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[30.8.2007]

Pflegeurlaub

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist in allen Kanälen: Für die Pflege eines nahen Angehörigen stellt sie 10 Tage Pflegeurlaub zur Diskussion. Ähnlich wie bei einer Erkrankung von Kindern sollen die Pflegenden bei Lohnfortzahlung zusätzlich 10 Tage vom Arbeitgeber freigestellt werden. Es wird angedeutet, dass die Rechnung von den paritätisch finanzierten Krankenkassen gezahlt werden soll.

Es ist gar nicht ungewöhnlich: Ein Mensch lebt glücklich und zufrieden in der eigenen Wohnung und ein Sturz, Herzinfarkt oder Schlaganfall ändert plötzlich alles. Nach der Behandlung im Krankenhaus entsteht - zumindest zeitweilig - ein erheblicher Hilfebedarf bei der Bewältigung des Alltags: nicht nur putzen und einkaufen müssen übernommen werden, sondern es ist auch nicht mehr möglich morgens ohne Hilfe aus dem Bett und anständig gepflegt bis vor den Morgenkaffee zu kommen. Welche Hilfen nötig und möglich sind, wer das ganze bezahlen soll und welche Anbieter auf dem vielfältigen "Gesundheitsmarkt" beauftragt werden sollen: dasbedeutet sehr viel Aufwand und herumgerenne. Ja, es wäre gut, wenn Angehörige die oft in großem Umfang helfen von ihrem Arbeitgeber entlastet würden.
Der Hinweis auf die bestehenden Regelungen zur Pflege kranker Kinder scheint es einfach zu machen. Auf den zweiten Blick tauchen Fragen auf: Während bei Minderjährigen recht überschaubar ist, welche Personen für eine Betreuung im Krankheitsfall in Frage kommen, ist das bei Erwachsenen unübersichtlicher. Kinder für die Eltern ... das ist klar. Im Alltag sind es aber auch oft Tanten oder Großeltern, denen im großen Umfang unter die Arme gegriffen wird. Wie ist es, wenn Ehepartner oder erwachsene Kinder schwer erkranken? In welcher Weise soll der Anspruch begrenzt werden? Plant Frau Schmidt - wie bei der Kinderpflege - jedes Jahr aufs Neue einen 10-tägigen Anspruch zu gewähren? Schon bei der Pflege von erkrankten Kindern ist die Scheu groß, Vorgesetzte mit dem gesetzlichen Anspruch zu konfrontieren. Wie viele ArbeitnehmerInnen werden diesen Schritt für die Pflege von Angehörigen gehen? Der Pflegeexperte der CDU Willi Zylajew rechnet mal eben den Finanzierunsbedarf der Schmidtschen Idee nach und landet bei 750 Millionen €. Das sei ein ähnlich realistischer Vorschlag wie "Freibier für alle". Gäbe es für eine Summe in dieser Größenordnung vielleicht bessere Verwendunsmöglichkeiten im Rahmen der Pflegeversicherung?

Sehr erfolgreich hat Frau Schmidt sich mit dieser Idee in die Schlagzeilen gebracht. Warum war diese Idee nicht Teil der Gespräche von Meseberg? Was soll aus der Idee werden, eine "Pflegezeit" gesetzlich zu regeln, bei der Arbeitnehmer bis zu sechs Monaten ohne Bezahlung aber mit Rückkehrrecht freizustellen wären?

Es bleiben sehr viele Fragen offen.

zum Video auf tagesschau.de [1'32 min]
zum Artikel der Frankfurter Rundschau
"Freibier für alle" im Wiesbadener Tagblatt vom 31.8.07





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