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[6.8.2009]

Heimaufsicht

Auflage und Einschaltquote erzielen die Medien vor allem mit schlechten Nachrichten. So lesen wir mehrmals im Jahr von Skandalen in der Pflege: Hunger, unzureichende Körperpflege, Freiheitsberaubung und manchmal auch körperliche Gewalt erreichen die Titelseiten. Immer wieder wird dann nach der behördlicher Kontrolle gefragt. Die Heimaufsicht ist Sache der Bundesländer. Sachsen hat jetzt den Bericht über die Arbeit der Heimaufsicht in den Jahren 2006/07 veröffentlicht. Dort lässt sich ganz sachlich nachlesen, wie die Heimaufsicht im Lande arbeitet und wo Probleme gesehen werden.

MängellisteDer Bericht zur Arbeit der Heimaufsicht in Sachsen in den Jahren 2006 und 2007 enthält viele Hinweise auf Probleme in der Versorgung. Manchmal wurden "sedierende Medikamente ohne ärztliche Anweisung verabreicht ... Hilfestellungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme waren nicht ausreichend. Ein Fall von möglicher Gewaltanwendung gegenüber Pflegebedürftigen wurde an die Staatsanwaltschaft übergeben." Es werden vielerlei Varianten von fehlerhafter Dokumentation beschrieben. In manchen Häusern war das Leitungspersonal nicht ausreichend qualifiziert, die Fachkräftequote wurde nicht eingehalten und Fortbildung sehr vernachlässigt. Es wurden "unzureichende Dienstplangestaltungen" und immense Ansammlungen von Überstunden moniert. "Auch von einem unkoordinierten Einsatz von Mitarbeitern einer Zeitarbeitsfirma wurde ... berichtet." Bei der Ernährung gab es zu wenig Flexibilität. "Häufig waren die Zwischenzeiten zwischen Abendbrot und Frühstück zu lang (teilweise 14,5 Stunden)."
Die sächsische Heimaufsicht ist für 57.000 Heimplätze zuständig. Tag für Tag leben dort Menschen und werden unterstützt. In den vergangenen Jahren ist "die Heimaufsicht" immer wieder in den Medien aufgetaucht. Das spricht dafür, dass die meisten öffentlich gemachten Beschwerden auch dort gemeldet werden. Im Heimbericht werden 387 Beschwerden gezählt. Sehr vieles scheint so zu laufen, dass die BewohnerInnen und ihre Angehörigen irgendwie zufrieden sind. Die Heimaufsichten des Landes Sachsen leisten ihre Arbeit mit 12 Vollzeitstellen. 9,2 Stellen werden von Verwaltungsfachleuten und nur 2,8 von Pflegeprofis besetzt. Es muss erlaubt sein zu fragen, ob die Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung angemessen darauf vorbereitet, die Lebensqualität in Altenheimen zu bewerten. Trotz der administrativen Kompetenz sind seit dem Ende des Berichtszeitraums 19 Monate vergangen bis der Bericht veröffentlicht werden konnte.
Vor zwölf Monaten trat die Pflegereform in Kraft, die vor allem für die Qualitätskontrollen viele Neuerungen brachte. Im Heimbericht wird auch darauf hingewiesen, dass die Heimaufsicht auf Prüfungen verzichten kann, wenn der MDK bereits geprüft hat. Ob und wie sich die Pflegereform 2008 auf die Arbeit der Heimaufsichten in Sachsen auswirkte ist nicht zu lesen.

Kommentar:
Dieser Bericht zeigt, dass die Möglichkeiten bürokratisch, also juristisch abgesichert, Qualität von Pflege durch Außenstehende zu prüfen, 2007 begrenzt waren. Dass in Sachsen 12 Menschen für die Qualitätsprüfungen in 1032 Heimen zuständig sein sollen, zeigt auch, dass es an Personal fehlt. Die in diesem Jahr angelaufenen einheitlichen MDK Prüfungen enthalten mehr Möglichkeiten die Qualität der pflegerischen Versorgung aus der Sicht der BewohnerInnen einzuschätzen. Die Verteilung der Aufgaben zwischen Heimaufsicht und den aus Mitteln der Pflegeversicherung finanzierten MDK Prüfungen wird hoffentlich neu bewertet. Auch hat die professionelle Pflege und die Pflegewissenschaft im deutsch-sprachigen Raum im Bereich der Qualitätssicherung noch viel Pionierarbeit zu leisten.
Das alles ist kaum geeignet Auflagen oder Einschaltquoten zu steigern.

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Unser Beitrag zur Ernährung in Altenheimen vom 24.1.2007
Unser Beitrag zur Medikamentengabe in Altenheimen: Tablettenfehler vom 21.1.2009






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