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[22.8.2008]

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Bundesagentur für Arbeit hat auch die Aufgabe Menschen zu bezahlter Arbeit zu verhelfen, die als schwer vermittelbar gelten. Das ist nicht einfach, weshalb Erfolg versprechende Ideen hoch willkommen sind. So hat man sich ans Gesundheitsministerium gewandt: da gebe es doch seit der Pflegereform neue Stellen in Altenheimen als zusätzliche Unterstützung für Demenzkranke. Gern werde man entsprechende Qualifikationsmaßnahmen durchführen - zur Zeit gebe es ja auch kaum passend qualifizierte BewerberInnen. So könnte Demenzkranken geholfen und der Etat der Bundesagentur entlastet werden. Die Wellen medialer Entrüstung schlagen hoch.

Viele Pflegeeinrichtungen beschäftigen seit vielen Jahren Menschen in "Randbereichen der Pflege", die sich nicht für einen Pflegeberuf entschieden haben. In diesem Rahmen werden Spaziergänge begleitet, Besorgungen erledigt, Zeitung gelesen, Brettspiele gemacht, Friedhofs- oder Arztbesuche organisiert - eingezwängt in knappe Budgets hat das normale Personal dazu nur selten Zeit. In vergangen Jahren wurde das über ABM Programme oder Arbeit statt Sozialhilfe organisiert. Geblieben sind die Zivildienstleistenden und einigermaßen neu sind diejenigen, die als "ein-Euro-Jobber" kommen. In vielen Häusern sind Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren für diese Aufgaben sehr wichtig. Vielerorts werden sich also die Augen gerieben, weil eine wahrlich nicht neue Idee es an mehreren Tagen bis in die 20.00 Uhr Nachrichten schaffte.
Worum geht es: "Vollstationäre Pflegeeinrichtungen haben
... für die zusätzliche Betreuung und Aktivierung ... Anspruch auf "leistungsgerechte Zuschläge zur Pflegevergütung" (§ 87 b Absatz 1 SGB XI). Rechnerisch soll eine Vollzeitstelle für 25 BewohnerInnen mit eingeschränkter Alltagskompetenz geschaffen und nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigung kann anerkannt werden. Weder wird im Gesetz erklärt, welche Tätigkeiten unter "Betreuung und Aktivierung" zu verstehen sind, noch wird ein Rahmen für "leistungsgerechte Zuschläge" vorgegeben. Über die nötige Qualifikation der Beschäftigten sollen die Pflegekassen Richtlinien beschließen.
Man könnte das Gesetz so verstehen, dass Menschen mit Pflegeexamen, mit Uni Abschlüssen in Pflegewissenschaft, Psychologie, Geragogik oder Sozialarbeit oder mit dem Zertifikat aus einer Weiterbildung finanziert werden. Das Gesetz scheint den Einrichtungen viel Freiraum zur Ausgestaltung der Regelungen zu lassen. Um an bestehende Strukturen anknüpfen und bekanntes Personal einbinden zu können, wäre das auch nötig.
Die Vorschläge der Bundesagentur (mit dem Segen aus dem Bundesgesundheitsministerium) beschreiben jedoch eine minimale Qualifikation mit minimalen Kosten für die Pflegekassen. Das ist nicht ermutigend für Einrichtungen, die an der Entwicklung von Lösungen arbeiten, die auf lokale Ressourcen und individuelle BewohnerInnen zugeschnitten sein sollen.
Allerdings gibt es zu den zusätzlichen Angeboten für Demenzkranke in stationären Einrichtungen zur Zeit noch sehr viel mehr Fragen als verbindliche Antworten. Es darf darauf gehofft werden, dass die Gremien nicht Minimallösungen zum Standard machen.

Die Arbeitsagentur zur Berichterstattung unter der Überschrift: Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke pflegen (18.8.08)
Der Deutsche Berufsverband Pflegeberufe "Weniger Arbeitslose wichtiger als qualifizierte Betreuung demenzkranker Menschen" (19.8.08)
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe "Langzeitarbeitslose in die Pflege: "Ein Schritt in die richtige Richtung, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind." (19.8.08).
Erklärungen zur Einstufung von Menschen mit Demenz
Eine ausführliche Beschreibung der Veränderungen durch die Pflegereform können sie als .pdf Datei herunterladen.
unser Beitrag vom 29.8.08 über die Richlinien zu Aufgaben und Qualifikation der zustzlichen Betreuungskräfte




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