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[28.11.2011]

Blutzuckerwerte bei Typ-2 Diabetes

Menschen mit Typ-2 Diabetes können Folgeerkrankungen vorbeugen, wenn sie erhöhte Blutzuckerwerte dauerhaft absenken. Wie weit denn? Das ist eine naheliegende Frage. Wie so oft in der Medizin ist eine Antwort nicht einfach. Eine ernst zu nehmende Studie hat sich jetzt des Themas angenommen.

Diabetes ist auch deshalb so gefährlich, weil sie Folgeschäden verursachen kann. Immer wieder kommt es zu Nierenschäden, Schwierigkeiten mit den Füßen oder schleichendem Verlust der Sehkraft. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat sich mit der Frage beschäftigt, wie weit der Blutzuckerwert sinnvollerweise gesenkt werden sollte:
"Das Risiko für Folgeschäden lässt sich durch bestimmte Maßnahmen senken. Durch körperliche Bewegung, Abnehmen bei Übergewicht und eine Umstellung der Ernährung kann man den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Wird der Blutzucker dadurch nicht ausreichend gesenkt, stehen Medikamente zur Verfügung ...
Fachleute sind sich einig, dass eine Blutzuckersenkung für Menschen mit Typ-2-Diabetes grundsätzlich nützlich ist. Allerdings gibt es seit vielen Jahren Diskussionen über die beste Behandlung. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie weit der Blutzucker abgesenkt werden soll ... Eine Empfehlung lautet, 'normnahe' Werte anzustreben. Normnah bedeutet, dass die Betroffenen nahezu die gleichen Werte wie Menschen ohne Diabetes haben ... Eine mögliche Nebenwirkung der medikamentösen Therapie ist, dass der Blutzucker so stark abfällt, dass es zu Unterzuckerungen kommt. Leichte Unterzuckerungen gehen mit Anzeichen wie beispielsweise Zittern, plötzlichem Heißhunger, Schweißausbrüchen oder Kribbeln der Finger und Lippen einher. Sie können in der Regel von den Betroffenen selbst behandelt werden. Seltener vorkommende schwere Unterzuckerungen können jedoch Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Atem- und Kreislaufstörungen und andere, teils lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben ...
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ... haben ... den Nutzen einer normnahen Blutzuckereinstellung im Vergleich zu einer weniger intensiven Blutzuckersenkung untersucht ...
Im Großen und Ganzen war keine Behandlung der anderen überlegen: Eine Blutzuckersenkung in den nahezu normalen Bereich bewirkte in keiner Studie, dass weniger Menschen starben als bei einer nicht so strengen Senkung. Auch waren Schlaganfälle, tödliche Herzinfarkte, Nierenversagen oder Amputationen nicht seltener. Zur Erblindung und zur Lebensqualität gab es nicht genügend Daten.
Die Studien liefern aber einen Hinweis darauf, dass eine normnahe Einstellung das Risiko für nicht-tödliche Herzinfarkte etwas senken kann. Diese traten bei einer normnahen Blutzuckereinstellung seltener auf als bei einer weniger strengen Blutzuckersenkung. Andererseits besteht ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Folgen. Die Studien zeigen, dass die normnahe Einstellung häufiger zu schweren Unterzuckerungen und anderen schweren Komplikationen führt. Je stärker der Blutzucker gesenkt wurde, desto häufiger traten sie auf. Sie waren insgesamt deutlich häufiger als die im Gegenzug verhinderten nicht-tödlichen Herzinfarkte ...
Die Zahlen sind zwar mit einer großen Unsicherheit behaftet, verdeutlichen aber die beiden Seiten der Behandlung: Einerseits lässt sich durch eine strengere Blutzuckereinstellung das Risiko für nicht-tödliche Herzinfarkte senken, andererseits erhöht sich aber gleichzeitig das Risiko für schwere Unterzuckerungen. Einen deutlich und dauerhaft erhöhten Blutzucker zu senken, ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes grundsätzlich von Vorteil. Wie stark allerdings eine solche Absenkung ausfallen sollte, kann nur im Einzelfall auf Basis der individuellen Gegebenheiten entschieden werden. Ein ausführliches Gespräch darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bzw. mit Ihrer Diabetesberaterin oder Ihrem Diabetesberater wird dabei vermutlich hilfreich sein."

Quelle: Typ-2-Diabetes: Ist es besser, den Blutzucker auf nahezu normale Werte zu senken?, Artikel des IQWiG vom 24.11.2011



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