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[27.1.2007]


„Die Kosten für die häusliche Pflege sind
unter normalen Umständen enorm und
für viele nicht tragbar. Wir bieten Ihnen
die Ideallösung für diese Situation an und und
vermitteln Pflege-Hilfskräfte, die bezahlbar und
gut ausgebildet sind.“
(Eigenwerbung)

Pflege zu Hause

Viele Angehörige wissen sich mit der rund-um-die-Uhr Betreuung von pflegebedürftigen Menschen überfordert. Hilfe ist nötig, aber im gewünschten Umfang nicht bezahlbar. Wären Damen aus Osteuropa die Patentlösung?

Im TV und in Zeitschriften berichten (oft hoch bezahlte) Redakteure von sehr positiven Erfahrungen. Die Perle des Hauses ist hilfsbereit, zuverlässig und kocht ganz nach Wunsch, sie hat einen abgeteilten Wohnbereich und fährt regelmäßig (nach Terminabsprache) für ein bis zwei Wochen ins Heimatland. Sie wächst der gesamten Familie ans Herz.
Manchmal sieht es anders aus. Ein Erfahrungsbericht: Eine examinierte Pflegekraft kommt in die Wohnung, um (was von der Krankenkasse bezahlt wird) einmal wöchentlich die Medikamente herzurichten und bei Bedarf nachzubestellen. Der Patient sitzt sehr unruhig auf dem Rollstuhl. Eine weit fortgeschrittene Demenz erschwert die Verständigung. Die anwesende Pflegeperson kann nur wenige Worte, aber keinen ganzen Satz Deutsch. Nur mit Mühe bekommt die Altenpflegerin heraus, dass wohl der Drang abführen zu müssen die Ursache für die Unruhe ist. Froh endlich etwas tun zu können geht die „Pflegehilfe“ beherzt ans Werk, kann aber den Lifter nicht sachgerecht bedienen. Einen Toilettenstuhl ist nicht vorhanden, es wird im Bett abgeführt. Dabei werden Hämatome am Körper des Patienten sichtbar, die höchstwahrscheinlich beim Umgang mit dem Lifter entstanden sind. Nachfragen zur Medikamentenversorgung und zum letzten Arztbesuch können nicht geklärt werden. Die Angehörigen sind nicht zu erreichen.
Diese Sätze beschreiben Extreme in einer solchen Situation. Einige Probleme werden deutlich:
- Wie soll Kommunikation möglich sein, wenn einerseits der Patient Wünsche nur mühsam artikulieren kann und andererseits die Hilfskraft nur begrenzt der Sprache mächtig ist? Für Demenzkranke sind Hilfskräfte aus Osteuropa folglich oft keine Hilfe.
- In der Pflege sind Haushaltshilfe, Freizeitgestaltung, Körperpflege und medizinische Tätigkeiten häufig eng verzahnt. Auch auf den Werbeseiten im Internet geht es da munter durcheinander. Wie werden die Hilfskräfte auf komplexe Situationen vorbereitet? Welche Möglichkeiten gibt es, die Arbeitsbereiche, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten auszuhandeln? Wie kann eine zufrieden stellende Pflegequalität gesichert werden? Ist die gebrechliche Dame geistig auf der Höhe kann sie selbst Wünsche äußern und Grenzen setzen. Menschen die situativ und zeitlich orientiert sind, können Selbstgefährdung vermeiden, sie können abwarten und bei Bedarf Hilfe holen. Dann stellt sich aber die Frage, ob rund-um-die-Uhr Betreuung überhaupt nötig ist.
- Welche Möglichkeiten der Verhandlung haben die Hilfskräfte und welche Wege stehen ihnen im Konfliktfall offen? Die „fleißige Pflegehilfe“ hat unter Umständen nur die Wahl entweder geforderte Leistungen zu erbringen oder zurückgeschickt zu werden. Das grenzt an Ausbeutung.
- Die Arbeitszeit und die Kosten sind wohl die Auslöser um über die ‚polnische Pflegehilfe‘ nachzudenken. Wir bezweifeln, dass es dazu einfache Antworten gibt. Die monatlichen regelmäßigen Zahlungen sind ja nur ein Teil. Kost und Logis müssen organisiert werden. Was ist, wenn die Dame aus Rumänien ärztliche Hilfe braucht oder durch Krankheit arbeitsunfähig wird? Wie sieht‘s mit Unfallversicherungsschutz und Haftpflicht aus? Halten die dazu mit den Vermittlern getroffenen Vereinbarungen und Verträge einer gerichtlichen Überprüfung stand? Ist ein deutsches Gericht zuständig oder das im Herkunftsland?

Welche Alternativen gibt es?
Seit Jahren werden immer mehr stationäre Pflegeeinrichtungen gegründet, die sich auf die Unterstützung von Demenzkranken spezialisiert haben. Ambulante Pflegedienste sind inzwischen sehr flexibel und bieten ganz unterschiedliche Dienstleistungen an. In vielen Kommunen gibt es Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, um gezielt „kleine Hilfen“ für SeniorInnen und pflegende Angehörige zu vermitteln. Immer mehr Initiativen zu alternativen Wohnformen werden gestartet ... Fast alle Kommunen in Deutschland bieten eine Senioren- oder Pflegeberatungsstelle die zu den lokalen Angeboten Auskunft geben können.

Wie wollen wir morgen leben?, unser Beitrag zur Jahrestagung der BAGSO vom 22. Okober 2016.
Ein Artikel über Billigpflege.
Die Beschäftigung von osteuropäischen Haushaltshilfen „erfolgt in der Regel in einer rechtlichen Grauzone oder ist sogar illegal, ihre Arbeit unterliegt meist keiner Kontrolle und auch sie selber sind oftmals ohne Schutz. Ein alternatives Konzept wurde von den Caritasverbänden Soest, Olpe und Paderborn in Kooperation mit dem Diözesan-Caritasverband Paderborn entwickelt: www.caritas24.net.
Die Aktion FairCare der Diakonie Baden-Württemberg „vermittelt legale Betreuungskräfte und setzt sich für die Rechte osteuropäischer Frauen ein, die in Deutschland pflegebedürftige Menschen betreuen.“


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