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[24.1.2011]

Gefährlich leise

Aus guten Gründen arbeitet die Industrie seit Jahren daran Autos immer leiser zu machen. Das Geräusch eines fahrenden Autos kann lebenswichtig sein - wenn jemand über die Straße möchte, aber nicht sehen kann. Doch die modernen Hybrid Fahrzeuge sind kaum noch zu hören. Neue kleine Elektrofahrzeuge bergen ähnliche Risiken. Die Bundesregierung finanziert jetzt ein Forschungsprojekt des Blinden und Sehbehindertenverbands zu Gefahren der e-Mobilität.

Für blinde und sehbehinderte Menschen stellen die Einführung geräuscharmer Technologien und damit einhergehende Entwicklungen im Straßenverkehr eine große Herausforderung dar. Dabei geht es um neuerdings fast geräuschlos rollende Autos oder PKW mit Elektromotor. Dass Fahrräder leise sind ist bekannt, hinzu kommen Gefahren durch Roller Skating und elektrisch angetriebene Roller. Mehr und mehr Menschen sind auf Gehwegen mit alternativen, oft elektrisch betriebenen Fahrzeugen wie dem Segway unterwegs.
Der Deutsche Blinden und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) schreibt dazu: "Derartige elektrisch betriebene Fahrzeuge können aufgrund ihrer fast geräuschlosen Fortbewegung nicht rechtzeitig wahrgenommen und daher ihre Entfernung und Richtung nicht richtig eingeschätzt werden. Hinzu kommen weiterhin Neuentwicklungen in der Herstellung von Autoreifen, auch sie werden zunehmend umweltfreundlicher im Sinne einer geringeren Geräuschbelastung anderer Verkehrsteilnehmer. Die genannten Faktoren tragen dazu bei, dass der zukünftige Straßenverkehr für sensorisch behinderte Menschen und in Anbetracht der umgedrehten Bevölkerungspyramide auch für ältere Menschen immer gefährlicher, weil nicht mehr rechtzeitig akustisch wahrnehmbar, wird. Ziel dieses Projektes muss es daher sein, aufgrund dieses Wahrnehmungsverlustes gemeinsam mit Entwicklern solcher Technologien und Herstellerfirmen nach Lösungen zu suchen, die Gefährdungen durch konstruktive Lösungen – wie rechtzeitiges automatisches Abbremsen bei entstehenden Gefahrensituationen – zu vermindern. Überzeugende und sichere Lösungen dafür gibt es beispielsweise bereits bei führerlos fahrenden U-Bahnzügen in Nürnberg.
Der DBSV hat beim Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit (www.barrierefreiheit.de) ein Projekt zum Thema E-Fahrzeuge bewilligt bekommen. Projektziel ist sowohl die Analyse eines Gefährdungspotentials für sensorisch behinderte Menschen, Kinder und ältere Menschen durch neue Technologien im Fahrzeugbau ... wie auch eine gemeinsame Suche nach technischen Lösungen zur Minderung dieses Gefahrenmoments im öffentlichen Straßenverkehr."

Elektromobile können einen Beitrag zum großen Ziel der Klimapolitik leisten (wenn der Strom umweltverträglich erzeugt und zu den Fahrzeugen befördert wird). Die gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung durch Lärm sind für viele Einzelne und für die Gesundheitssysteme ein großes Problem. Risiken und Nebenwirkungen von Erfolgen bei Klimapolitik und Lärmschutz dürfen aber nicht außer Acht gelassen werden.

Vor wenigen Jahren rauschte der Blätterwald wegen "iPod-Unfällen". Das Schlagwort wurde erfunden, weil manche Menschen, zu Fuß im Straßenverkehr unterwegs, ihre Aufmerksamkeit vor allem ihrem Musikspieler zuwandten. Neue Kopfhörer sorgen dafür, dass die Geräusche der Außenwelt weitgehend ausgesprerrt werden, was zu einigen schweren Unfällen führte. Auch wer mobil telefoniert oder beständig auf's Smartphone starrt ist im Straßenverkehr massiv gefährdet. Und das Kinder und Menschen mit schlechtem Gehör den Gefahren des Straßenverkehrs besonders ausgesetzt sind, ist Allgemeingut.
Wären die Sehbehinderten mit ihren Bemühungen zur Risikominderung erfolgreich, hätten auch viele Menschen etwas davon, die keine Schwierigkeiten mit dem Sehen haben.

Internetseite des DBSV zu Fragen der e-Mobilität



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