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[13.6.2013]

Alte Menschen im Arzneimittelreport 2013

Die BarmerGEK lässt Jahr für Jahr Versichertendaten auswerten, um herauszufinden, wie Arzneimittel verordnet werden. 2013 ist einer der Untersuchungsschwerpunkte, die Verwendung von Medikamenten bei Menschen, die älter sind als 65 Jahre. Besonders kritikwürdig finden die Autoren des Arzneimittelreports, wenn viele Wirkstoffe gleichzeitig verordnet werden und wenn Demenzkranke Benzodiazepine einnehmen sollen.

Seit vielen Jahren wird dazu geforscht, ob und welche besonderen Wirkungen Medikamente auf Menschen haben, die älter als 65 Jahre sind. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an einer oder mehreren chronischen Erkrankungen zu leiden. Herzinsuffizienz, Hirninfarkt und Angina pectoris sind häufige Diagnosen für Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen. Bei den psychischen Störungen stehen Demenzen und Depressionen im Vordergrund.
"Basierend auf Daten von 2,1 Millionen Versicherten über 65 Jahre haben die Autoren des Arzneimittelreports um den Bremer Versorgungsforscher Prof. Dr. Gerd Glaeske analysiert, wie häufig Patienten mehrere Arzneimittelwirkstoffe parallel verordnet bekommen. Dabei zeigte sich, dass ein Drittel der Versicherten ... mehr als fünf Arzneimittelwirkstoffe einnimmt. Bei den Hochbetagten zwischen 80 und 94 Jahren ist fast jeder Zweite betroffen. Im Durchschnitt nehmen Männer über 65 Jahre täglich 7,3 Wirkstoffe ein, bei Frauen dieser Altersgruppe sind es 7,2. Glaeske: 'Darunter leidet vor allem auch die Therapietreue.' ...
Kritisch bewertet das Autorenteam vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen den Einsatz von so genannten Benzodiazepinen bei Menschen mit einer Demenzerkrankung. Diese Schlaf- und Beruhigungsmittel wurden 2010 rund 23.500 Versicherten der BARMER GEK verschrieben, zu 70 Prozent an Frauen. 'Das Risiko, Benzodiazepine verordnet zu bekommen, ist bei Menschen mit Demenz um das 1,5-fache erhöht', so Glaeske. Mit dem Wirkstoff verbunden sei ein Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Erinnerung oder Lernen. Glaeske: 'Ohne Zweifel sind viele ältere Menschen von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln abhängig. Sie bekommen sie vermutlich oft nur, um quälende Entzugssymptome zu vermeiden.' Denkbar sei jedoch, dass sich nach langen Jahren der Abhängigkeit eher eine Demenz entwickle als bei Menschen, die deutlich seltener solche Mittel eingenommen haben."

infografikIn der Pressemappe zur Veröffentlichung des Arzneimittelreports findet sich auch eine Grafik, die zeigt, welche Wirkstoffe häufig kombiniert werden. Es werden drei Medikamentengruppen genannt, die auch bei chronischen Herzerkrankungen empfohlen werden. Die Internetseite www.gesundheitsinformation.de bezeichnet die Therapie mit mehreren Wirkstoffen zum Beispiel bei einer koronarer Herzkrankheit als empfehlenswert. Herr Glaeske verwirrt mich.
Georg Paaßen

 

BARMER GEK Arzneimittelreport 2013. Ein Drittel der über 65-Jährigen nimmt mehr als fünf Arzneimittelwirkstoffen täglich, Pressemitteilung der BarmerGEK (Juni 2013).
Amann, Ute; Schmedt, Niklas; Garbe, Edeltraut: Ärztliche Verordnungen von potenziell inadäquater Medikation bei Älteren: Eine Analyse basierend auf der PRISCUS-Liste, Forschungsarbeit, veröffentlicht auf www.aerzteblatt.de.
Tablettenfehler, unser Artikel zu Problemen bei der Medikamentengabe in Altenheimen vom 21.1.2009.

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