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[18.1.2012]

Gibt es ein gutes Leben mit Alzheimer?
Aber ja!

UmschlagbildChristian Zimmermann weiß, wovon er spricht: Er selbst lebt seit einigen Jahren mit der Diagnose. Mit Peter Wißmann schreibt er – als erster Demenzbetroffener überhaupt – seine Erfahrungen auf. In persönlichen Schilderungen, mit konkreten Tipps und vielen Anregungen zum Weiterdenken wenden die Autoren sich an Menschen, die mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz leben müssen. Aber sie schreiben auch für all jene, die in Kontakt zu Betroffenen stehen oder ganz einfach Angst vor Alzheimer haben. Eine Rezension.

"Sag mal weißt du wo meine Wohnungsschlüssel sind?" Diesen oder ähnliche Sätze hat jeder schon gehört. Man antwortet dann mit einem Lächeln und amüsiert sich über die "Schusseligkeit" des Anderen, weil man weiß, dass es eine Ausnahme ist. Aber was, wenn eben diese Schusseligkeit zunehmend das Leben bestimmt, wenn aus der Ausnahme die Regel wird. Christian Zimmermann lebt selbst mit der häufigsten Form der Demenz, der Alzheimer Demenz. In Zusammenarbeit mit Peter Wißmann hat er eine Art Mutmachbuch für Erkrankte und Angehörige erarbeitet. Es setzt sich mit Themen wie dem ersten Umgang mit der Diagnose Alzheimer und den Veränderungen des Lebens, die diese Diagnose mit sich bringt, auseinander. Dabei werden einige Handlungsweisen vorgestellt, die aus einem passiven Erkrankten, der unter der Last der Erkrankung leidet, ein aktives Mitglied seiner Umgebung machen. Einen Menschen, der mit "Dr. Alzheimer" als "unbekanntem Vertrauten" lebt.
In einem eigenen Kapitel wird kurz auf den derzeitigen Stand der Wissenschaft eingegangen. Zimmermann hebt hervor, dass die Wissenschaft und Medizin häufig dazu neigen für jedes Problem eine Lösung finden zu wollen, im Bezug auf Alzheimer jedoch schon am Verstehen des Problems scheitern. Er verweist dabei auf den Neurologen Peter Whitehouse, der nicht mehr von einer Alzheimererkrankung spricht, sondern von einer einfachen Gehirnalterung, die keinen Krankenheitswert aufweist.
Das Wort Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: "Ohne Geist". Wenn aber jemand, der mit der häufigsten Form der Demenz lebt ein Buch herausbringt, dann zeigt sich, dass die Vokabel Demenz einfach falsch ist.
"Auf dem Weg mit Alzheimer" hat seinen Titel nicht ohne Grund. Als Mutmachbuch führt es den Leser über schön formulierte aber dennoch leicht zu verstehende Kapitel zu der Erkenntnis, dass mit der Diagnose Alzheimer nicht das Leben vorbei ist, sondern, dass es sich einfach nur ändert und dass jeder der geneigt ist mit diesen Veränderungen zu gehen und zu leben, viel Neues entdecken kann. Ausgehend von der Tatsache, dass der Autor selbst mit Alzheimer lebt, können viele Ratschläge auch anders bewertet werden, weil eben ausnahmsweise mal kein Wissenschaftler seine so genannten Tipps formuliert.
Allerdings stellt sich eine wesentliche Frage:
Die Alzheimer Demenz geht mit einem Verlust der kognitiven Fähigkeiten einher. Auch bereits erworbene Fähigkeiten wie zum Beispiel das Lesen können wieder verlernt werden. Daher stellt sich die Frage: wie soll ein Buch Mut machen, wenn es von den Menschen, an die es gerichtet ist, nicht verstanden werden kann? Diese Frage grenzt die Zielgruppe etwas ein, da sich das Buch eben nur an die Demenzerkrankten richtet, die noch lesen können oder eben an diejenigen, deren Angehörige die Zeit haben ein Buch zusammen mit ihnen zu lesen.
In dem Kapitel "Hoffnung is a Schmarrn", hebt Zimmermann hervor, dass viele Menschen sich durch die Diagnose Alzheimer zur Passivität verdammen lassen und einfach nur auf ein Wundermittel hoffen anstatt die Veränderungen, die das Leben für einen bereit hält, anzunehmen und das Neue zu entdecken.
Die wenigsten Menschen sind in ihrer Zeit vor der Diagnose passiv, warum also nach der Diagnose damit anfangen?

Arne Kraft, Auszubildender für Gesundheits- und Krankenpflege (3. Ausbildungsjahr)

Aufzaehlung Erläuterungen zur Bedeutung von Demenz und eingeschränkter Alltagskompetenz im System der ab 2017 gültigen Pflegegrade.

Christian Zimmermann und Peter Wißmann: Auf dem Weg mit Alzheimer. Wie sich mit einer Demenz leben lässt
2011, Mabuse Verlag, Frankfurt/Main, 150 Seiten
16,90 Euro



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