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[11.1.2012]

Und sie kommt doch, die eGK

Seit Jahren basteln Gesundheitspolitik, IT-Branche und gesetzliche Krankenversicherungen an der elektronischen Gesundheitskarte. Nach vielen Testläufen, Rückschlägen und nachdem bereits viele Millionen Euro ausgegeben wurden, ist es beschlossen. Die neue Gesundheitskarte muss von den Versicherungen an die Mitglieder ausgegeben werden. Bis Ende 2011 sollte ein Zehntel aller Versicherten mit der neuen Karte ausgestattet sein. Zweifel am Sinn dieses Milliardenprojekts gibt es viele.

Nun kommt sie doch, die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Seit Herbst 2011 werden die ersten Karten an die Versicherten ausgegeben, bis Ende 2011 sollten 10% aller gesetzlich Versicherten die neuen Karten nutzen. Kostensenkung ist einer der wichtigsten Gründe für die Einführung der eGK. Darum sollen auf der neuen Karte mehr Informationen gespeichert werden, als auf der bestehenden Chipkarte. Jedoch ist die Speicherung einiger Zusatzinformationen freiwillig und so sieht es § 291a SGB V vor, nur mit Einwilligung des Versicherten erlaubt.
Zu den verpflichtenden Informationen gehören:
- Stammdaten (Name, Geburtsdatum, Adresse, Versicherungsstatus und die neue, lebenslang gültige Versichertennummer),
- das elektronische Rezept (anstelle des Papierrezeptes).
Diese Daten werden direkt auf der Karte gespeichert. Der FoeBuD e.V. aus Bielefeld klärt seit vielen Jahren über die elektronische Gesundheitskarte auf. Dort weist man darauf hin, dass das elektronische Rezept, erst eingeführt werden solle, wenn eine "praxistaugliche und sichere Lösung" gefunden sei. In bisherigen Testdurchläufen habe sich das "eRezept" laut Aussagen der gematik GmbH, als hinderlich für die Abläufe in den Praxen gezeigt. So lange nur die Stammdaten auf der Karte gespeichert sind, ist kein Vorteil der neuen Karte für die Versicherten erkennbar.

Zusätzlich soll die eGK in der Zukunft auch die Nutzung folgender Daten ermöglichen:

Medizinische Notfalldaten
Elektronischer Arztbrief mit Befunden, Diagnosen, Therapieempfehlungen und Behandlungsberichten
Daten zur Prüfung der Arzneimittelsicherheit
Elektronische Patientenakte mit Daten, Befunden, Diagnosen und Therapiemaßnahmen sowie Behandlungsberichte und Impfungen
Daten über die in Anspruch genommenen Leistungen und deren vorläufige Kosten
Daten, die vom Versicherten selbst oder für sie zur Verfügung gestellt werden. Das könnten zum Beispiel Informationen zur Organspende sein.

Voraussetzung für die Nutzung der Daten ist die Entwicklung einer komplexen Telematikinfrastruktur, die alle gesetzlich Verscherten erfasst. Verantwortlich für die Konzeption und Einführung ist die gematik GmbH. Denn um alle Möglichkeiten der eGK nutzen zu können, müssen die Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Psychotherapeuten, Krankenkassen und viele weitere Berufsgruppen des Gesundheitswesens miteinander vernetzt sein. Über das Netzwerk werden die behandlungsrelevanten Informationen ausgetauscht und verschlüsselt auf Servern der gematik gespeichert. Für das Abrufen und Entschlüsseln der Daten werden die elektronische Versicherungskarte, eine PIN des Versicherten und ein Heilberufsausweis benötigt. Das es seit dem Projektstart 2003 nicht gelungen ist eine "praxistaugliche und sichere Lösung" für das elektronische Rezept zu entwickeln, nährt Zweifel daran, das die gematik die Probleme beim Aufbau einer solch komplexen Telematikinfrastruktur in absehbarer Zeit lösen könnte.

Der CCC (Chaos Computer Club) hält das System grundsätzlich für sicher, wenn die gematik nicht die Möglichkeit hätte, wenn Karten verloren gehen, den geheimen Schlüssel für die Patientendaten wiederherzustellen. Zwar darf die gematik GmbH nicht selbst die Nachschlüssel herstellen, sondern beauftragt damit die "Informationstechnische Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung GmbH". Allerdings findet der CCC, dass die Servicestelle organisatorisch nicht ausreichend von der gematik getrennt ist, um sicherzustellen, dass die Patientendaten vor dem Zugriff von Behörden oder Krankenversicherungen geschützt sind.
Der Chaos Computer Club kritisiert außerdem, dass die eGK in den ersten Jahren ein Minusgeschäft sein wird. Dabei stützt man sich auf eine im Juli 2006 zugespielte Kosten-Nutzen-Analyse der Beratungsfirma Booz/Allen/Hamilton.

Der FoeBuD kritisiert, dass die Diagnosen (auch Fehldiagnosen) zukünftig ein Leben lang gespeichert werden. Dieses Vorgehen soll Doppeluntersuchungen verhindern, es könnte aber auch dazu führen, dass es Patienten nicht mehr möglich sein wird eine zweite Meinung einzuholen. Wo früher ein Arzt nur seine eigenen Patientenakten einsehen konnte, werden zukünftig für jeden Arzt die Patientenakte einsehbar sein. Die einmal gespeicherten Daten könnten in falsche Hände geraten. Auch kann nicht vorhergesagt werden, ob nicht in einigen Jahren neue Gesetze eine Nutzung der Daten erlauben, mit denen die Versicherten nicht einverstanden sind.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen müssen die Mitglieder über die eGK informieren. Sehen sie auf den Internetseiten ihrer Versicherung nach.
Fragen und Antworten zur elektronischen Gesundheitskarte und wie man sich gegen Sie wehren kann, finden Sie auf den Seiten des FoeBuD.
Faltblatt Alles auf diese Karte? Risiken und Nebenwirkungen der neuen elektronischen Gesundheitskarte pdf Logo des FoeBuD
Unsere Beiträge zur eGK vom 24.6.2007, 28.9.2007, 6.3.2008 und 2.5.2008



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