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[31.8.2007]

Qualität der Pflege muss weiter verbessert werden

"Die Qualität der ambulanten und stationären Pflege hat sich seit der Veröffentlichung des ersten Pflegequalitätsberichts im Jahr 2003 verbessert." Das schreiben Pflegekassen und MDS über ihren Pflegequalitätsbericht. Aber: Für zehn Prozent der Bewohner (Altenheime u.ä.) stellten die MDK-Gutachter einen mangelhaften Pflegezustand fest (2003: 17,4 Prozent). "Dies sind inakzeptable Zustände, die durch entsprechende Maßnahmen zu beseitigen sind." In der ambulanten Pflege war bei immerhin noch 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen die Situation unzureichend (2003: 8,8 Prozent).

Ja: Das bedeutet viele tausend Menschen, deren Gesundheit gefährdet ist, trotzdem ausgebildete Pflegekräfte für ihre Situation mitverantwortlich sind.
Und ja: Es ist ein deutlicher Rückgang für die letzten drei Jahre festzustellen.

Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist vorsicht geboten.
Ein Vergleich bietet sich an, weil die Vorgehensweise der Prüfenden vor drei Jahren und heute vergleichbar ist. Diese Relation zeigt eine deutliche Verbesserung der Lage.
Es scheint allerdings nicht sinnvoll zu sein, zu interpretieren, dass für 10 % der HeimbewohnerInnen in Deutschland der Alltag von unnötigen Qualen und Verwahrlosung gekennzeichnet sei. Bei jeder Prüfung kann nur eine Momentaufnahme erhoben werden. Dabei gilt der Grundsatz: was nicht schriftlich dokumentiert wurde, das gilt als nicht durchgeführt. Sollten also in einer Einrichtung die allseits als überbürokratisch beklagten Schreibarbeiten nicht nachvollziehbar durchgeführt worden sein, trägt das viel zur Abwertung bei. Es kommt ein weiterer Systemfehler hinzu: Die professionelle Pflege in Deutschland beklagt seit vielen Jahren das Fehlen von eindeutigen und praktikablen Qualitätsstandards. Evidenzbasierte Pflege steckt noch in den Anfängen. Sollte eine Pflegedienstleitung sich für Vorgehensweisen entscheiden, die den Prüfenden unangemessen erscheinen trägt das zur Abwertung bei.
Ob also BewohnerInnen, Angehörige und Pflegende die Einschätzung der MDK Prüfung zu gesundheitsgefährdenden Zuständen in jedem Falle teilen darf getrost bezweifelt werden. Trotzdem gilt:
"Wenn die Gesundheit von Pflegebedürftigen geschädigt wird, sind Einrichtungen zu schließen ... Jeder schlecht versorgte Pflegebedürftige ist einer zu viel!"

Der Spitzenverband der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDS) gibt alle drei Jahre einen solchen Bericht zur Situation und zur Entwicklung der häuslichen Pflege und der Pflegeheime ab. Es wurde für 39.600 (von insgesamt etwa 2.000.000 also etwa 2%) Pflegebedürftige die "Pflegedokumentation darauf hin analysiert, ob die Schritte des Pflegeprozesses nachvollziehbar sind ... Fanden die MDK-Gutachter im Jahre 2003 noch bei rund 37 Prozent der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen und bei 41 Prozent der Pflegeheimbewohnern Defizite bei der Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung, reduzierten sich diese Werte auf knapp 30 Prozent im ambulanten Bereich und ca. 34 Prozent im stationären." Diese Zahlen wurden von schreckensbleichen Menschen aus Politik und Medien kolportiert. In den Prüfungen wurde als Mangel eingestuft, wenn "etwa der Gewichtsverlauf des Pflegebedürftigen nicht ausreichend kontrolliert" wurde. Ob regelmäßige Gewichtskontrollen pflegerisch bei allen PatientInnen nötig sind, ist sehr zweifelhaft.
Weiter schreibt der MDS: "Ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz wäre die Offenlegung der MDK-Prüfergebnisse. Diese Veröffentlichung ist derzeit aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die Spitzenverbände der Pflegekassen und MDS fordern die Politik auf, die Weichen dafür zu stellen, dass zukünftig die Prüfergebnisse des MDK, aber auch die der Heimaufsichten in verständlicher Form – für Laien – veröffentlicht werden können." Diese Forderung deckt sich mit den Beschlüssen der Regierungskoalition vom Juni 07 [zum Artikel].

Aufzaehlung zur hier zitierten Presseerklärung des MDS mit vielen weiteren Links
Aufzaehlung zum zweiten Bericht zur "Qualität in der ambulanten und stationären Pflege" [.pdf Datei, 212 Seiten, 3,8 MB]





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