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[9.7.2010]

Pflege ist kein Partyservice

Es gibt sie, Buffets auf denen alles stimmt: Das Obst frisch, die Speisen wohltemperiert, die Dekoration hübsch und von allem ist genug vorhanden - und wenn der Preis passt wird, der Partyservice auch gern weiter empfohlen. Welker Salat, wässrige Kartoffeln und warmer Sekt - das führt schnell zu Ärger, obwohl das mit dem verpatzten Buffet ja kein Beinbruch ist. Eben. Menschen, die alltägliche Verrichtungen nicht ohne Unterstützung bewältigen können, haben es viel schwerer Mängel in der Pflege zu erkennen und ihre Interessen durchzusetzen. Das gilt bei Pflegebedarf auf Zeit wie nach einem Beinbruch, und ist bei chronisch Pflegebedürftigen noch viel komplizierter. Um die Pflegebedürftigen zu unterstützen, können Ombudsleute helfen.

Ombudsleute haben die Aufgabe, "in einer Organisation oder in der Öffentlichkeit bei bestimmten Themen eine ungerechte Behandlung von Personengruppen zu verhindern. So gesehen bedeutet ein solches Amt eine unparteiische Vorgehensweise bei Streitfragen – unter Berücksichtigung der Interessen von Personen, deren Belange als Gruppe infolge eines fehlenden Sprachrohrs ansonsten wenig beachtet würden (zum Beispiel von Kindern, Krankenhauspatienten)." Bezeichnung und grundlegende Idee kommen aus den skandinavischen Ländern (Wikipedia). Der Charme des Konzepts liegt darin, dass die Ombudsleute nicht Partei in einer Auseinandersetzung sind. Sie werden unabhängig finanziert, sind fachlich versiert und den Interessen der Unterstützungsbedürftigen verpflichtet. Sie haben das Recht umfassende Auskünfte zu fordern und die Pflicht die Vertraulichkeit, vor allem ihrer Klientel, zu achten. Sie sollen eher eine Schlichtung als eine Verurteilung erreichen. Das macht es möglich viel schneller und persönlicher zu agieren, als das Anwälten, Polizei oder Gerichten möglich wäre. Das Sozialwerk St. Georg beschreibt die Aufgaben seines Ombudsmanns:
"Wenn Sie innerhalb des Sozialwerks
- glauben, nicht zu Ihrem Recht zu kommen,
- sich ungerecht behandelt fühlen,
- Hinweise geben wollen,
- sich nicht informiert fühlen,
- mit Entscheidungen nicht einverstanden sind,
- Dienstleistungen bewerten wollen,
dann wird der Ombudsmann bei einer Beschwerde oder einem Anliegen tätig."
Aus den Tätigkeitsberichten der "Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft" geht hervor, dass es den MitarbeiterInnen möglich ist, schnell zu handeln und Probleme manchmal in wenigen Tagen aus der Welt zu schaffen. Zwei Beispiele: Eine Rentnerin stürzte im Bad in Gegenwart von zwei Pflegekräften ... In Gesprächen mit Einrichtung und Haftpflichtversicherung war es möglich ein Schmerzensgeld zu organisieren - ganz ohne Gerichtsurteil. Trauernde Angehörige beklagen "man sei den verzweifelten Angehörigen weder mit Zuspruch oder Verständnis begegnet, noch habe man dafür gesorgt, dass die räumlichen und atmosphärischen Bedingungen der belastenden Situation für den Sterbenden selbst und die anwesenden Angehörigen entsprechend gegeben waren." Es war möglich ein klärendes Gespräch mit der Klinikleitung zu moderieren, was den Trauernden sehr wichtig war.
Das Ombudsleute "weisungsfrei und unabhängig" agieren und auch an die Öffentlichkeit gehen können ist für ihre Arbeit besonders wichtig, meint Werner Vogt, der als Ombudsmann in Wien tätig war. In Aachen wurde 1996 begonnen. "Die Installierung des Ombudsmann war und ist nur möglich, wenn die Einrichtungen bereit sind, mit ihm auf freiwilliger Basis zusammen zu arbeiten. Wenn eine solche Zusammenarbeit verweigert wird, kann der Ombudsmann auch nicht vermittelnd tätig werden." In Schleswig-Holstein wurden von der Landesregierung Patientenombudsleute eingesetzt. Sie werden bei "Konflikten, insbesondere zwischen Patientin/Patient und Arzt, aber auch bei Problemen mit Krankenhäusern, Krankenkassen und Apotheken" oder im Bereich der Rehabilitationseinrichtungen aktiv. "Sie unterliegen keinerlei Weisungen oder Einflussnahmen Dritter."
Ein schlampig lackiertes Auto oder eine tropfende Waschmaschine sind ärgerlich und kosten manchmal Geld. Es wird deutlich das Wirtschaft und Gesundheitswesen nicht immer den gleichen Regeln folgen. Daher ist es nötig besondere Einrichtungen für die Unterstützung der Pflegebedürftigen zu schaffen. Schlechte Pflege betrifft Menschen, die kaum in der Lage sind offensiv für ihre Interessen einzutreten. Schlechte Pflege kostet manchmal die Gesundheit.

Aufgaben des Ombudsmann, Informationen der Ombudsstelle der Pflege Regio Aachen. Dort sind auch Erfahrungsberichte verlinkt.
Der Ombudsmann pdf Logo, Informationsblatt des Sozialwerks St. Georg
Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein e. V. ein Angebot für Patientinnen und Patienten in Schleswig-Holstein, Informationen und Tätigkeitsberichte
Internetseite der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft und Tätigkeitsberichte für die Jahre 2007 pdf Logo und 2008 pdf Logo
Ein Unbequemer muss weg: "Natürlich gehe ich im Zorn", Interview mit Werner Vogt, Wiener Zeitung, 27.12.2006
Brigitte Heinisch, unser Beitrag zur Verleihung des Whistleblower Preises vom 30.3.2007
Neu: Pflegebeauftragter in Bayern, unser Beitrag vom 2.2.2011
unser Beitrag Die Würde des Menschen ... vom 19.2.2011





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