 Minuten angerechnet.
Menschen mit Dekubitus brauchen häufiger Hilfe bei der Lagerung. Pflegewissenschaftlich wird empfohlen, alle zwei Stunden die Lage zu verändern. Diese Lageveränderungen müssen aber, damit keine neuen Wunden entstehen, besonders umsichtig vorgenommen werden. Liegt dieser spezielle pflegeerschwerende Faktor vor, soll der Zeitaufwand individuell berechnet werden.

11. An- und Auskleiden
Muss jemand ganz von der Pflegeperson angekleidet werden, sind 8 - 10 Minuten anzurechnen (teilweises Ankleiden des Ober- oder Unterkörpers: 5 - 6 Minuten). Für das Entkleiden des gesamten Körpers gelten 4 - 6 Minuten (teilweises Entkleiden des Ober- oder Unterkörpers: 2 - 3 Minuten). Prothesen, ein Korsett oder Kompressionsstrümpfe brauchen mehr Zeit: "Bei der Feststellung des Zeitaufwandes für das An- und Ablegen von Prothesen, Orthesen, Korsetts und Stützstrümpfen hat der Gutachter aufgrund einer eigenen Inaugenscheinnahme den Zeitaufwand individuell zu messen." (BRi, Seite 71)
Optimal behinderungsadaptierte Kleidung gilt als spezieller pflegeerleichternder Faktor und führt zu geringeren Zeitwerten. 2006 wurde beschlossen: "Bei der Verrichtung Ankleiden ist das Ausziehen von Nachtwäsche und das Anziehen von Tagesbekleidung als ein Vorgang zu werten. Bei der Verrichtung Auskleiden ist das Ausziehen von Tagesbekleidung und das Anziehen von Nachtwäsche als ein Vorgang zu werten." (BRi, Seite 120)
[... zum Originaltext]

12. Gehen
Zeitvorgaben sind, wegen der vielfältigen Wohnsituationen und der unterschiedlichen Belastbarkeit der Pflegebedürftigen nicht sinnvoll. Es wird aber nur der Zeitaufwand anerkannt, der zur Erledigung anerkannter Verrichtungen nötig ist (im Wesentlichen also zu Körperpflege, Kleiden, Ausscheidung oder Nahrungsaufnahme). "Der Hilfebedarf beim Gehen kann auch aus einer sitzenden Position heraus beginnen oder in dieser enden, beinhaltet also ggf. das Aufstehen und Hinsetzen" (BRi, Seite 72).
In der Stationären Pflege wird von einer "durchschnittlichen häuslichen Wohnsituation" (BRi, Seite 72) ausgegangen und kein zusätzlicher Aufwand durch längere Wege innerhalb der Einrichtung anerkannt.
[... zum Originaltext]

13. Stehen
Dieser Teil des Regelwerks ist nicht leicht nachvollziehbar. Muss jemand vom Rollstuhl auf einen Toilettenstuhl wechseln und braucht dabei Hilfe, so geht er nicht. Er muss Aufstehen, sich drehen und dann auf den breitgestellten Toilettenstuhl setzen. Deshalb ein eigener Bereich in den BRi. Wie beim Gehen wird nur angerechnet, was im Zusammenhang mit anerkannten Verrichtungen passiert. Zum Beispiel die Transfers beim Duschen oder zum Essen. Es kann jeweils eine Minute anerkannt werden.
[... zum Originaltext]

14. Treppensteigen
Nur wenn es nötig ist, zur Durchführung der Verrichtungen des täglichen Lebens eine Treppe zu benutzen, muss für das Gutachten der Bewegungsablauf und der zeitliche Aufwand des Treppensteigens durch den Pflegebedürftigen und seine Hilfsperson demonstriert werden. Das Ergebnis ist zu dokumentieren und der ermittelte Zeitaufwand zu berücksichtigen.
[... zum Originaltext]

15. Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
Wege außerhalb der Wohnung können nur selten im Rahmen der Pflegezeitbemessung anerkannt werden. Hier die wichtigste Textstelle aus den BRi dazu:
Anerkannt werden Wege zum "Aufsuchen von Ärzten zu therapeutischen Zwecken oder die Inanspruchnahme vertragsärztlich verordneter Therapien, wie zum Beispiel Dialysemaßnahmen, onkologische oder immunsuppressive Maßnahmen, Physikalische Therapien, Ergotherapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, podologische Therapie. Ein Hilfebedarf beim Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung ist zu berücksichtigen, wenn dieser regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) und auf Dauer (voraussichtlich mindestens 6 Monate) anfällt. Es ist nicht erforderlich, dass jede Maßnahme für sich isoliert betrachtet einmal wöchentlich anfällt. Der Hilfebedarf ist somit zu berücksichtigen, wenn in der Gesamtbetrachtung einmal wöchentlich für voraussichtlich mindestens 6 Monate berücksichtigungsfähige Maßnahmen anfallen." (BRi, Seite 73) Hier geht es selbstverständlich auch nur um den zeitlichen Aufwand der Pflegeperson. Es ist möglich, dass nur der Weg zur Arztpraxis zeitlich anerkannt wird, weil in Warte- und Behandlungszimmer keine Hilfe nötig ist.

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[... zum Originaltext "Mobilität"]

Weitere Erläuterungen zu den Zeitkorridoren finden Sie hier.




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Anmerkungen:
BRi = "Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" [mehr zu den BRi...]
veröffentlicht vom MDS (Essen), 2013



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