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[26.5.2010]

Die Pflege im Fieber

Pflegenotstand heißt, dass die Gesundheit von PatientInnen in Gefahr ist. Pflegenotstand heißt, dass Pflegende von der Arbeit krank werden. Pflegenotstand heißt, dass kaum Aussichten bestehen genug Menschen für die Arbeit in der Pflege zu begeistern, um den Bedarf zu decken. Über viele Jahre verhallen die Warnrufe der Berufsverbände der Pflege ungehört. Die Lage wird immer weiter verschärft. Das Pflegethermometer 2009 belegt einmal mehr mit wissenschaftlicher Gründlichkeit, dass vor Jahren hätte gehandelt werden müssen.

Das "Pflegethermometer 2009 des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) zeigt erschreckende Befunde: drastische Mängel in der Patientenversorgung, hoffnungslos überlastete Pflegekräfte, die diese Lasten inzwischen nicht mehr tragen können. 'Das System Krankenhaus wurde kaputtgespart!' sagt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). 'Wer jetzt nicht handelt hat den weiteren Zusammenbruch der Krankenversorgung in deutschen Kliniken zu verantworten! Alle Zuständigen, Träger, Politik und Kostenträger, müssen umdenken, andere Prioritäten setzen und für eine schnelle und dauerhafte Entlastung der Pflege sorgen.'
Mit dem lapidaren Verweis auf fehlende Finanzmittel wurde in Deutschland jahrelang Pflegepersonal abgebaut, Pflegende in den Kliniken hemmungslos ausgebeutet und die Sicherheit ihrer Patienten aufs Spiel gesetzt. Offensichtlich war aber immer genug Geld vorhanden, um
- die Anzahl der Klinikärzte um 26 % zu steigern,
- überproportionale Tarifzuwächse des ärztlichen Dienstes zu finanzieren,
- unreguliert hohe Preise für Arzneimittel zu zahlen,
- Über- und Fehlversorgung besonders im Bereich medizintechnischer Ausstattung zu bedienen,
- eine mit jeder Gesundheitsreform stärker aufgeblähte Bürokratie zu unterhalten.
Deutschland leistet sich nach wie vor eines der vier teuersten Gesundheitssysteme der Welt, gehört allerdings in der Pflegekraft-Patienten-Relation zu den Schlusslichtern (OECD). Die dramatischen Auswirkungen kann jeder Patient unmittelbar erleben: Minimalversorgung im Sekundentakt, mehr Fehler bei der Medikation, grobe Hygienemängel und kritisch steigende Infektionszahlen in den Kliniken. Der direkte Zusammenhang zwischen mangelhafter Pflegekapazität und lebensbedrohenden Komplikationen für Patienten ist durch internationale Studien seit langem belegt, in Deutschland wird dies nach wie vor ignoriert.
Um die unerträglichen Belastungen im Beruf abzumildern gehen Pflegefachkräfte in Teilzeit – und tappen gleich in die nächste Falle: Die Krankenhäuser fordern unvermindert Mehrarbeit, sparen dann aber die Zahlung von Überstundenzuschlägen. Das hat Methode als mittlerweile probates Instrument der Kostensenkung. Und den Mitarbeitern droht darüber hinaus zweierlei: Altersarmut durch geringere Rentenerwartung und die Frühberentung wegen gesundheitlicher Schäden durch jahrelange Überlastung." Welche Arbeitgeber nehmen ihre Fürsorgeverpflichtung und den gesetzlichen Arbeitsschutz ernst?
"Der Pflegefachkräftemangel hat schon jetzt gravierende Auswirkungen für die Unternehmen der Gesundheitsbranche, mit den heutigen Rahmenbedingungen wird man kaum junge Menschen für einen pflegerischen Beruf motivieren können." *

Vor diesem Hintergrund hat der DBfK den "Agnes-Karll-Pflegepreis 2010" unter das Motto gestellt:
Neues Personal gewinnen – erfahrenes Personal halten
Diese Aufgabe könnte die Herausforderung für Arbeitgeber im kommenden Jahrzehnt werden. "Der Pflegeberuf verliert an Attraktivität – nicht zuletzt durch die besonderen Arbeitsbelastungen, denen Pflegende ausgesetzt sind. Den Unterschied machen Einrichtungen mit vorbildlichen Ideen zu Gewinn, Förderung und Erhalt ihres Personals. Dazu zählen Innovationen genauso wie Gesundheitsförderungskonzepte und flexible Arbeitszeitstrukturen."

"Gerade vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist es dringend notwendig, dass wir unseren Blick für die Pflege schärfen. Immer mehr ältere Menschen werden pflegebedürftig. In der öffentlichen Diskussion wird dies nach wie vor unterschätzt", so Bundesminister Dr. Rösler am 26.5 in Lehnin. Zum Pflegenotstand und nötigen poitischen Maßnahmen äußerte er sich nicht.

* Die Krankenhauspflege kollabiert – DBfK fordert schnelle und nachhaltige Entlastung, Pressemitteilung des DBfK vom 19.5.2010
Pflegepersonalmangel eindrucksvoll empirisch belegt - DPR fordert zum konzertierten Handeln auf, Presseinformation des Deutschen Pflegerats vom 19.5.2009
Bundesminister Dr. Rösler eröffnet in Kloster Lehnin die Fotoausstellung "Ein neuer Blick auf die Pflege", Meldung des Gesundheitsministeriums vom 26.5.2010
Ausschreibung zum Agnes Karll Pflegepreis als pdf Logo -Datei laden
ZDF - Frontal 21 zum Pflegenotstand
Pflege-Thermometer 2009 »Eine bundesweite Befragung von Pflegekräften zur Situation der Pflege und Patientenversorgung im Krankenhaus« pdf Logo-Datei vom Deutschen Institut für Pflegeforschung
Demo in Berlin - Nachlese, unser Beitrag vom 26.9.2008
Pflegealltag - mal ehrlich, unser Beitrag vom 28.8.2009





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