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[23.7.2012]

Verwirrt im Krankenhaus

DAlzG LogoIn den Krankenhäusern werden die Abläufe von Menschen, die sich mit Betriebswirtschaft auskennen, auf Effektivität getrimmt. In solche Routinen passen Demenzkranke nicht. Auf Hektik in der Umgebung reagieren sie oft mit Abwehrverhalten. Eigene Empfindungen und Bedürfnisse können sie meist nicht klar kommunizieren und haben oft ein eingeschränktes Zeitgefühl. Ihren Bedürfnissen werden die Krankenhäuser nicht gerecht, sagt Ingo Füsgen.

An der Universität Witten/Herdecke wurde eine Untersuchung zur Versorgung von Menschen mit Demenz in Krankenhäusern durchgeführt. Prof. Ingo Füsgen zu den Ergebnissen: "' Die Krankenhäuser sind nicht auf diese Patientengruppe eingestellt. Alle gehen davon aus, dass es sich um ein vorwiegend pflegerisches Problem handelt, was aber nur teilweise zutrifft. Es betrifft die gesamte medizinische Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation...' Man wisse aus der bisherigen Forschung, dass Patienten mit Demenzerscheinungen bis zu sieben Tage länger im Krankenhaus bleiben. Die Krankenhäuser bekommen aber für alle Patienten, ob mit Demenz oder ohne, immer die gleiche Fallpauschale für deren Behandlung. 'Für diese Patienten mit kognitiven Störungen wird der Aufenthalt zu einer Einbahnstraße in ein Pflegeheim, weil die Untersuchungen und Behandlungen die Verwirrung weiter steigern können. Man kann von einer nicht bedarfsgerechten Versorgung der Patienten sprechen ... Das Personal kann mit den kognitiven Störungen nicht richtig umgehen. Da läuft etwas im Gesundheitssystem schief und niemand sieht hin.'"

Bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist diese Problematik seit Jahren bekannt. In einer Broschüre werden konkrete Hinweise gegeben, um die Pflege zu erleichtern. Einige Beispiele:
- Muten Sie Demenzkranken möglichst wenig Wartezeit zu, und lassen Sie sie nicht alleine warten.
- Halten Sie auf Wunsch des Patienten Körperkontakt (Hand, Schulter, Rücken).
- Mineralwasser im Becher wird oft nicht als Getränk erkannt. Geben Sie deshalb etwas Saft zur Färbung hinzu.
- Beziehen Sie Angehörige in die Betreuung ein. Sie können z. B. beim Reichen des Essens unterstützen.
- Bitten sie Angehörige, ein Lieblingskissen, Bilder und eventuell Lieblingsmusik mitzubringen...
Praktische Überlegungen wie diese, können den Angehörigen helfen, einen Krankenhausaufenthalt vorzubereiten. Die Broschüre ist auch geeignet, um Gedankenspiele im Stationszimmer zu beflügeln.
Zusätzlich bietet die DAlzG ein Formular an, das für die Übergabe von Menschen mit Demenz an ein Pflegeteam konzipiert wurde.
 

Demenzpatienten sind in Krankenhäusern schlecht aufgehoben, Pressemmeldung der Universität Witten/Herdecke vom 19.06.2012
Patienten mit einer Demenz im Krankenhaus pdf Logo, Broschüre der DAlzG (2. Auflage 2012)
Informationsbogen pdf Logo, zur verbindlichen Kommunikation mit dem Pflegeteam (DAlzG)
Barrierefrei zum Arzt, unser Beitrag zu den Hürden beim Gang zum Arzt vom 29.12.2008.
Unser Beitrag Krankenhaus - was dann? vom 23.7.2012

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