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[12.12.2008]

Entfesselungen

Quelle: wikipedia.orgManche Menschen überschätzen ihre Fähigkeiten und unterschätzen die Gefahren von Stürzen, Messer, Gabel, Schere und Licht. Das die Ursache eine dementielle Erkrankung ist löst leider die Alltagsprobleme, die daraus entstehen, nicht. Manchmal finden die Pflegenden keinen anderen Weg, als die Beweglichkeit einzuschränken. Mit der Furcht vor Stürzen und Knochenbrüchen werden "freiheitsentziehende Maßnahmen" oft begründet. Ein Projekt der evangelischen Fachhochschule Freiburg hat sich gründlich damit beschäftigt, wie es möglich ist die Häufigkeit dieser drastischen Maßnahmen zu senken.

Es gibt nicht nur die Möglichkeit die Füße zu fixieren, sondern es gibt auch Gurte für die Handgelenke und den Bauch. Für Stühle gibt es Tabletts, die sich an den Armlehnen befestigen lassen und das Aufstehen unmöglich machen. Auch mit Medikamenten werden Menschen daran gehindert sich so zu bewegen, wie es ihnen in den Sinn kommt. Aber es gibt auch Nebenwirkungen: Gurte können Ursachen von Verletzungen sein (s.u.). Ein Mensch unter Psychopharmaka geht oft sehr unsicher, so dass Stürze wahrscheinlicher werden können.
Im "ReduFix-Projekt", so schreiben die InitiatorInnen, wurde in einer kontrollierten Studie untersucht, ob sich durch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln mit entsprechend geschulten Mitarbeitern und nach rechtlicher Unterweisung das Ausmaß körpernaher Fixierungsmaßnahmen reduzieren lässt. Das Modellvorhaben hatte zum Ziel durch gezielte Interventionen, eine Reduzierung der körpernahen Fixierung zu erreichen, ohne dass sich daraus negative Konsequenzen für die Bewohner ergeben. Das hauptsächliche Ziel war es, die Anzahl der fixierten Personen zu reduzieren. Zusätzlich wurde erwartet, dass die Fixierungszeiten sinken und es im Zuge dessen auch zu einer Abnahme der Verhaltensauffälligkeiten kommt. Dabei sollten sturzbedingte Verletzungen zumindest nicht zunehmen und die Verabreichung von Psychopharmaka nicht ansteigen. Diese Ziele wurden erreicht.
Auch wenn alle im Pflegeteam davon überzeugt sind, dass der Demenzpatient seine Gesundheit massiv gefährdet, empfinden die meisten Pflegenden Fesselungen als große Belastung. Da lohnt es sich mit den Ergebnissen dieses Modellprojekts intensiv zu beschäftigen.

Internetseite zum Abschusssymposium des Redufix-Projekts mit einigen Texten zum Vorgehen, zu wissenschaftlichen Methoden und zur Rechtslage.
zum Beitrag "Verfangen im Bauchgurt" auf www.kritische-ereignisse.de
Unser Beitrag vom 2.10.2007 über die Plattform Kritische Ereignisse





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