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[29.12.2007]

Lebenswandel nach Lehrbuch

Chronisch Kranke müssen die vielen kleinen Lücken im System der gesetzlichen Krankenversicherung aus eigener Tasche stopfen – Jahr für Jahr. Um ihnen das Leben weniger schwer zu machen, gilt für sie eine Belastungsgrenze von 1% des Jahresbruttoeinkommens (allgemein 2%). Jetzt wird diskutiert, ob dieser „Bonus“ vom Wohlverhalten der PatientInnen abhängig gemacht werden soll.

Die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet von Überlegungen chronisch Kranke durch die gesetzliche Krankenversicherung mehr in Pflicht nehmen zu lassen. Dabei stünden die Herz–Kreislauf–Erkrankungen und der Diabetes im Vordergrund, bei denen Ernährung, Bewegung, regelmäßige Arztbesuche und Medikamenteneinnahme eine große Bedeutung haben. Alles Dinge die die PatientInnen beeinflussen können. Zur Zeit diskutiere der Gemeinsame Bundesausschuss darüber, dass die Kranken eine formelle Erklärung über ihre Bereitschaft zur Therapietreue abgeben sollen – ohne dem hätten sie kein Anrecht auf die Gewährung der verminderten Belastungsgrenze von 1%. Es ist denkbar diese Idee auszubauen, so dass konkrete individuelle Therapieziele oder Schwellwerte vereinbart würden, deren Missachtung zu Sanktionen führte.
Die Ärzte spielen bei der Umsetzung dieses Szenarios die zentrale Rolle. Sie müssten die Versicherten über die Bedingungen eines solchen Programms aufklären, Unterschriften unter Formulare geben lassen, kontrollieren, ob die Bedingungen von den PatientInnen erfüllt werden und die Krankenkassen entsprechend informieren. Hätte das einen Anflug von Bespitzelung? Ließe sich das mit der ärztlichen Schweigepflicht vereinbaren?
Die Festlegung von messbaren Bedingungen ist ebenfalls eine schwierige Sache. Wieviel Bewegung ist nach einem Herzinfarkt mindestens nötig: wöchentliche oder monatliche Besuche in der Herzsportgruppe? Soll die Krankenkasse eine SMS bekommen, wenn der Home–Trainer im Wohnzimmer zwei Tage nicht benutzt wurde? Wie viele Zigaretten werden toleriert – pro Tag oder pro Woche? Welcher BMI zieht Mehrausgaben nach sich? Könnten stark Übergewichtige dann überhaupt noch in den Genuss der verminderten Belastungsgrenze kommen?
Jeder Mensch hat das Recht sich für einen ungesunden Lebenswandel zu entscheiden (... wie war das bei Ihnen zu Weihnachten mit Fleisch und Fettigem, Kuchen und Stollen, Kaffee und Alkohol ...). Ist es vertretbar dieses Grundrecht in einem Pflichtversicherungssystem mit Strafzahlungen zu koppeln?
Doch noch ist nicht einmal klar, wie sich eine verpflichtende Erklärung im Alltag der Arztpraxen umsetzen ließe.

Zum Artikel "Der Patient unter der Lupe" der FTD vom 13.12.2007
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