PFLEGESTUFE.INFO --WERBUNG--
Menü - Anzeigen  | Lupe Suche
[10.2.2012]

Das Recht die Pflegedokumentation zu lesen ...

Wer Pflegeprofis beauftragt kommt früher oder später darauf: es wäre eine gute Idee, mal genau zu wissen, was die in der Pflegedokumentation geschrieben haben. In der ambulanten Pflege ist es üblich, die Mappe der Sozialstation in der Wohnung liegen zu lassen. Da ist es einfach etwas nach zu lesen. Im Altenheim sind die Dokumentationen im Dienstzimmer und somit schwerer zu erreichen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat einige Hinweise zu den Rechten der Pflegebedürftigen veröffentlicht.

Pflegeeinrichtungen sind ohne Ausnahme dazu verpflichtet eine Pflegedokumentation zu führen. Darin wird alles festgehalten, was für die Pflege wichtig ist. Dazu gehören auch viele vertrauliche Informationen und manches, das für medizinische oder therapeutische Entscheidungen bedeutsam ist. Die allgemeine ethische Forderung die Autonomie des Menschen zu achten verbietet es, die Pflegebedürftigen zum bloßen Objekt einer solchen Informationssammlung zu reduzieren. Daraus ergibt sich, das Pflegbedürftigen grundsätzlich "ein umfassendes Einsichtsrecht in die über sie geführte Dokumentation zu[steht]. Der Anspruch ergibt sich aus dem ... gesetzlich konkretisierten Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
Eingeschränkt werden kann der Anspruch auf Einsicht durch die Rechte Dritter (zum Beispiel Angehörige), die in die Behandlung einbezogen sind. Dritte in diesem Sinne sind grundsätzlich nicht die behandelnden Ärzte oder Pfleger, deren Tätigkeit dokumentiert ist.
Da die Einsichtnahme am Aufbewahrungsort der Pflegedokumentation häufig nicht ausreicht, um den Inhalt vollständig zu erfassen, ist auch das Recht, Kopien anzufertigen, von dem Anspruch auf Einsicht umfasst.
Die zu Pflegenden sind aufgrund physischer oder psychischer Einschränkungen oftmals nicht in der Lage, ihr Einsichtsrecht selbständig zu verfolgen. Ihre Interessen werden dann von Angehörigen oder Freunden wahrgenommen. Diese haben jedoch kein eigenes Einsichtsrecht. Vielmehr leitet sich dieses im Falle einer wirksamen Bevollmächtigung vom Anspruch des Gepflegten ab. Das Gleiche gilt für gerichtlich bestellte Betreuer, soweit deren zugewiesener Aufgabenbereich auch die Betreuung in Gesundheits- und Pflegeangelegenheiten mit einschließt."
Seit Jahren wird in den Pflegeeinrichtungen mehr und mehr Informationstechnik eingesetzt, um die Pflege zu dokumentieren. Dann kann es nötig werden, zum Beispiel Leistungsnachweise oder Übersichten zu den verordneten Medikamenten, extra auszudrucken, da die Pflegekräfte sie ausschließlich elektronisch nutzen.

Kommentar:
Der Wunsch in der Pflegedokumentation zu lesen wird im Alltag selten geäußert. Sie müssten damit rechnen, dass Sie in der Einrichtung Neuland betreten. Das Recht zur Einsichtnahme ist oft gar nicht bekannt. Manche Pflege- und Leitungskräfte werden sich auch kräftig auf den Schlips getreten fühlen.
Um in Ruhe lesen zu können, ist es sinnvoll Kopien zu haben - denn die Pflegekräfte benutzen die Dokumentationsmappen häufig. Ein digitaler Fotoapparat kann hier gute Dienste leisten. Sie sollten allerdings vorher üben und heraustüfteln, mit welchen Einstellungen die Ergebnisse dann auch wirklich lesbar sind.
Die Pflegedokumentation wird von Pflegeprofis für Pflegeprofis geschrieben, die sich an Spielregeln zu halten haben, die von Bürokraten erdacht wurden und die immer wieder kritisiert werden. Sie müssen also auch damit rechnen auf Fachbegriffe und Abkürzungen zu stoßen. Darüber hinaus bürgert sich im Alltag jeder Pflegeeinrichtung ein individueller Stil ein, den es zu entschlüsseln gilt ... Anders gesagt:
Dass es Missverständnisse geben wird, ist unausweichlich - die sollten sich allerdings in einem Gespräch klären lassen.
Georg Paaßen

Einsicht in die Pflegedokumentation, Erläuterungen des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit


Möchten Sie unsere
Nachrichten aus der Pflege
[abonnieren?]



[354. Nachricht aus der Pflege]