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[18.5.2010]

Pflegebranche unterschreibt ihre eigene Bankrotterklärung

Seit mindestens 20 Jahren wird mit zunehmender Häufigkeit in der Öffentlichkeit über Personalmangel in der Pflege geklagt. Man ist sich einig, dass einerseits mehr und mehr professionelle Pflegeleistungen nötig werden und andererseits eher weniger Menschen den Pflegeberuf wählen. Ulrich Marseille hat dem eine neue Variante hinzugefügt. Er forderte von der Arbeitsagentur mehr Hartz IV-EmpfängerInnen für seine "Marseille Kliniken AG".

Dazu hat die "Bundesinitiative Daheim statt Heim e.V." eine Erklärung veröffentlicht:
"Es gebe in Deutschland 300.000 Langzeitarbeitslose, die sofort in Pflegeheimen anfangen könnten, sagte Ulrich Marseille, Betreiber von 61 Pflegeheimen, Anfang April der F.A.Z in Berlin. Auf der anderen Seite säßen 'mehr als 700.000 Leute in den Pflegeheimen, die nur darauf warten, dass jemand ihnen vorliest, einen Apfel schält, sie spazieren führt und sie so aus der Einsamkeit holt,' so Marseille laut F.A.Z. weiter. Was er vermisse, sei die Unterstützung der Arbeitsagenturen. Marseille: 'Die Bundesagentur muss ihre Arbeitsämter endlich anweisen, geeignete Langzeitarbeitslose aus ihren Karteien herauszusuchen.'
Diesem Vorwurf hat Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, jetzt widersprochen: 'Wir haben rund 25.000 potentielle Pflegekräfte identifiziert und davon 15.000 qualifiziert, die Nachfrage aus den Pflegeeinrichtungen blieb jedoch aus', so Alt laut F.A.Z.
'Es entsteht der Eindruck, dass Pflegeheime zwar viele billige Hartz-IV-Empfänger, aber keine qualifizierten Kräfte beschäftigen wollen', kommentiert diese Entwicklung Silvia Schmidt, Initiatorin der Bundesinitiative Daheim statt Heim. 'Damit unterschreibt die Branche ihre eigene Bankrotterklärung. Wir wehren uns entschieden dagegen, durch den massenhaften Einsatz von Hartz-IV-Empfängern ein bankrottes, menschenunwürdiges System künstlich am Leben zu erhalten und die Gewinne der Heimbranche mit Billigkräften zu steigern.'
Ulrich Marseille hatte laut F.A.Z. angeboten, mindestens 500 Hartz-IV-Empfänger in seinen Einrichtungen zu beschäftigen. Diesen wolle er 'bis zu' 400 Euro (!) im Monat bezahlen und ihnen – sofern sie sich bewähren - nach zwei Jahren (!) eine feste Arbeitsstelle anbieten."

Pflegeheime wollen Hartz-IV-Empfänger - Branche unterschreibt ihre eigene Bankrotterklärung, Presseerklärung der BI-Daheim (Mai 2010)
Brennpunkt Pflege - Zur Situation der beruflichen Pflege in Deutschland pdf Logo, Broschüre des DBfK vom Oktober 2005
Politik verschläft Pflegepersonalmangel pdf Logo, Presseerklärung des Deutschen Pflegerats vom 8.4.2010
Demo in Berlin - Nachlese, unser Beitrag vom 26.9.2008
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