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[8.2.2010]

Gleicher Service - gegensätzliche Noten

Im Kreis Steinfurt liegen zwei Altenheime direkt nebeneinander. Ein Träger, eine Leitung, gleiches Konzept. Das Essen kommt aus einer gemeinsamen Küche und erhält von dem einen MDK-Prüfer ein "sehr gut", von dem anderen ein "mangelhaft". Diesen Spagat haben sich die Prüfexperten auch bei anderen Kriterien geleistet. Das ist weder verständlich noch erklärbar. Weil die veröffentlichten Pflegenoten die wirtschaftliche Existenz einer Einrichtung auf's Spiel setzen können, dürfen solch falsche Einschätzungen nicht vorkommen.

"Für die Caritas in der Diözese Münster zeigt sich nach der Prüfung von 60 der fast 190 katholischen Altenheime, dass 'der Prüfkatalog mit heißer Nadel gestrickt ist und nur einen Teil der Qualität erfasst', erklärt Altenhilfe-Referent Hermann Depenbrock. Gegen unangemeldete Besuche und Benotungen an sich ist aus Sicht der Caritas nichts einzuwenden ... Die bislang erreichte Durchschnittsnote aller 60 geprüften Einrichtungen von 2,8 befriedigt ... nicht ... Natürlich gebe es im Einzelfall noch Verbesserungsbedarf. Insoweit die Prüfung dafür Hinweise gebe, würden diese gerne aufgegriffen. Aber ein Gutteil, der insbesondere in den Bereichen Pflege und Betreuung demenzkranker Bewohner schlechteren Notendurchschnitte von 3,1 beziehungsweise 3,3, sei auf Fragen zurückzuführen, die wenig mit der Praxis zu tun hätten. Bewertet werde zudem zu wenig die tatsächliche Arbeit. Gute Noten gebe es nur, wenn sie schriftlich dokumentiert sei.
Problematisch sei das Verfahren auch bei der Beurteilung von Wohnformen, die vom stationären Altenheim abwichen, so Depenbrock: 'Die Besonderheiten der Kurzzeitpflege oder von Hausgemeinschaften werden nicht berücksichtigt.' ... Zu kurz kommen für Hermann Depenbrock vor allem die Bereiche, die den Bewohnern wichtig sind und die sich in ihren guten Beurteilungen widerspiegeln: 'Gute, tragfähige Beziehungen, eine annehmende Haltung der Mitarbeiter und eine insgesamt warmherzige Atmosphäre.' Nur wenn das Gesamtbild richtig erfasst werde, könnten die im Internet veröffentlichten 'Pflegenoten' alten Menschen und ihren Angehörigen Orientierung geben. 'Auf keinen Fall können die sie persönliche Gespräche mit Leitung, Mitarbeitern und Bewohnern ersetzen', rät Overhoff bei der Suche zu einem Besuch der Einrichtungen. Dafür stünden die Caritas-Altenheime jederzeit offen und begrüßten diese Form der Auswahl." *

Im Dezember veröffentlichten Heime aus Niedersachsen große Freude über die vielen Einsen, die dort vergeben wurden. Im Gegensatz dazu protestierten Heimträger aus Schleswig Holstein gegen die schlechten Noten. So deutliche regionale Unterschiede lassen vermuten, dass die Prüfkommissionen nicht einheitlich vorgehen. Der Prüfkatalog und auch die Grundlagen für die Schulung der PrüferInnen wurden vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen MDS e.V. zusammengestellt. Auf den dortigen Internetseiten ist zu den Klagen aus Münster und Köln nichts zu lesen.

* Prüfkatalog "mit der heißen Nadel gestrickt", Presseinformation der Caritas Münster vom 27.1.2010
Caritas Köln hat Klage eingereicht, unser Beitrag vom 26.1.2010
Münster: Veröffentlichung von Pflegenoten einstweilig gestoppt. Unser Beitrag vom 21.1.2010
Auf unseren Internetseiten www.pflegenoten.info können Sie sich ausführlich und verständlich zu den Pflegenoten informieren.



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