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[13.10.2011]

Zahlen, Daten, Fakten

Ärzteschwemme, Pflegepersonalmangel, Ärztemangel, Versorgungslücken, Krankenhaussterben ... Sensationsmeldungen der Medien sind oft verwirrend und manchmal falsch. Das Statistische Bundesamt hat im statistischen Jahrbuch auch viele Details zum Gesundheitswesen veröffentlicht.

Es gibt kaum eine Zeitung, die man aufschlagen kann, ohne etwas über einen bevorstehenden Kollaps des Gesundheitssystems wegen fehlender Pflegekräfte oder Ärztemangel zu lesen. In anderen Zeitungen, oder auch einige Tage später wiederum ist dann die gegenteilige Meinung zu lesen.
Am 5.10.2011 ist das statistische Jahrbuch 2011 erschienen. In ihm werden Jahr für Jahr Zahlen über Deutschlands Einwohner und deren Lebensumstände veröffentlicht. Unter anderem erscheinen hier auch gesundheitsbezogene Statistiken.

Im Jahr 1995 gab es in Deutschland 273 880 Ärzte und Ärztinnen, im Jahr 2009 waren es schon 325 945, wobei in dieser Zahl auch die Ärzte/Ärztinnen im Praktikum enthalten sind. Von einem Ärztemangel kann nach diesen Zahlen keine Rede sein. Sieht man sich die Verteilung innerhalb der Bundesländer an, so ist zu erkennen, dass sich die Anzahl der Ärzte sehr ungleichmäßig verteilt. In Berlin gab es im Jahr 2009 18 000 Ärzte für 1 991 000 Einwohner, das bedeutet, auf einen Arzt kamen rund 110,6 Einwohner. In Sachsen dagegen hatte ein Arzt durchschnittlich 149,9 Einwohner zu versorgen, die Ärztedichte innerhalb Deutschlands ist also sehr unterschiedlich. Nicht nachzulesen ist in dieser Statistik, wie viele Stunden diese Ärzte arbeiten.
Dass es weniger Krankenhäuser gibt ist eindeutig: 2325 im Jahr 1995 und nur noch 2084 im Jahr 2009. Die Anzahl der Krankenhausbetten wurde in dieser Zeitspanne von 609 123 auf 503 341 reduziert, das heißt, im Jahr 2009 gab es rund 17 Prozent weniger Krankenhausbetten, als im Jahr 1995.
Die Verweildauer in Krankenhäusern ist seit dem Jahr 2005 kontinuierlich zurückgegangen, von durchschnittlich 8,7 Tagen auf 8,0 Tage im Jahr 2009. Die Bettenauslastung stieg von durchschnittlich 74,9 Prozent auf 77,5 Prozent. Auch hier ist es interessant, die Bettenauslastung in den einzelnen Fachabteilungen näher zu betrachten. In der Psychiatrie wurde im Jahr 2009 bereits eine Auslastung von 93,4 Prozent erreicht, während in der Augenheilkunde eine Auslastung von 63,3 Prozent und in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe sogar nur von 60,3 Prozent erreicht wurde. Während die Bettenauslastung steigt und die Menschen immer kürzer im Krankenhaus verweilen, ist dieses mehr an Arbeit von immer weniger Personal zu bewältigen. Das Personal insgesamt verringerte sich im Zeitraum von 1995 – 2009 um 5 Prozent. Während im Jahr 1995 noch 1 153 200 Personen im Gesundheitswesen beschäftigt waren, erreichte die Zahl ihren Tiefstand im Jahr 2005 mit 1 063 154 Personen und erhöhte sich seither leicht um 3 Prozent auf 1 096 520 Personen.

Interessant sind auch die Gesundheitsausgaben. Während die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen sich um 43 Prozent erhöhten, gaben die privaten Haushalte und Organisationen im Jahr 2009 92 Prozent mehr Geld für die Gesundheit aus, als 1995. Das hört sich spektakulär an, in absoluten Zahlen betrachtet, erhöhten sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen von 112 474 Millionen Euro im Jahr 1995 auf 160 854 Millionen Euro im Jahr 2009, während sich die Ausgaben der privaten Haushalte und Organisationen von 19 490 Millionen Euro auf 37 504 Millionen Euro erhöhte. Der größte Teil der Gesundheitskosten wurde also nach wie vor von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen, auch wenn sich die Ausgaben der privaten Haushalte und Organisationen fast verdoppelt hat.
Im Jahr nach Gründung der Pflegeversicherung wurden hier 5 295 Millionen Euro ausgegeben - 2009 waren es 20 312 Millionen.

Wer selbst die Zahlen studieren möchte, kann im Internet eine pdf-Datei laden oder eine gedruckte Ausgabe bestellen: Jahrbuch 2011.

Urte Paaßen

Medienberichte zum Pflegepersonalmangel in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - und zum übertriebenen Personalmangel in der Altenpflege
DBfK: Personalmangel vom 26.9.2011 auf www.pflegepolitik.wordpress.com lesen



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