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[24.8.2013]

Pflege unter Palmen

Plame. Clip Art Leben wo andere Urlaub machen. Das hört sich interessant an. So tauchen in den Medien mehr und mehr Berichte über Pflegebedürftige auf, die außerhalb Deutschlands, ja außerhalb Europas leben. Eine zweiteilige TV-Reportage des WDR zeigt wie sechs sehr unterschiedliche Menschen aus Deutschland in Thailand leben.

Frau Schulz hält hier nichts: keine familiären Beziehungen, ihre Rente reicht zum Überleben und sie hat Schmerzen, die intensiver werden, sobald der Sommer vorbei ist. Asien fühlt sich in ihrer Erinnerung an wie Heimat, viel mehr als dieses Deutschland. So sitzt sie in der Mansardenwohnung und sucht nach einem Ausweg. Ein Schweizer bietet Seniorenwohnen in Thailand an. Die eMail Kontakte sind freundlich. In Internetforen findet Frau Schulz Ermutigung. Abenteuerlust spürt sie auch. Sie freut, als sie in der fast fertigen Anlage einen Bungalow mieten kann und bucht, ohne Rückflug, die Reise nach Thailand.
Frau Schulz ist eine von sechs Personen, deren Erfahrungen in der zweiteiligen Reportage von Wolfgang Luck über deutsche SeniorInnen in Thailand dargestellt werden. Die Rundfunkbeiträge machten's möglich, das Luck über ein Jahr an diesem Thema arbeiten und auch nach Thailand reisen konnte.
Ein gut situiertes Ehepaar lebt in einer edlen Seniorenvariante eines Club Med und macht dort mehr Lebensqualität aus den Altersbezügen. Es werden zwei Menschen beschrieben, die hochgradig Dement sind, und in einer Einrichtung leben, die in den Alltag des Ortes integriert ist. Dort bekommen sie 1 zu 1 Betreuung von Pflegekräften, die zwar nur wenig deutsch sprechen, aber sehr entspannt pflegen und, mit Schichtdienst, auch weiter in den eigenen Familien leben können. Der schweizer Betreiber sorgt für Fortbildungen durch eine deutsche Pflegefachkraft. Er bringt Berufserfahrungen von Ärzte ohne Grenzen mit und spricht selbst Thai. Angehörige können, auch für Monate, kommen und mit den Demenzkranken leben.
Es kommt auch ein Senior zu Wort, der seit Jahren in Pattaya, in Reichweite der Bars und Prostituierten lebt. Er schildert, wie weit sein regelmäßiges Einkommen reicht und das er sich bisher wenig Gedanken über Pflegebedürftigkeit gemacht hat. Auffällig locker sagt er ins Mikro, dass schon öfters Männer vom Dach des Hochhauses gesprungen seien.
Frau Schulz kommt auf eine Baustelle und muss erst mal in einem Hotel des Dorfes untergebracht werden. Die versprochenen Kooperationen mit örtlichem Krankenhaus und Apotheke sind komplizierter als erwartet: es gibt Sprachschwierigkeiten und die von ihr gewünschten Medikamente können nur teilweise beschafft werden. Sie genießt das Klima und findet eine Masseurin. Es geht ihr bald so gut, dass sie schmerzfrei ist, sich flüssig bewegen und auf viele Medikamente verzichten kann. Schwierig wird es nach einigen Monaten mit dem Geld. Sie hat mit der kleinen Rente nur wenig Spielraum und die Betreiber der Einrichtung haben zu knapp kalkuliert. Die Preise werden erhöht. Selbst, dass Frau Schulz auf eine private Krankenversicherung verzichtet, und auf Leistungen aus der staatlichen Gesundheitsversorgung Thailands zurückgreifen will, reicht nicht aus. Auch persönliche Schwierigkeiten im Zusammenleben der in Einrichtung machen es nicht leichter. Sie muss sich was Neues suchen.

Kommentar:
Die Reportage von Wolfgang Luck zeigt viele Facetten zur Pflege in Thailand.
Das macht sie in meinen Augen zur "Pflichtlektüre" für alle, die sich öffentlich zu den Möglichkeiten
und Grenzen von Altenpflege in exotischen Ländern äußern möchten.
Georg Paaßen

Grafik von www.openclipart.org

Die Reportage wurde am 22. und 29. Juli in der Reihe Die Story vom WDR Fernsehen ausgestrahlt. Im Archiv stehen die Videos zur Verfügung.
TV Tipp: Muss Oma in den Osten?, unser Beitrag vom 3. Dezember 2014.
Billige Altenpflege, unser Beitrag zu Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Willi Zylajew über den Export von Pflegebedürftigen (7.11.2012).

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