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[17.1.2013]

Zu Hause sterben

Logo"Nicht an Schläuchen hängen" möchten die meisten Menschen, wenn sie nach Sterben und Tod gefragt werden. In Deutschland, wie in den meisten Industriestaaten, wird aber viel häufiger im Krankenhaus gestorben als zu Hause, im Kreis der Angehörigen. Lässt sich das ändern? Eine Studie aus England gibt deutliche Hinweise.

Wo möchten Sie am liebsten sterben? Auf diese Frage antworten die meisten Menschen mit 'zu Hause'. In der Realität versterben heute jedoch wesentlich mehr Menschen in Krankenhäusern als in den eigenen vier Wänden.
In einer englischen Studie wurde eine Patientengruppe, die besondere Pflege durch den Marie Curie Nursing Service (MCNS) erhielt, mit einer Kontrollgruppe verglichen, die diese Pflege nicht erhielt. Die Kontrollgruppe setzte sich aus Menschen zusammen, die den gleichen klinischen und demographischen Charakteristika entsprachen wie die Studiengruppe. Es wurde nicht nur die Zufriedenheit der PatientInnen untersucht, sondern auch der wirtschaftliche Nutzen der palliativen Pflege.
Die Studienteilnehmer wurden innerhalb eines bestimmten Zeitraums (14 Tage) aus allen bei MCNS registrierten Patienten ausgewählt. Nach einer Reihe von „cleaning Steps“ wurden von ursprünglich 38.728 möglichen Studienteilnehmern letztendlich 31.107 ausgewählt. Die Kontrollgruppenpatienten dagegen entstammen aus einem Pool, der auf den Daten des ONS-HES (Office for national Statistics-Hospital Episode Statistics) beruht. Die Patienten wurden dann nach Kriterien ausgewählt, die auch die Studienteilnehmer erfüllen mussten.
Gleichzeitig informiert der Studienbericht auch über die Todesursachen, über die häufigsten Krebserkrankungen sowie über Erkrankungen, die unmittelbar mit dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht werden können.
Diskussionsbedarf besteht nur an einer Stelle. Diese Studie wurde von Marie Curie Cancer Care selbst in Auftrag gegeben. Das kratzt etwas an der Glaubwürdigkeit. Das Forschungsinstitut hätte aber ohne die umfassende Unterstützung des Trägers kaum so viele Fallakten untersuchen können. Es steht zu hoffen, dass sich unabhängige WissenschaftlerInnen die Daten noch mal vornehmen.
Die Studie zeigt, dass durchschnittlich pro Patient etwa 1300€ weniger Krankenhauskosten entstanden. Wird das mit den Mehrkosten für die ambulante Versorgung verrechnet, kann eine wirtschaftliche Argumentation für ambulante Palliativ Versorgung nicht wirklich überzeugen.
Kranken- und Altenpflege unterliegen heute wissenschaftlichen Standards. Während vor einigen Jahrzehnten noch das Gutdünken der ärztlichen Kollegen über den Sinn und Unsinn von Pflegemaßnahmen entschied, wird heute die evidenz-basierte Krankenpflege immer weiter in den Pflegealltag integriert. In Zahlen: 76% der vom MCNS gepflegten Patienten verstarben zu Hause, in der Kontrollgruppe nur 34,9%. Das ist die wissenschaftliche Bestätigung für meine Erwartung: professionelle Palliativpflege macht ärztliches Einschreiten seltener notwendig und fördert außerdem die Selbstbestimmung der PatientInnen.

Arne Kraft, Gesundheits- und Krankenpfleger

The impact of the Marie Curie Nursing Service on place of death and hospital use at the end of life, Informationen und Download der Studie (englisch)
Delivering choice in end-of-life care, The Guardian, 14.11.2012 (englisch)
Verzweiflung der Sterbebegleiter - unser Artikel zur zur Finanzierung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung in Deutschland (31.3.2009).
Wie wir sterben wollen, unser Beitrag zu einer repräsentativen Befragung des Deutsche Hospiz- und Palliativverbands (22.8.2012).

 

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