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[26.3.2011]

Selbstbestimmt leben

Hauptsache Gesund! Und wenn nicht? Was ist Ihnen das Wichtigste, wenn Sie dauerhaft auf pflegerische Hilfen angewiesen wären? Die eigene Wohnung mit den Erinnerungen an früher? Die Möglichkeit täglich an die frische Luft zu können? Jemanden zum reden haben, nicht nur am Telefon? Den Kindern nicht zur Last fallen?

Frau Nikuta hat seit Jahren Probleme mit der Lunge, das Herz spielt nicht mehr so richtig mit und hin und wieder ist ihr schwindelig. Mehrmals war sie für Wochen im Krankenhaus. Jetzt liegt sie nachts oft lange wach: Muss sie es wagen, allein zur Toilette gehen und einen Sturz riskieren oder schafft sie es noch bis der Pflegedienst am Morgen kommt?
Der Gedanke "Ins Heim abgeschoben" kommt fast selbstverständlich auf, wenn es darum geht, ob das Leben zu Hause noch möglich ist. Ganz alltäglich ist die Entscheidung oft von sehr konkreten Überlegungen geprägt.
Das Diakonie Magazin schreibt unter dem Titel "Meine Entscheidung" über vieles, was nüchtern abgewogen werden sollte, wenn "zu Hause oder ins Heim" ansteht.
Hannelore Breternitz hatte mehrere Monate im Krankenhaus liegen müssen und muss jetzt mit einem Bauchkatheter leben, den sie nicht allein versorgen kann. Obendrein ist sie auf einen Rollator angewiesen. Sie hätte einen ambulanten Dienst engagieren können. Aber die Wohnung war in der dritten Etage. Einen Fahrstuhl gab es nicht: "Ich hätte dort oben festgesessen", sagt sie. Freundinnen empfahlen eine Parterrewohnung. Aber sie dachte weiter: wenn sich der gesundheitliche Zustand weiter verschlechtern würde, dann müsste sie nochmals umziehen. Sie entschied sich in ein Altenheim zu ziehen, dass sie bereits kannte. Gern habe sie dabei auf die Küche verzichtet. "Zum Kochen bin ich zu faul", sagt sie, und "vor allem hätte ich keine Lust, alleine zu essen. So sitze ich mit anderen zusammen und rede."
Liesel Mönig ist 88 und hat ein volles Programm. Arzt- und Friseurbesuche, Physiotherapie und in der Gemeinde trifft sie regelmäßig Bekannte. Mehrmals in der Woche geht sie Einkaufen. Sie kann schwere Taschen nicht mehr tragen und sagt: "Ich gehe doch nicht als Alte mit Ziehwagen auf die Straße!" Gern kocht Frau Mönig für Verwandte ein schönes Mittagessen oder backt eine Eierlikörtorte. Regelmäßig macht sie auch selbst Besuche. Frau Mönig hat Innenarchitektur studiert. Ihre eigene Wohnung liegt ihr sehr am Herzen. Die Entscheidung in der eigenen Wohnung zu bleiben wurde dadurch erleichtert, dass es im Haus einen Fahrstuhl gibt. Zusätzlich nimmt sie inzwischen morgens und abends die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch. Darauf hatte ihr Arzt gedrängt, weil nach mehreren Hüft- und Schulteroperationen jedes Bücken zur Gefahr geworden war.
Vor drei Jahren lebte die 94-jährige Liselotte Fey noch mit ihrer Tochter. "Wir waren eine WG", erzählt Barbara Fey. Sie verabredeten Nachmittags Stadtbummel oder fuhren gemeinsam auf Reisen. Leider wurde - langsam, schleichend - das gemeinsame Wohnen wegen der Demenz der Mutter zum Alptraum. Barbara Fey wurde mit 58, vor acht Jahren, arbeitslos. Wider Erwarten bekam sie noch ein neues Angebot. "Aber ich hätte sofort anfangen und mich total reinhängen müssen," erinnert sie sich. "Da hätte Mutter sofort ins Heim gemusst." So verzichtete sie auf die Arbeitsstelle und entschied statt dessen für den vorzeitigen Ruhestand, um weiter für ihre Mutter da zu sein. "Wenn man einmal in dem Hamsterrad drin ist, merkt man nicht, welche Opfer man bringt." Heute sieht sie, dass es ihrer Mutter mit gerontopsychiatrischer Betreuung im Altenheim gut geht. "Es wäre ihr dort schon vor drei Jahren besser gegangen als zu Hause", überlegt die Tochter. "Ich bin ja keine Pflegerin, habe viele Fehler gemacht, und die Anregung war gleich null." Das schlechte Gewissen plagt sie dennoch.

Die Beispiele sind dem sehr lesenswerten Diakonie Magazin 1/2011 mit dem Titel: "Meine Entscheidung" entnommen. Dort wird ausführlicher über die Damen berichtet. Auch gesellschaftliche Hintergründe kommen zur Sprache. Die Online-Ausgabe kann auch ausgedruckt oder herunter geladen werden.
Das Diakonie Magazin kann in gedruckter Form über die Redaktion bestellt werden.
Diakonisches Werk der EKD
Redaktion „Diakonie Magazin“
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