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[25.11.2011]

Who cares?

CoverFoto"Wer pflegt uns, wenn uns das abhanden kommt, was uns als das höchste Gut erscheint - die Gesundheit? Wer pflegt uns heute, aber auch: wer pflegt uns morgen?" Isabel Atzel stellt diese Frage dem Buch "Who cares?" voran, dass die Geschichte des Alltags in der deutschen Krankenpflege beleuchtet. Der Sammelband wurde für die gleichnamige Ausstellung gemacht, die noch bis Januar in Berlin zu sehen ist.

Jedes zweite Jahr untersucht das Allensbacher Institut für Demoskopie das Prestige bestimmter Berufe. Pflegepersonal belegte laut der letzten Untersuchung den zweiten Platz. Ein Ergebnis auf das Pflegekräfte mit Recht stolz sein dürfen. Das Werk "Who cares?" erzählt die Geschichte der Pflege und zeigt auf, dass dem nicht immer so war.
Die Herausgeberin Isabel Atzl, ihres Zeichens Historikerin und Krankenschwester, hat in Anbetracht der politischen und gesellschaftlichen Situation der Pflege in Deutschland eine Ausstellung erarbeitet, zu der ihr Buch "Who cares?" als Begleitwerk verstanden werden soll. In Zusammenarbeit mit anderen Autoren wird ausgehend von der Frage: Wer pflegt mich hier eigentlich? die Geschichte der Pflege in Deutschland, begonnen im 19. Jahrhundert bis in die Neuzeit untersucht und bewertet.
Im Vergleich mit anderen Industrienationen steht die Pflege in Deutschland heute schlecht da, dieser Zustand ist historisch entstanden. Er wurde unter anderem durch das Pflegekonzept von Pastor Theodor Fliedner geprägt.
Fliedner gilt heute als Begründer der Krankenpflege in Deutschland. Er entwickelte ein Ausbildungskonzept für Krankenschwestern, den Diakonissen, die über die ganze Welt verteilt Kranke versorgten, allerdings ohne umfangreiche theoretische Ausbildung und immer als Erfüllungsgehilfe des Arztes. Die von Pflegenden durchzuführenden Tätigkeiten wurden in Pflegehandbüchern von Ärzten formuliert und vorgeschrieben. Aus diesem Zustand resultierte dann auch ein Jahrhundert später die Rolle der Pflegekräfte im Nationalsozialismus, die sich durch "[...] das fehlende (berufliche) Selbstbewusstsein [...]" und die vorherrschenden Hierarchiebedingungen (Pflege führt ärztliche Anordnungen ohne Hinterfragung aus).
Dem Gegenüber stand das in England praktizierte Konzept der wohl bekanntesten Krankenschwester der Geschichte: Florence Nightingale, die schon früh erkannte, dass eigenständige Pflege nur durch hohe Fachkompetenz zu erreichen ist.
Neben den historischen Hintergründen werden in "Who Cares?" auch aktuelle Aspekte der Pflege besprochen. Im direkten Patientenkontakt gewinnt die Veränderung des Rollenbildes eines Patienten vom "Hilfebedürftigen zum Kunden" (S. 56) genauso an Bedeutung, wie eine verbesserte Kommunikation (S. 49-54) mit dem Patienten und seinen Angehörigen. Dieses Kapitel ist mit vielen Zitaten aus Gesprächen mit Pflegekräften illustriert … die leider wörtlich übernommen wurden - das wirkt im Buch teilweise dümmlich.
Pflege entwickelt sich! Aus reinen Erfüllungsgehilfen des Arztes wird immer mehr ein eigenständiger Berufszweig mit eigener Fachkompetenz und eigenem Selbstverständnis. In einem eigenen Kapitel wird die Zukunft für den Pflegeberuf untersucht und Voraussetzungen für eine Etablierung mit breiter Akzeptanz inner- und außerhalb dieses Berufszweiges benannt.
"Who cares?" richtet sich an jeden, der an dem Bereich Alten- und Krankenpflege interessiert ist. Sei es der Patient, sein pflegender Angehöriger oder das in einer Pflegeeinrichtung tätige Pflegepersonal. Durch viele Erfahrungsberichte werden den Sachtexten persönliche Noten verliehen, die dem eigentlichem Sachbuch einen Romancharakter verleihen und dem Leser ein Weglegen des Buches vor der letzten Seite deutlich erschweren. Während die erste Hälfte vornehmlich schriftlicher Natur ist, zeichnet sich die zweite Hälfte durch viele Fotos aus, die dem Leser einen bildlichen Eindruck von Pflege der Vergangenheit und Gegenwart vermitteln. Das Anschneiden vieler Themen vermittelt dem Leser einen Überblick über die Situation der Krankenpflege in Deutschland und bietet die Möglichkeit, dank einiger detailliert ausgearbeiteter Kapitel, bereits vorhandenes Wissen zu vertiefen. 

Arne Kraft, Auszubildender für Gesundheits- und Krankenpflege (3. Ausbildungsjahr)

Das Buch ist der Begleitband zur gleichnamigen Wanderausstellung. Sie wird bis zum 8. Januar 2012 im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, Charitéplatz 1, gezeigt. Das Projekt wurde von der Charité, der BarmerGEK und der Robert Bosch Stiftung unterstützt. Im Internet gibt‘s Informationen zur Ausstellung unter: www.ausstellung-pflegegeschichte.de
Aus dem Inhalt:
- Karen Nolte: "Pflegende und ihre Kranken im 19. Jahrhundert"
- Hedwig Francois-Kettner: "Kernkompetenzen der Pflege"
- Schwesterntrachten fotografiert von Thomas Bruns

Isabel Atzl (Hrsg): Who Cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege
(Ausstellungskatalog) Mabuse Verlag, Frankfurt/M, 2011, Paperback, 128 Seiten, mit vielen Fotos
ISBN 978-3-68321-009-0
19,90 Euro
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100 Jahre Pflege studieren, unser Beitrag vom 4.9.2013.



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