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[25.4.2013]

Altenpflege in China

Ein Blick über den Tellerrand hilft manchmal die eigene Situation in neuem Licht zu sehen. Die Probleme der Pflegepolitik in China unterscheiden sich vor allem durch die riesigen Zahlen. Mehrere hundert Millionen Demenzkranke werden dort in naher Zukunft zu versorgen sein. Auch als Folge der Ein-Kind-Politik muss dabei in der Formel 1-2-4 gedacht werden: in absehbarer Zeit werden viele Erwerbstätige allein für zwei Eltern und vielleicht vier Großeltern zu sorgen haben. Das ist schon zeitlich kaum zu schaffen. Finanziell wird es auch die meisten gut Verdienenden überfordern.

Das Ehepaar Gao lebt in einem Dorf, etwa zwei Stunden von Peking entfernt. Die beiden sind über sechzig, trotzen dem Frost und den Altersgebrechen. Er kann noch den kargen Acker bearbeiten und etwas als Waldarbeiter dazu verdienen. Sie ist oft ans Haus gebunden. Die Kinder leben in einer Großstadt und haben als Wanderarbeiter kaum die Möglichkeit die Eltern zu unterstützen. Wenn Herr oder Frau Gao zum Arzt müssen, dann leihen sich die Kinder Geld, um das zu bezahlen. Ein Leben auf dem Land hat den Alten weder Renten- noch Krankenversicherung eingebracht.
Es ist aus den sozialistischen Zeiten in China für die große Mehrheit der Bevölkerung keine Altersversorgung übrig geblieben. Selbst wer in einem Staatsunternehmen beschäftigt war, ist oft nicht besser dran, da die inzwischen maroden Betriebe Renten immer seltener auch auszahlen. In der chinesischen Verfassung ist die Verpflichtung der Kinder für ihre Eltern zu sorgen festgeschrieben. 1996 wurde sogar ein Gesetz erlassen, dass Vernachlässigung oder Missbrauch alter Menschen ausdrücklich unter Strafe stellt. Solche Initiativen entstanden aus der konfuzianischen Tradition, in der die selbstlose Hilfe für die Eltern eine wichtige Rolle spielt.
Idealtypisch verhält sich Zhang Tianzhuang der mit 55 nicht bei Frau und Kind, sondern im Haushalt der schwerst gehbehinderten Mutter lebt. Er versorgt den Haushaklt und hilft ihr bei der Körperpflege. Er bereut diesen Umzug nicht: "Wir müssen die Wünsche der Alten respektieren!"
Oft kollidieren die konfuzianischen Traditionen mit den Realitäten des Alltags im dritten Jahrtausend. Auch in China sind Großfamilien nur noch selten zu finden. Auch in China wird den Erwerbstätigen mehr und mehr Mobilität abverlangt. Auch in China bekommen Paare nur noch wenige Kinder (diese Entwicklung wurde in den Zeiten der Ein-Kind-Politik deutlich beschleunigt). Es gibt nur sehr wenige staatliche Altenheime (die oft einen sehr zweifelhaften Ruf haben), aber eine wachsende Zahl von privaten Angeboten. Im Norden Pekings entsteht zur Zeit etwas riesiges: für etwa 12000 Alte wird eine Wohnanlage hochgezogen, die nicht nur "wellness-" und Einkaufsangebote, sondern sogar ein 3000 Betten Krankenhaus umfasst. Die Preise werden nur für die gehobene Mittelschicht erschwinglich sein.
Wer in 20 oder 30 Jahren um die heute 50-jährigen pflegen soll, ist völlig offen.

Alt werden im Reich der Mitte. China und seine 200 Millionen Senioren, Bericht von Ruth Kirchner für's Deutschland Radio (24.1.2013).
"China. Der Kommunismus ergraut", Beitrag von Gerd Mischler in dem Buch "Altenpflege International" von Holger Jendrich (Mabuse Verlang, Frankfurt am Main, 2008).

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