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[3.6.2010]

Gesundheit in Gaza

Seit 2007 ist im Gaza Streifen das Überleben noch schwieriger geworden. Die Konfrontationen zwischen Hamas und dem Staat Israel haben dazu geführt, dass die gesamte Bevölkerung hinter einem Wall aus Handels-, Reise- und Informationsschranken leben muss. Dies hat gravierende Folgen für die Gesundheit. In Einzelfällen ist der Zusammenhang zwischen einem Todesfall und der Blockade eindeutig, über eine Millionen Menschen leiden jedoch unter den indirekten Konsequenzen. UN Organisationen und in Deutschland zum Beispiel Pax Christi und IPPNW* protestieren seit Jahren gegen die Zustände.

In einem Bericht aus dem Jahr 2008 schreibt Matthias Jochheim, Mitglied des Vorstands der deutschen IPPNW über seine Eindrücke von einer Reise nach Nahost: Eine "dringend erforderliche Erweiterung der Kläranlage, für die Gelder von der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau bereitstehen," kann genau so wenig realisiert werden wie nötige Reperaturarbeiten an Krankenhäusern. UN und private Organisationenast können kaum Material für den Wiederaufbau nach Gaza einühren, weil die isrealischen Behörden die nötigen Genehmigungen verweigern (UNRWA am 10.3.2010). Beispielweise gehört "Zement zu den Gütern ... die 'aus Sicherheitsgründen' nicht nach Gaza durchgelassen werden'."
"In Tel Aviv berichtete ... Miri Weingarten von den schwierigen Auseinandersetzungen mit den Regierungsinstitutionen um jeden einzelnen Patienten, der z.B. wegen einer Krebserkrankung Bestrahlung braucht oder wegen einer komplizierten Herzoperation eine Ausreisegenehmigung aus Gaza benötigt. Immer wieder werden solche Genehmigungen verweigert oder auch so lange verzögert, bis der Betroffene an der Erkrankung und fehlenden Therapie verstirbt."
Mangel an Dieseltreibstoff der für Strom-Generatoren benötigt wird, ist so gravierend, dass die Ambulanz eines Krankenhauses zeitweise geschlossen werden musste. "Das Personal kommt wegen des Treibstoffmangels für den öffentlichen Transport oft zu spät zum Dienst ... Untersuchungen von Operationspräparaten sind enorm erschwert, da dies in Gaza nicht mit der erforderlichen Qualität geleistet werden kann, und der Transport nach Jerusalem bürokratisch behindert wird: für jedes einzelne Präparat muß eine gesonderte Genehmigung beantragt werden ... Die Wasser- und Abwasserbearbeitung erhielt im April nur 31% ihres Bedarfs an Treibstoff, was zu gravierenden Einschränkungen führte: 15% der Bevölkerung hatten nur 4 bis 6 Stunden pro Woche fließendes Wasser, 25% alle vier Tage, nur 60% verfügten täglich über Trinkwasser ... Schwierig ist es auch, unentbehrliche medizinische Geräte wie z.B. Inkubatoren oder Dialysegeräte trotz der Blockade und daraus folgendem Ersatzteilmangels in Funktion zu halten."
Die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) beschreibt die seit Jahren immer schlechter werdende soziale und wirtschaftliche Situation und weist auf die psychischen Folgen des Lebens im abgeschlossenen Gaza hin. Die UN beschäftigt allein 200 psychologischer BeraterInnen, die an Schulen arbeiten.
Die BBC berichtet am 3.5.2010 von amtlichen Dokumenten in denen die Transport- und Reisebeschränkungen als "zentrale Säule der Maßnahmen" bezeichnet wird, "die dem Staat Israel im bewaffneten Konflikt mit der Hamas zur Verfügung stehen."
Jochheim zitiert eine Krankenhausleitung: "1,4 Millionen Menschen in einem Käfig zu halten, ist inhuman."

Und zur "großen Politik" ...
Wenn ich als Deutscher zum Nahost Konflikt schreibe ist es wohl nötig einige Selbstverständlichkeiten zu notieren. Alle Israelis haben das Recht auf ein Leben ohne Angst vor terroristischen Anschlägen oder gewalttätigen Übergriffen, egal ob sie Juden, Christen, Agnostiker oder Moslems sind. Das gleiche Recht gilt für die Menschen die in der Westbank oder in Gaza leben.
Nein, ich weiß nicht, wie sich diese Selbstverständlichkeit nach Jahrzehnten der Gewalt verwirklichen ließe.
Georg Paaßen

* IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.

Medizin unter Belagerung - Eine Visite in Gaza Beitrag von Matthias Jochheim, Mitglied des Vorstands der deutschen IPPNW, vom 9.6.2008
Stellungnahme pdf Logo der pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann zu den Schiffen mit Hilfsgütern für Gaza vom 20.5.2010
www.unrwa.org, Internetseite der UN Hilfsorganisation für palestinensische Flüchtlinge (englisch/arabisch/hebräisch)
Situation worsens as Gaza blockade nears 1,000-day milestone, Meldung der UNRWA vom 10.3, 2010
Details of Gaza blockade revealed in court case, Bericht der BBC vom 3.5.2010





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