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[21.2.2013]

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"Noch mal leben vor dem Tod" ist der Titel eines Fotobands, der aus Besuchen von Barbara Lakotta und Walter Schels in Hospizen entstand. Portraitfotos von Sterbenden und Toten werden begleitet von einfühlsamen Texten, die zeigen, was Sterbende und Angehörige in den letzten Wochen beschäftigt. Das Buch macht auch anschaulich, wie der Alltag in der Hospizarbeit aussieht.

Bis in die 1950er Jahre hinein wurde zu Hause gestorben. Familie und Nachbarschaft wussten nicht nur was vorging, sondern waren häufig auch aktiv beteiligt: bei der Pflege Sterbender, bei der Entlastung der engsten Familienmitglieder, in der gemeinsamen Trauer. In funktionierenden Nachbarschaften gehörte der Tod (wie die Geburt) dazu.
Beate Lakotta und Walter Schels haben im neuen Jahrhundert Sterbende, Verstorbene und Angehörige besucht. Daraus sind 23 Portraits in Bild und Text entstanden. 23 Menschen sind jeweils als Sterbende und auf dem Totenbett zu sehen. Auf ein paar Seiten werden ihre Gedanken in den letzten Lebenswochen beschrieben. Einer Alkoholikerin gelingt ein langes Gespräch mit ihrem Mann. Schwäche führt dazu, dass Ei, Toast und Kaffee eine ganze Stunde brauchen. Eine Dame sagt: "Es fühlt sich an, als wenn mein Körper von einem bösen Tier aufgefressen wird." (Seite 79) Ein HSV Fan freut sich über gewonnene Spiele. Ein Gehirntumor neutralisiert das Kurzzeitgedächtnis eines Werbemanagers. Die Vertretung am Marktstand kann nicht organisiert werden, so dass die Freundin nur noch den Toten besuchen kann...
"Das gefürchtete Ende unter großem körperlichem Schmerz und Schrecken haben wir während unserer Arbeit an diesem Buch sehr selten erlebt. Meist geht das Sterben selbst undramatisch von statten ..." (Seite 12). Zwischen den Zeilen und Bildern ist deutlich zu spüren, dass Lakotta und Schels bei der Arbeit auch den Pflegenden und sich selbst näher gekommen sind.
Medizinischer Fortschritt und die Lockerung der sozialen Beziehungen in Großfamilie und Nachbarschaft führten dazu, dass Sterben und Tod institutionalisiert wurden. In den Industrieländern haben die meisten Menschen noch nie eine Leiche gesehen. Die Beschäftigung mit dem Tod ist out-gesourct.

"Noch mal leben vor dem Tod" bringt uns Sterben und Tod näher. Es zeigt Hospiz als Ort, "wo so intensiv gelebt wird wie kaum sonstwo" (Seite 10). Sehen Sie hin.

Beate Lakotta und Walter Schels: Noch mal leben vor dem Tod. Wenn Menschen sterben, Hardcover, 224 Seiten, 39,90 €, DVA, München, 2004
Zu Hause sterben, unser Beitrag zu einer englischen Studie über ambulante Palliativpflege vom 17.1.2013

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