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[11.5.2011]

Katastrophenhilfe

Am 11. März bebte die Erde vor der Ostküste Japans. Jetzt, zwei Monate später, haben andere Ereignisse die Katastrophe in Japan aus den Schlagzeilen verdrängt. Wir nehmen den 11. Mai zum Anlass über das Tagebuch einer japanischen Krankenschwester zu berichten, die vier Tage nach dem Beben als Katastrophenhelferin eingesetzt wurde.

Am 15. März 2011 kommt eine Krankensschwester aus Tokio mit einem Team der Katastrophenhilfe in die Submarine, nach Rikuzentakata in der Präfektur Iwate. Sie arbeitete dort acht Tage und führte für Freunde ein Online-Tagebuch. Ihren Namen nennt sie nicht.
Innerhalb von wenigen Tagen hatten Hunderte ihre Texte gelesen und ein ebenfalls anonymer Übersetzer veröffentlichte das Tagebuch in englischer Sprache. Zeitungen in Großbritannien, Österreich und Australien berichteten.

Auszüge aus dem Tagebuch von "Flower Wing":

[16. März 2011]

Am ersten Tag wird die Gruppe der HerlferInnen ein wenig durch die Stadt Rikuzentakata geführt. "Ein fünf geschossiges Wohnhaus ist überall mit Schlamm verschmiert und Teile eines Bootes stecken in der obersten Etage. Ich traue meinen Augen nicht ... Es ist auch auffallend still. Alles was ich höre sind die Echos der Hubschauber von Medien und Armee, die am Himmel kreisen.
Schnee hat sich auf den Trümmern angesammelt und es schneit die ganze Zeit weiter, aber meine Angst ist viel stärker als das Gefühl der Kälte ...
Bei fast jedem Schritt kommen wir an einer kleinen Fahne vorbei, die im Wind flattert, wie zu einer Kette aufgereiht. Zu viele um sie zu zählen. [Unser Führer erklärt:] 'Diese roten Fahnen markieren die Stellen an den Laichen gefunden wurden.' ...
Den ersten Tag verbringe ich damit im Notaufnahmelager herum zu hetzen, den Blutdruck von SeniorInnen zu messen und Gesundheitsberatung anzubieten. Ich arbeite wie im Fieber und denke nachts, dass ich wahrscheinlich kein einziges Mal gelächelt habe."

[17. März 2011]

"Hier sind viele kleine Kinder und ältere Menschen mit wenig Abwehrkräften aber in dieser Situation haben wahrscheinlich alle kaum noch Energie für die körpereigene Abwehr. Ich denke es ist wahrscheinlich, dass sich [die Grippe die ich bei einigen Opfern sah] schnell ausbreiten wird ...
Wir sollen einige geriatrische Patienten bekommen, die an Durchfall und Austrocknung leiden. Hilfslieferungen haben ihre Gegend bisher nicht erreichen können und so haben sie ungekochten Reis essen müssen, was Gastroenteritis auslöste.
Im Radio wird berichtet, dass inzwischen laufend Hilfslieferungen kommen, aber sie erreichen die kleineren Auffanglager nicht, und die Benzinkappheit erschwert die Verteilung.
Ich habe selbst Wasser aus geschmolzenem Schnee getrunken und mein Bauch fühlt sich nicht gut an."

[18. März 2011]

"Heute bin ich in einer Gruppe, die Patienten aufnimmt, die mit Ambulanzwagen gebracht werden. Dabei sind Patienten, die nicht in der Lage waren, ihre Medikamente einzunehmen, die ihnen nach Herzinfarkten oder Schlaganfällen verschrieben wurden. So mussten sie neue Infarkte erleiden. Es gibt Patienten, die seit Tagen keine Dialyse mehr bekommen konnten ... Menschen, denen es gelungen war dem Erdbeben zu entgehen scheiden dahin, weil sie anschließend krank wurden ...
Wenn ich Blut abnehme ist es fast schwarz und zähflüssig. Ich frage: 'Haben Sie Nahrung essen und Wasser trinken können?'
'Ich kann doch nicht essen und trinken, wenn niemand sonst etwas hat. Nur Reisbällchen und eine Tasse Tee, morgens und abends,' antworten die Patienten schwach.

[23. März 2011]

"Die wirklich harten Zeiten liegen noch vor uns. Während die Neuigkeiten aus den Katastrophengebieten die Aufmerksamkeit der Medien verlieren und die Leute beginnen zu vergessen, werden die Probleme in den betroffenen Gebieten größer werden. Mehr Menschen werden krank, mehr Trauer. Es ist selbstverständlich eine gute Sache, wenn wir uns bemühen wieder fröhlich zu sein und stark und zu unserem gewohnten Leben zurückkehren, so gut wir können, aber wir dürfen den 11. März nicht vergessen."

Der Originaltext von Flower Wing in japanischer Sprache.
JKTS: A Japanese medical aid worker's diary. Die Übersetzung von "anonymous translator" in englischer Spreche mit zahlreichen Kommentaren.

Spenden

Japan: Hilfe für die Opfer der Katastrophen, Spendenseite der Caritas
Japan: Erdbeben und Tsunami, Spendenseite des Deutschen Roten Kreuzes
Hilfe zwischen Trümmern Japan, Spendenseite der Diakonie

Medien

Japan: "Was auch passiert - weint nicht!", Artikel im Kurier vom 9.5.2011
'Do not cry': a nurse's blog brings comfort to Japan's tsunami survivors, Artikel im Guardian vom 8.5.2011

 

Die Autorin möchte anonym bleiben. Der ebenfalls anonyme Übersetzer weist darauf hin, dass seine Arbeit sicher Schwächen habe, zumal er keine medizinischen Kenntnisse besitze. Ich übersetze aus dem Englischen ins Deutsche und bin darin sicher auch kein Profi. Vielleicht finden sich in den nächsten Wochen Menschen, die den gesamten Text ins Deutsche übertragen. Im englisch-sprachigen Blog gibt es dazu einen Thread.



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