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[14.12.2011]

Das Pflegemuseum

DiakonissenhaubeWenn etwas museumsreif wird, dann gilt es als bedeutend - so gesehen, hat es ziemlich lange gedauert, bis die Pflege es zu einem eigenen Museum gebracht hat. Jetzt gibt es das. In Düsseldorf Kaiserswerth, der Wirkungsstätte der Eheleute Fliedner. An dem Ort, wo die systematische Ausbildung für Pflegekräfte ihre Wurzeln hat. An dem Ort, den Florence Nightingale unbedingt aufsuchen wollte, um Krankenpflege zu erlernen.

In 175 Jahren kann viel zusammen kommen, was es Wert ist, in einem Museum ausgestellt zu werden. In Kaiserswerth, heute ein Stadtteil von Düsseldorf, wurden Diakonissen ausgebildet, die vor allem in Krankenhäusern als Pflegekräfte arbeiteten. Die Ausstellung des Pflegemuseums wurde im Auftrag der Fliedner-Kulturstiftung der Kaiserswerther Diakonie erarbeitet. Sie wird im "Haus Tabea" gezeigt, das ursprüglich als Krankenhaus genutzt wurde. Die 15 Räume stehen unter Überschriften wie "Wer pflegt uns?", "Was hilft Pflegenden?" oder "Warum helfen wir?".
"Die Kaiserswerther Mutterhausdiakonie, 1836 von Theodor und Friederike Fliedner gegründet, führt anschaulich vor Augen, wie die Verantwortung für Hilfsbedürftige wahrgenommen und in international organisierte Hilfe umgesetzt wurde. Das Ergebnis ist ein außergewöhnliches Lehrstück über Möglichkeiten und Formen des Engagements, getragen vom persönlichen Einsatz gläubiger Frauen, den Diakonissen, motiviert von einem tätigen Christentum. Das "Museum zur Kultur des Helfens" (ein Arbeitstitel) will die Werte und Normen dieser Hilfeleistung rekonstruieren; die Besucher erhalten so einen Eindruck von den Helfenden und ihrer Motivation." Dabei beschränkt sich die Ausstellung nicht auf die Arbeit der Diakonissen: Agnes Karll, die Gründerin der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (1903) kommt vor, genauso wie katholische Ordensleute, die in der Pflege tätig waren. Noch um 1800 habe es in etwa so viele Krankenwärter wie Krankenschwestern gegeben, steht auf einer Ausstellungstafel. Was ist im 19. Jahrhundert passiert? Johann Friedrich Dieffenbach, Chirurg an der Charité, schrieb in seiner 1832 erschienenen "Anleitung zur Krankenwartung": "Es ist ein wahrer Jammer anzusehen, welche Menschen man als Krankenwärter und Wärterinnen anstellt. Jeder Alte, Versoffene, Triefäugige, Blinde, Taube, Lahme, Krumme, Abgelebte, jeder, der zu nichts in der Welt mehr taugt, ist dennoch nach Meinung der Leute zum Wärter gut genug" (Seite 6).
Das Museum illustriert die Schwierigkeiten in Deutschland die Pflege als eigenständigen Beruf zu etablieren: "Evangelische und Katholische Pflegeorganisationen lehnten zu viel Theorie in der Ausbildung ab, die die Pflegenden nur vom Dienst an den Kranken ablenken würde. Die Ärzte sahen in der Krankenpflege vor allem einen medizinischen Hilfsberuf." Damit haben die Pflegeprofis bis heute zu kämpfen.
Als ich die Ausstellung besuchte, konnte ich leider nur wenige Zitate von Pflegekräften finden. Sehr schade, dass die Interviews aus der "Oral History"-Arbeit der Kaiserswerther Diakonie, hier kaum zu finden sind. Es wäre auch spannend zu sehen, wie sich die Pflegelehrbücher entwickelt haben. Aus dem Nachlass von 175 Jahren Diakonissenausbildung müsste sich doch so etwas destillieren lassen wie, zum Beispiel "Persönliche Hygiene der Pflegefachkräfte im Wandel der Zeiten".

Die Ausstellung ist eine wahre Fundgrube für alle, die die sich für das Woher und Wohin der Pflegeberufe interessieren.
Gefördert wurde die Einrichtung des Museums durch die Robert-Bosch-Stiftung, den Landschaftsverband Rheinland, die Theodor Fliedner Stiftung und die NRW-Stiftung.
Eine Internetseite und ein Ausstellungskatalog sind in Planung.
Öffnungszeiten des Museums nach Absprache. Noch sind die Kapazitäten für Führungen sehr begrenzt.

Das Museum zur Kultur des Helfens auf den Internetseiten der Fliedner-Kulturstiftung.
Internetseiten des Florence Nightingale Museum in London (Englisch)
Und wenn Sie jetzt schon mal einen Originaltext lesen möchten, ist hier eine pdf-Datei:
Johann Friedrich Dieffenbach: Anleitung zur Krankenwartung, Berlin, 1832
Aus dem Leben einer Diakonisse: "Ich bin frei dafür, anderen zu helfen", Text auf www.diakonie.de (16.12.2012)
100 Jahre Pflege studieren, unser Beitrag vom 4.9.2013.



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