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[19.2.2011]

Die Würde des Menschen ...

Am 15. Februar veröffentlichte die englische Ombudsfrau für das Gesundheitswesen einen Bericht über die Versorgung älterer Menschen. Sie zeigt zehn Beispiele für Vernachlässigung und Ignoranz und erklärt: "Die Ergebnisse meiner Untersuchungen decken eine Grundeinstellung auf, die auf es persönlicher wie auf institutioneller Ebene gibt. Menschlichkeit und Individualität werden ignoriert."

Zehn Beispiele aus dem Bericht "Care and Compassion" der englischen Ombudsfrau für den Nationalen Gesundheitsdienst (NHS), Ann Abraham. Es sind im Jahr 2010 etwa 1600 Beschwerden dort eingegangen, die die Versorgung von Menschen betreffen, die älter als 65 Jahre sind.

Mr. & Mrs. J.
Mrs. J. war 82 Jahre alt und litt an Alzheimer. Sie wurde wegen Atembeschwerden notfallmäßig gegen 22:30 Uhr ins Krankenhaus in Ealing gebracht. Der Ehemann wurde gebeten im Warteraum zu bleiben. Der Zustand von Mrs. J verschlechterte sich, sie musste sich übergeben und schließlich brach der Kreislauf zusammen. Es wurde entschieden sie nicht wieder zu beleben. Sie strab gegen 1:00 Uhr. Das Krankenhauspersonal hatte Mr. J. im Wartebereich vergessen, während seine Frau mit dem Tod rang. Niemand hatte sich für ihn während der etwa drei Stunden interessiert. Er wurde in die Entscheidung keine Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen nicht einbezogen. Gegen 1:40 Uhr wurde er informiert, dass seine Frau verstorben war. [zum Bericht über Mr. & Mrs. J. (englisch)]

Mrs. Y.
Mrs. Y. verstarb nach einem Magendurchbruch nachdem der behandelnde Hausarzt mehrere Gelegenheiten ein Magengeschwür zu diagnistizieren nicht genutzt hatte. [zum Bericht über Mrs. Y. (englisch)]

Mr. D.
Mr. D. wollte gern zu Hause sterben. Das Krankenhaus in Bolton entschied kurzfristig den Entlasstermin drei Tage vorzuziehen. Als die Angehörigen kamen, hatte Mr. D. bereits mehrere Stunden hinter einem Vorhang warten müssen. Der Notruf war außer Reichweite, Mr. D. hatte massive Schmerzen und musste seit längerem dringend zur Toilette. Sein Mund war so trocken, dass er kaum sprechen konnte. Eine Infusion hatte sich gelöst und war auf den Boden gelaufen. Die vom Krankenhaus mitgegebenen Schmerzmedikamente reichten nicht über das lange Wochenende und inzwischen war Mr. D. kaum noch in der Lage zu schlucken. Statt am Sterbebett Mr. D. zu begleiten verbrachten die Angehörigen viele Stunden damit Rezepte und Medikamente zu besorgen. Sie mussten auch selbst eine Verordnung organisieren, damit ein ambulanter Pflegedienst die Injektionen vornehmen konnte. Mr. D. starb am Dienstag. [zum Bericht über Mr. D. (englisch)]

Mr. C
Das Krankenhauspersonal in Oxford zog den Stecker der lebenserhaltenden Maschinen bei Mr. C. und ignorierten die Bitten der Familie, den Angehörigen noch etwas mehr Zeit für den Abschied zu geben. [zum Bericht über Mr. C. (englisch)]

Mrs. R.
Die Tochter berichtet, dass Mrs. R. während eines 13-wöchigen Krankenhausanfenthaltes, nicht ein mal angeboten worden sei zu baden, zu duschen oder auch nur die Haare zu waschen. Angehörige hätten das übernommen ... wenn jemand zu finden gewesen wäre um die Geräte im Stationsbad zu erklären. Nach einiger Zeit juckte die Kopfhaut so stark, dass die Pflegekräfte die Patientin auf Läuse untersuchten.
Die Tochter bat über vier Tage erfolglos um einen Verband für eine offene, nässende Wunde.
Beschwerden der Angehörigen wurden mit dem Hinweis: hier gibt es keine Beschwerdeabteilung! abgewiesen.
Mrs. R. konnte ohne Hilfe nicht essen, bekam aber trotz mehrfachen Bittens vom Personal keine Unterstützung. Die Pflegekräfte stellten Essenstabletts und Getränke außerhalb der Reichweite der Patientin ab. Die Familie hatte den Eindruck Mrs. R. bekäme nichts zu essen, wenn sie nicht selbst die notwendigen Hilfen übernähme. Die Tochter sagt, solches Verhalten liefe in ihren Augen auf "Euthanasie" hinaus. [zum Bericht über Mrs. R. (englisch)]

Mrs. H.
Mrs. H. wurde von einem Krankenhaus in ein Pflegeheim verlegt. Als sie dort ankam hatte sie Hämatome, triefte von Urin, war verwirrt und trug Kleidung eines Fremden. [zum Bericht über Mrs. H. (englisch)]

Mr. W.
Ein Krankenhaus beendete die Behandlung und schickte Mr. W nach Hause, ob wohl er dazu gesundheitlich nicht in der Lage war. Daraus entstand eine lebensbedrohliche Situation für Mr. W. [zum Bericht über Mr. W. (englisch)]

Mrs. G.
Nach der Krankenhausentlassung von Mrs. G. überprüfte die Arztpraxis die Medikation nicht. Das hatte schwerwiegende gesundheitliche Folgen für Mrs. G. [zum Bericht über Mrs. G. (englisch)]

Mr. L.
Die Behandlung, die Mr. L. in einem Krankhenhaus in Surrey zuteil wurde, war entwürdigend und nahm ihm die Chance eine Lungenentzündung zu überleben. [zum Bericht über Mr. L. (englisch)]

Mrs. N.
Die Ärzte eines Krankenhauses in Lincolnshire diagnostizierten Mrs. N.’s Lungenkrebs, ließen ihre Schmerzen aber unbehandelt. [zum Bericht über Mrs. N. (englisch)]

Menschen die auf medizinische oder pflegerische Hilfe angewiesen sind erleben oft eine Lebenskrise. Krankheit oder Behinderung fordern körperlich und seelisch viel Energie. Vor diesem Hintergrund ist Vernachlässigung durch Medizin- und Pflegeprofis besonders schlimm - und hat manchmal fatale Folgen. Gern würde ich schreiben, dass so etwas in Deutschland nicht passieren könnte. Es kann passieren.
Wer auch immer Personaleinsparungen in der Pflege beschließt, muss damit rechnen, das solch kritische Ereignisse häufiger werden.
Die Würde des Menschen ist antastbar.
Georg Paaßen

Care and Compassion, der Bericht der Ombudsfrau als pdf Logo-Datei (in englischer Sprache). Darin ist auch zu lesen, was die Recherchen der Ombudsfrau ergeben haben und wie die Einrichtungen reagiert haben, nachdem die Ereignisse offen gelegt wurden.
unser Beitrag Pflege ist kein Partyservice vom 9.7.2010



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