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[13.10.2008]

Altenpflege international

28 Flaggen; Quelle: WikipediaDie Lebenserwartung der Menschen steigt, nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern weltweit. Ob in den USA, Indonesien oder Brasilien: Sowohl die Zahl als auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst. Die Gesellschaften müssen sich darauf einstellen. SeniorInnen brauchen Entfaltungsmöglichkeiten - auch um ihre materielle Situation zu verbessern. Mit der Zahl der Alten steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen alten Menschen. Altenpflege ist ein Mega-Trend. Das Buch "Altenpflege international" von Holger Jendrich skizziert die Situation der Altenpflege in 28 Ländern in allen Kontinenten.

In Japan wurden für über 75 jährige die Beiträge zur Krankenversicherung fast verdreifacht. In Kambodscha oder Namibia belasten die Folgen der AIDS Epidemie die gewachsenen Strukturen der Pflege: Eltern müssen sich um todkranke, erwachsene Kinder und um ihre Enkel kümmern und gleichzeitig den Lebensunterhalt für alle organisieren. In vielen Beiträgen des Buchs wird deutlich, dass es vor allem Frauen sind die pflegen und das Frauen den überwiegenden Anteil derer stellen, die auf gesellschaftlich organisierte Pflege angewiesen sind. Die Pflege ist weiblich. Das bestätigt, was wir in Deutschland schon lange wissen. Es gibt aber auch viel Neues zu entdecken, beim Blick über den Tellerrand.
In Australien sind "Retirement Villages" (Dörfer der Ruheständler) etabliert. Selbstorganisierte Freizeitaktivitäten bestimmen den Alltag in Bungalowanlagen, bei denen Gärtner und Hausmeisterdienstleistungen vom Betreiber gestellt werden. Das Konzept "steht für selbstständiges Wohnen in einer Anlage mit Gleichgesinnten." (S. 25) Das klingt anders als die deutschen "Alten WGs" oder "betreutes Wohnen".
"Nana Apt ... beschäftigt sich mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur ... und sagt dramatische Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten voraus. [Sie] fordert die Anerkennung der Bedeutung der Familienstrukturen. Egal ob Wirtschaftspolitik, Stadtentwicklung oder Sozialpolitik: Alle Bereiche müssten dahingehend überprüft werden, ob sie dazu beiragen, die Familienstrukturen zu unterstützen." (S. 57) Das erinnert an die deutsche Umweltverträglichkeitsprüfung. Angesichts der Schwierigkeiten professionelle Altenpflege zu finanzieren ist diese Forderung aus Ghana auch für die Debatte in der BRD interessant.
Das Stichwort Globalisierung ist zwischen den Zeilen immer wieder zu finden. Nicht nur die Herausforderungen durch AIDS und alternde Gesellschaften müssen bewältigt werden. Auch die nachlassende Ortsgebundenheit der Erwerbstätigen und die zunehmende Bedeutung marktwirtschaftlicher Strukturen finden sich in den meisten Beiträgen.
Es werden 28 Länder (siehe Flaggen rechts) von verschiedenen AutorInnen vorgestellt. Leider ist wenig dazu zu lesen, wer schreibt und wie die Beiträge zustande kamen. Viele Artikel wecken die Neugier und machen Lust auf mehr. Leider werden keine Internetlinks zu den Ländern mit weiter führenden Informationen angeboten. Trotz der Sprachbarrieren wäre das sicher für viele interessant..
Dieser Band macht Globalisierung einer ganz anderen Art deutlich. Viele Gemeinsamkeiten tauchen in den Berichten auf (die von Deutschen über die Situaltion alter Menschen in anderen Ländern geschrieben werden). Das Buch bringt viele Anregungen, um mit den Herausforderungen alternder Gesellschaften umzugehen - weltweit.

Umschlag des Buches Quelle: Mabuse VerlagHolger Jenrich (Hrsg.)
Altenpflege international
Entwicklungen in der außereuropäischen Altenhilfe

Mabuse Verlag, 2008, 180 Seiten
ISBN: 978-3-940529-04-6
19.80 Euro

Zukunft der Altenpflege, unsere Rezension zu einer Studie, die die Altenpflegesysteme von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden mit dem System in Deutschland vergleicht (25. Oktober 2015).



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