PFLEGESTUFE.INFO --WERBUNG--
Menü - Anzeigen  | Lupe Suche
Zur Vorlesefunktion

Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung

Der erste Schritt bei der Begutachtung ist die Prüfung, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, die im §14 SGB XI genannt werden. Das ist meist kein Problem.

Diese Regelungen zu den „Orientierungswerten zur Pflegezeitbemessung“ werden mit der Einführung der Pflegegrade 2017 überflüssig.

Kern der Begutachtung ist der Zeitaufwand für die nötigen Hilfen. In der Anfangsphase der Pflegeversicherung wurde festgestellt, dass unterschiedliche GutachterInnen zu manchmal sehr unterschiedlichen Einstufungen kamen. Jemandem morgens zu helfen sich von Kopf bis Fuß zu waschen kann 15 oder 45 Minuten dauern, auch wenn die gleiche Grunderkrankung (zum Beispiel Morbus Parkinson) vorliegt. Es soll aber nicht Grundlage staatlichen Handelns sein, dass Pflegebedürftige allein von der Qualifikation oder dem guten Willen eines Gutachters abhängen; schließlich werden Jahr für Jahr zig-tausend Begutachtungen durchgeführt. Für die 13 häufigsten Verrichtungen der Grundpflege wurden deshalb Zeitkorridore entwickelt.
Für das Baden werden zum Beispiel 20 bis 25 Minuten als angemessen erachtet, für die Zahnpflege 5 Minuten. Im Rahmen dieser Zeiten sollen Laienpflegekräfte in der Lage sein, die vollständige Übernahme einer pflegerischen Handlung durchzuführen (BRi, Seite 113). Wird die Hilfe in Form der "teilweise Übernahme" oder als "Beaufsichtigung" geleistet, können die Zeitvorgaben nur teilweise angerechnet werden. [... mehr über die Formen der Hilfeleistung].
Diese Zeitkorridore wurden in die "Richtlinien zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" (BRi) aufgenommen und sind damit für alle an der Pflegeversicherung beteiligten verbindlich.
Die GutachterInnen müssen sich an diese Vorgaben halten oder Abweichungen begründen. Ein Beispiel sind die pflegeerschwerenden und pflegeerleichternden Faktoren. Trotz dieser Zeitkorridore gilt:

"Für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer Pflegestufe ist allein der im Einzelfall bestehende individuelle Hilfebedarf des Antragstellers maßgeblich. In so fern können und sollen die Zeitorientierungswerte für die Begutachtung nach dem SGB XI nur Anhaltsgrößen im Sinne eines Orientierungsrahmens liefern. Sie sind damit für den Gutachter ein Instrument zur Feststellung des individuellen Hilfebedarfs." (BRi, Seite 111)

Diese Zeitkorridore haben pflegerische Hilfen, die alltäglich als Einheit empfunden werden, penibel unterteilt, um zu einigermaßen angemessenen Zeitvorgaben kommen zu können.
Beispiel: Die pflegende Schwiegertochter spricht von "morgens waschen und anziehen". Diese Beschreibung ist recht oberflächlich und wird einem Vorgang, der leicht 45 min dauern kann, nicht gerecht. Das SGB XI erkennt nur einen Teil der Hilfen an, die zum Tagesbeginn geleistet werden. Hier ist eine Aufzählung dazu: Getränk anreichen, aufstehen, ins Bad begleiten, Zahnpflege, entkleiden, Ganzkörperwäsche, Einlagen anlegen, ankleiden, kämmen, rasieren, in die Küche begleiten, wo es Frühstück gibt.
Sie sehen, die Begutachtungsrichtlinien (BRi) haben ihre eigene Logik.
Es ist selten, dass jemand auf die vollständige Übernahme aller dieser Tätigkeiten angewiesen ist. Häufig können Oberkörper und Intimbereich selbst gewaschen werden und bei der Zahnpflege genügt es, Zahnbürste und Becher anzureichen. Diese unterschiedlichen Formen der Hilfeleistung werden bei der Pflegezeitbemessung berücksichtigt. Außerdem muss berücksichtigt werden, wenn, zum Beispiel weil Pflegebedürftige verwirrt sind, die Hilfe bei einzelnen Verrichtungen erschwert wird. Es ist auch zu berücksichtigen, wenn die Pflege, zum Beispiel durch das Untergewicht der Pflegebedürftigen erleichtert wird. [zu den Erschwernisfaktoren]
Die Zeitangaben aus den BRi beziehen sich immer auf die Hilfeform der vollständigen Übernahme.

Die Pflegekassen bitten häufig darum ein Pflegetagebuch-Formular auszufüllen. Wir raten davon ab, das zu benutzen [mehr ...].

Für die Erfassung des Hilfebedarfs werden nur wenige Tätigkeiten berücksichtigt. Sie werden in vier Bereiche gegliedert:

Aufzaehlung Körperpflege
Aufzaehlung Ernährung
Aufzaehlung Mobilität
Aufzaehlung Hauswirtschaft

Für die hauswirtschaftlichen Hilfen wurden keine Zeitkorridore entwickelt. Für die Einstufung wird in der Regel die Zeit pauschal anerkannt, die maximal angerechnet werden kann.


mit WhatsApp teilen Logo



Pfeil links Rundweg zu den wichtigsten Stationen von Pflegestufe.info Pfeil rechts


Anmerkungen:
BRi = "Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" [mehr zu den BRi...]
veröffentlicht vom MDS (Essen), 2013



--Werbung--