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[13.3.2010]

Erst Arbeitslos dann Pflegekraft?

Hannelore Kraft ist die letzte in einer langen Reihe von Prominenten, die zu viele Arbeitslose mit zu viel Arbeit in der Pflege zusammenbringen und falsche Ideen verkünden. Der Deutsche Pflegerat hat eine Antwort zu den Vorschlägen von Frau Kraft und für alle, die jene alten Ideen noch wieder aufgießen möchten.

"Der Deutsche Pflegerat ... sieht die Problematik der hohen Arbeitslosigkeit und insbesondere der großen Zahl an Menschen, die keine Chance für eine Anstellung im erlernten Beruf haben, keine adäquate Bezahlung erhalten oder keinen Zugang zu einer Berufausbildung haben. Dies ist gesellschaftlich eine große Herausforderung und eine große Belastung für die Betroffenen.
Die Pflegebranche - als eine der wenigen Wachstumsbranchen - bietet hier eine Chance. Allerdings entdecken immer wieder – meist fachfremde - Politiker darin eine Gelegenheit für rasche Beschäftigung von möglichst vielen Menschen zum Billigtarif: Zwei Probleme mit einer Initiative gelöst. In diese Kategorie fällt auch der Vorstoß von Frau Kraft.
Die Versorgung und Betreuung alter, pflegebedürftiger Menschen ist aber nicht ganz so einfach zu lösen. Es werden ständig quantitative und qualitative Anforderungen voneinander getrennt betrachtet. "Mehr Hände und Füße haben Priorität – mehr Köpfe sind scheinbar nicht so wichtig, das ist offensichtlich das Motto dieser Vorschläge" sagt Franz Wagner, Vize-Präsident des DPR. Langzeitarbeitslos zu sein ist kein Hinderungsgrund für eine pflegerische Berufstätigkeit, aber auch keine ausreichende Qualifikation, so Wagner weiter. Eine ständig wachsende Gruppe von gering oder gar nicht ausgebildeten Helfern soll sich den wachsenden Versorgungsbedarfen entgegenstellen. Dies macht nur Sinn, wenn diese Helfer Teil eines funktionierenden Teams sind, in dem eine ausreichende Zahl hoch qualifizierter Fachkräfte vorhanden ist. Leider wurde und wird Letzteres chronisch vernachlässigt. So entsteht in der Öffentlichkeit und bei den Pflegefachkräften immer wieder der Eindruck "Pflegen kann doch jeder". In den Einrichtungen nimmt die Zahl der Bewohner zu, die eine Pflegefachkraft betreuen muss. Sie ist dabei umgeben von immer mehr Helfern. Eine qualifizierte, planmäßige und individuell angepasste Betreuung wird dadurch zunehmend unmöglich. Die Anleitung und Überwachung der verschiedene Helfer immer weniger leistbar. Das wird weder den berechtigten Erwartungen und Bedürfnissen der Bewohner noch den 1-€-Helfern gerecht!"

1 €-Jobs keine Lösung für Versorgungsengpässe in der Altenhilfe, Presseinformation des DPR vom 10.3.2010
Richtlinien sind veröffentlicht, unser Beitrag vom 29.8.2008

Nachtrag:

Pflegebranche sucht Hartz-IV-Empfänger, Meldung der FAZ vom 3.4.2010





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