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[25.6.2011]

Expertenstandard Dekubitus

Die Umsetzung der Expertenstandards ist Pflicht in der Pflege. Die überarbeiteten Anweisungen zur Dekubitusprophylaxe legen viel Verantwortung auf die Schultern der Pflegekräfte. Wir veröffentlichen einige Ideen dazu, wie im pflegerischen Alltag Druckgeschwüren vorgebeugt werden kann.

Es ist nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Pflege oft schwierig zu entscheiden, was "richtig" ist. Nicht nur sind alle Pflegebedürftigen verschieden, sondern auch die beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen der Pflegekräfte können erheblich voneinander abweichen. Die Pflegewissenschaft arbeitet seit Jahren daran, "evidenz-basierte" Aussagen zum Beispiel zu Schmerztherapie oder Ernährung zu erarbeiten. Die Tücken liegen oft im Detail, was dazu führt, dass viele wissenschaftliche Debatten, um methodische Fragen der evidenz-basierten Pflege geführt werden*. Um gesicherte pflegewissenschaftliche Erkenntnisse in die pflegerische Praxis zu übertragen, gibt es die nationalen Expertenstandards. Auch der Gesetzgeber hat die Schwierigkeiten mit der Qualität in der Pflege erkannt und nutzt die Leistungen der Pflegewissenschaft. Im Paragrafen 113a Absatz 3 SGB XI wird festgelegt: "Die Expertenstandards ... sind für alle Pflegekassen und deren Verbände sowie für die zugelassenen Pflegeeinrichtungen unmittelbar verbindlich."

Eines der großen Probleme in der Altenpflege ist das "Wundliegen", so gibt es schon lange einen Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe. Der wurde inzwischen überarbeitet und die Krankenschwester, Praxisanleiterin und Lehrerin für Pflegeberufe Simone Spangenberg hat sich für uns systematisch mit der praktischen Umsetzung der Forderungen aus diesem Expertenstandard befasst.
Sie beschreibt die unumstrittene zentrale Anforderungen an fachgerechte Pflege: Eine systematische Risikoeinschätzung ist nötig. Was hier unter "systematisch" zu verstehen ist und wie sich das in der Praxis umsetzen lässt ist ein Thema ihres Textes. Die Anwendung von einer "Risikoskala" (zum Beispiel die weit verbreitete Braden Skala) könne hilfreich sein, wenn dies nicht nur als stumpfe Pflicht abgearbeitet werde.
Stoff für viele Gespräche in Stationszimmern bietet die Frage danach, in welchen Zeitabständen Bettlägerige zu Bewegung angehalten oder, wenn es nicht anders geht, gelagert werden sollten. Diese Frage sei nicht eindeutig und schon gar nicht mit einer "immer gültigen" Antwort zu klären. Lange galten zwei Stunden als sicherer Wert. "Die Ischämietoleranz (also die Zeit, die Gewebe eine Minderversorgung 'aushält') ist jedoch zu unterschiedlich, wiederum abhängig von dem Risikoprofil des Patienten, um hier zu einer verlässlichen Aussage zukommen." Simone Spangenberg empfiehlt einen Ausgangswert festzulegen und dann zu überprüfen, ob Zeichen von Druckeinwirkungen auftreten oder nicht . "Je nach Befund muss dann das Intervall verkürzt werden, möglicherweise kann es aber auch verlängert werden, insbesondere wenn dies zum Beispiel auch dem Ruhebedürfnis des Klienten entgegen kommt." Diese Überlegungen zeigen, dass der überarbeitete Expertenstand eher darauf abzielt, die professionelle Kompetenz der Pflegekräfte einzubinden, als detailliert einzelne Handlungen vorzuschreiben.

Simone Spangenberg: "Expertenstandards in der Pflege. Dekubitusprophylaxe. 1. Aktualisierung 2010. Gibt es etwas Neues oder – bleibt alles beim Alten?", Essen, Mai 2011, (PDF-Datei, 7 Seiten)

 

* Zum Beispiel in der Dissertation von Gabriele Schlömer: "Evidenz-basierte Pflege – Begründung, Methode und Anwendung", Hamburg 2002 (PDF-Datei, 102 Seiten). Ab Seite 33 geht es ausführlich um die Methode.



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