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[18.3.2011]

Japan

"Ein 38-jähriger stand vor den Resten seines Hauses und rief nach seinem Vater. Das Haus liegt in Trümmern, das Auto auf dem Dach. Alles, Fahrrad, Ventilator und Videobänder liegt im Schlamm. Von den acht Familienmitgliedern ist nur der 74-jährige Vater vermisst, der allein zu Haus war. 'Ich habe ihn direkt nach dem Beben angerufen und er sagte: 'Im Haus liegt alles durcheinander, aber ich bin in Ordnung.'' berichtet der Mann, während er den Schutt durchsucht. 'Ich habe nach Dingen gesucht, die mich an ihn erinnern. Aber da ist nichts.'" *

Nach dem Erdbeben in Kobe im Jahr 1995 starben 6400 Menschen. Damals war ein Problem, dass es nicht möglich war, ausreichend qualifiziertes medizinisches Personal vor Ort zu bringen.
Das damalige Erdbeben war weniger heftig als das vom 11.3.2011. Einen Tsunami gab es nicht. Zusätzlich muss der Katastrophenschutz heute auf einen Atomunfall reagieren, der furchterregender ist als alles, was jemals angenommen wurde. Auch in Japan wird öffentlich seit Jahren ein Mangel an ärztlichem und pflegerischen Personal - vor allem in ländlichen Gebieten - diskutiert. Die Katastrophenhelfer in den Tsunami-Gebieten könnten schon bald völlig überfordert sein, schreibt die Japan Times.
Und weiter: Die Metropolenregion Tokio ist etwa 250 km von den entfesselten Reaktoren in Fukushima entfernt. Dort leben etwa 34.000.000 Menschen. Es gibt Katastrophenschutzpläne für den Fall eines Erdbebens oder für einen Atomunfall - aber niemand hat Pläne für beides gleichzeitig.
Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) schreiben am 16.3. von "Millionen von Menschen", die zur Zeit nicht ausreichend mit lebenswichtigen Hilfen versorgt werden können.


Japan: Erdbeben und Tsunami
Themenseite des Deutschen Roten Kreuzes
dort kann für die Katastrophenhilfe gespendet werden.


sonne"Jahrelang haben wir vorausgesagt, dass so etwas passieren kann", sagte Professor Ulrich Gottstein (IPPNW-Deutschland). "Es hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass es erst einen Unfall braucht, um die Menschen von den Gefahren zu überzeugen." Was in Japan geschehe erfülle ihn mit großer Trauer. Bei einer Spontandemo in Frankfurt mahnten die IPPNW-Leute:
"Gestern Tschernobyl, heute Fukushima, morgen Biblis."
Die Informationen über die Geschehnisse in der Atomanlage Fukushima sind zur Zeit wenig genau. Was in den nächsten Wochen noch alles passiert ist kaum vorstellbar.
Es scheint so, als ob das Desaster fürchterlicher wird als Tschernobyl. Über die traurigen Folgen der Reaktor-Katastrophe in der Ukraine gibt es viele Berichte. Der IPPNW hat das Wichtigste zusammengestellt - Anlass war, dass sich der Unfall in Tschernobyl am 26. April zum 25. mal jährt.
"Das gesundheitliche Erbe von Tschernobyl"
Der IPPNW berichtet von Angaben der Liquidatoren-Vereinigungen. Sie wurden gegründet, um die Interessen der Menschen zu organisieren, die nach dem Reaktor-Unfall an Katastrohenschutzmaßnahmen mitarbeiteten. "Allein bei den Liquidatoren gebe es bisher 112.000 bis 125.000 Tote bei insgesamt 830.000 Helfern. Die durchschnittliche Lebenserwartung der inzwischen Verstorbenen liege bei rund 43 Jahren. 94 Prozent der Aufräumarbeiter seien heute erkrankt, vorwiegend an Nicht-Krebs-Erkrankungen."
Gibt es Grund zu hoffen, dass es in Japan weiniger schlimm wird?
Dr. Bernd Hontschik appelliert in der Frankfurter Rundschau:
"Leute, hört auf Eure Ärzte: Wir werden Euch nicht helfen können! Es gibt nur eine Vorsorge. Ausstieg. Jetzt."

ippnw logoWenn Sie die IPPNW dabei unterstützen wollen, über die Gefahren der Atomenergie aufzuklären und konsequent für den Ausstieg zu arbeiten, können Sie spenden.


* Bericht aus der Stadt Minamisoma (Präfektur Fukushima) auf Japan Times Online vom 13.3.2011 (englisch)

Die Quellenangaben zu diesem Artikel finden Sie hier.



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