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[13.7.2009]

Diskriminierung pflegender Angehöriger

"Entdecken wir, was wir gewinnen, wenn ... wir Frauen nicht mehr aus dem Erwerbsleben katapultieren, weil Fürsorgepflichten ungleich auf die Geschlechter verteilt sind, weil es ... an entlastenden Strukturen für pflegende Angehörige fehlt." So der Bundespräsident im April. Diese Rede passt zu den vielfältigen Aussagen der Politik, die die Bedeutung der Angehörigen für die Pflege betonen. Der Alltag sieht anders aus: um die häusliche Pflege zu organisieren, müssen Angehörige viele Stellen anlaufen und, wenn sie berufstätig sind, beim Arbeitgeber um freie Tage betteln. Pflegestützpunkte sind auch ein Jahr nach der letzten Pflegereform selten. Doch pflegende Angehörige werden auf viele Arten diskriminiert.

Der Sohn von Sharon Coleman (England) wurde mit mehreren körperlichen Behinderungen geboren, brauchte ständige Aufsicht, war häufig krank und musste immer wieder ins Krankenhaus. Die Mutter wollte, so wie viele Mütter nach einigen Monaten zurück an ihren Arbeitsplatz. Doch kaum hatten sie einen Betreuungsplatz in einem Kindergarten gefunden, wurde Oliver wieder ausgeschlossen. Er sei ein Risiko für Gesundheit und Sicherheit - obwohl er seine eigene Pflegekraft mitbrachte. Der Arbeitgeber kam anderen Eltern mit viel Flexibilität entgegen. Ihr wurde das verweigert. Ihr Sohn "sei ja ständig krank". Sharon Coleman klagte und bekam vor dem europäischen Gerichtshof endlich recht. Darauf hin brachte die britische Regierung im Frühjahr ein Paket von Gesetzesänderungen zum Schutz von pflegenden Angehörigen auf den Weg.
Dieser Fall hat auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregt.
In Großbritannien werden Berichte von pflegenden Angehörigen bei der Organisation CarersUK gesammelt. Einige Beispiele:
"Wir haben uns bemüht ein Haus zu mieten, wurden aber wieder und wieder abgewiesen. Am schlimmsten waren Leute die drei Häuser anboten. Sie fragen immer wieder: 'Ist das Gör immer noch bei ihnen?' und meinten unseren behinderten Sohn. Viele fragen, ob er zerstörerische Anfälle bekäme, mit Feuer spiele und so weiter."
"Ich habe drei Kinder. Meine Tochter hat eine eine starke Lernbehinderung. Das Amt hat ihr nur für einen Tag pro Woche die Betreuung bei den Ferienspielen genehmigt. Die beiden Söhne können täglich hingehen. Das bedeutet, dass ich meine Arbeit aufgeben muss, weil wir keine andere Betreuungsmöglichkeit in den Ferien für sie haben. Hätte ich nicht ein behindertes Kind, wäre die Ferienbetreuung kein Problem."
"Mir wurde gesagt, dass eine Operation meines Karpal Tunnel Syndroms nötig sei. Ich fragte nach, wer denn in der Genesungszeit die physiotherapeutischen Übungen mit meiner Tochter machen könnte. Ich bekam keine Antwort also wurde die Operation nicht gemacht."
Leider ist anzunehmen, dass pflegende Angehörige noch auf viele andere Arten behindert werden. In Deutschland wird dieses Thema kaum öffentlich diskutiert.

"Die Chancen des Wandels nutzen" - Rede des Bundespräsidenten vom 2.4.09
Informationen zu Sharon Coleman [englisch]
Aufruf für Beiträge zu einem "discrimination dossier" [englisch] von CarersUK
Gleiche Rechte für Pflegende! - unser Beitrag vom 4.5.09






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