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[11.7.2011]

Vier Monate später

Verschwunden sind die Hubschauber und die vielen Tausend Menschen der Katastrophenhilfe. Verschwunden sind auch die Übertragungswagen und die Medienmeute. Heute ist Lärm in den Trümmerstädten an der japanischen Ostküste zu hören, wenn Bagger Schuttberge bewegen. Doch auch die Kritik an der japanischen Atompolitik wird immer lauter.

Es wird geschätzt, dass es drei Jahre dauern wird, bis die von Erdbeben und Tsunami zerstörten Orte wieder einigermaßen normal aussehen und funktionieren werden. Zur Zeit konzentrieren sich die Aufbauarbeiten darauf, Straßen befahrbar zu machen und den Menschen, die in den Geisterstädten ausharren, Wasser, Strom, Gas und Telekommunikation zur Verfügung zu stellen. In manchen kleineren Orten haben diese Arbeiten noch nicht einmal begonnen. Viele Obdachlose haben keine realistischen Möglichkeiten die Region zu verlassen, da sie hier ihren Lebensunterhalt verdienen. Auch das ist nicht einfach. Fischerei spielte in vielen Küstenstädten ein wichtige Rolle. Der Tsunami hat aber große Teile der Fangflotte zerstört. Viele Menschen wollen die Notunterkünfte auch nicht verlassen, um in ein anderes Provisorium zu ziehen. Es haben sich in den letzten vier Monaten neue Freundschaften gebildet und die Gemeinschaft in den Notunterkünften bedeutet für viele Trost.
"Psychologen von Ärzte ohne Grenzen ... verteilen Broschüren und senden in einem Radiosender Nachrichten, den Menschen gegründet haben, die evakuiert wurden. Dabei geht es vor allem darum, auf psychische Symptome aufmerksam zu machen, Stress-Management zu thematisieren, spezielle Informationen für Eltern weiterzugeben und darüber zu informieren, wo psycho-soziale Hilfe aufgesucht werden kann ... 'Psychische Probleme sind schwieriger zu erkennen und zu quantifizieren als physische, daher können sie unterschätzt werden', so Suzanne Petrie, Psychologin von Ärzte ohne Grenzen. 'Da hier Gemeindestrukturen völlig zerstört wurden, existieren normale soziale Unterstützerstrukturen und -aktivitäten kaum noch.'"

Auch in Japan diskutiert die Gesellschaft inzwischen über die Risiken der Atomkraft. Nahrungsmittel aus Betrieben an der Ostküste bleibt in der Regalen liegen. In sozialen Netzwerken werden mikro Sievert (µS) und milli Sievert (mS), Grenzwerte und Argumente aus der Strahlenmedizin diskutiert.
Eine Strahlenbelastung von bis zu 500 Bequerel (Bq) pro Kilo gilt bei Lebensmitteln offiziell als unbedenklich. Bei Tee aus östlichen Anbaugebieten wurden im Juli 581 bis 981 Bq gemessen. Aber im eigentlichen Lebensmittel, im Tee, ist selbstverständlich die Belestung erheblich geringer. Dass die Teeproduzenten das völlig ungefährlich finden beruhigt nicht alle JapanerInnen.
Die Regierung hat festgelegt, dass für die Schulkinder in der Gegend von Fukushima eine Jahresdosis von 20 mSv zulässig sei. Eltern haben schnell recherchiert, dass "Die maximale erlaubte Jahresdosis für beruflich strahlenexponierte Personen" in Deutschland auf 20 mSv festgelegt wurde. In Deutschland gilt für die normale Bevölkerung "1 mSv (ohne natürliche Strahlung und medizinische Maßnahmen). Ein ungeborenes Kind darf bis zu seiner Geburt keine höhere Strahlendosis als 1 mSv erhalten." (Angaben für Deutschland aus der Wikipedia). Japan Times berichtet von besorgten Müttern, die sich nicht mehr auf offizielle Strahlungsmessungen verlassen wollen. Sie kaufen selbst Messgeräte und prüfen die Belastung in der Luft, auf Schulhöfen und Spielplätzen.
"Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung." (Margaret Chan, WHO)

Japan, Artikel auf den Internetseiten der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Stand: 13.6.2011)
Rebuilding Japan's 'ghost towns', Beitrag auf BBC.co.uk vom 5.7.2011 (englisch)
Moms rally around antinuke cause, Artikel in der Japan Times vom 9.7.2011 (englisch)
Citizens' radiation fears beyond crisis zone mount, Artikel in der Japan Times vom 9.7.2011 (englisch)
Katastrophenhilfe, unser Beitrag vom 11.6.2011



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