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[30.9.2013]

IGeL oder nicht IGeL

Das Gesundheitslobby und Politik 'mehr Marktwirtschaft' in die Arztpraxen bringen wollen, hat IGeL hervorgebracht. Individuelle Gesundheitsleistungen können hilfreich sein, müssen aber nicht. Sie können in der Arztpraxis angeboten, vereinbart und direkt mit der 'Kundschaft' abgerechnet werden. Über für und wider der einzelnen Leistungen informiert (auch) das wissenschaftliche Institut der AOK - jetzt bequem mit einer APP für's Smartphone.

In den letzten Jahren nahm die Zahl der sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, kontinuierlich zu. Es handelt sich dabei um Angebote von Arztpraxen, die von den Krankenkassen nicht bezahlt werden und folglich vom Patienten aus eigener Tasche finanziert werden müssen. Laut wissenschaftlichem Institut der AOK (WidO) nahm die Ärzteschaft 2012 mit solchen Dienstleistungen etwa 1,3 Mrd. € ein. Dabei betonen Krankenkassen, dass eindeutige wissenschaftliche Belege für den Sinn dieser Leistungen häufig fehlen. Die Internetseite www.igel-monitor.de ist mit der Zeit gegangen und hat eine App für Smartphones entworfen, die über die zur Zeit angebotenen IGeL informiert und Bewertungen zeigt. In einem kurzen Video erhält der Nutzer der App die Möglichkeit, sich IGeL und App kennen zu lernen. Um direkt Informationen zu einer IGeL zu erhalten, kann unter dem Button „IGeL A-Z“ die jeweilige Leistung ausgewählt werden. Die Informationen zu den einzelnen Angeboten sind immer gleich aufgebaut. Um in wenigen Sekunden ein Überblick zu einer Leistung zu bekommen, kann zwischen einer Zusammenfassung mit Urteil sowie kurzer Urteilsbegründung oder einer ausführlicheren Version ausgewählt werden. Die Urteile für eine IGeL können von positiv oder tendenziell positiv über unklar bis hin zu tendenziell negativ bzw. negativ reichen. Als Beispiel die IGeL „MRT zur Früherkennung einer Alzheimer Demenz“.
Die Magnetresonanztomografie, kurz MRT, ist ein bildgebendes Verfahren in der Medizin, das mithilfe von Magnetwellen Schnittbilder des menschlichen Organismus erzeugen kann. Die IGeL wird von den Autoren mit tendenziell negativ bewertet. Begründet wird dieses Urteil durch die Tatsache, dass es derzeit keine Studien gibt, die belegen, dass sich ein MRT überhaupt zur Früherkennung von Demenz eignet. Da Demenz heute noch nicht heilbar ist und damit die psychischen Konsequenzen, die ein solcher, gegebenenfalls sogar unbegründeter Verdacht mit sich bringt, unüberschaubar sein können, wurde die IGeL mit „tendenziell negativ“ bewertet.
Zu den einzelnen individuellen Gesundheitsleistungen werden meist auch Preisspannen angegeben. Für Wissbegierige sind in die Texte auch weiterführende Links eingebettet, die unter anderem über die ausgewerteten Studien informieren.

Fazit:
Angebrachte medizinische Leistungen lassen sich ohne Vorwissen kaum von den unangebrachten unterscheiden und welcher Patient fragt schon seinen Arzt, ob die Leistung für die er gleich bezahlen muss, wirklich sinnvoll ist. Die Anwendung der App dürfte für jeden Besitzer eines Smartphones einfach erlernbar sein. Negativ fiel auf, dass das Urteil „unklar“ zwei Gründe haben kann, die jedoch nicht vergleichbar sind. Zum einen kann unklar bedeuteten, dass der Nutzen und der Schaden der IGeL sich die Waage halten, zum anderen aber, dass keine Daten gefunden wurden um den Nutzen der IGeL zu beurteilen. Angebracht wäre hier zum Beispiel die Einführung eines neuen Prädikats für IGeL mit ausgeglichenem Schaden-Nutzenverhältnis. Da dies jedoch der einzige Negativpunkt ist, der sich anführen lässt, ist die App, mit den Worten der Autoren von „Igel-Monitor.de“, als tendenziell positiv zu bewerten. Die Entscheidung ob eine IGeL in Anspruch genommen werden muss, sollte jedoch nicht von der App alleine abhängig gemacht werden.

Arne Kraft, Gesundheits- und Krankenpfleger

 

Links zur APP finden Sie auf www.igel-monitor.de.
WidO Monitor pdf-Logo. Die Versicherten-Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Ausgabe 1/2013, Februar 2013.
Smartphones helfen Lebensrettern, unser Beitrag über eine App der Deutschen Herzstiftung vom 23. November 2012.
Unser Beitrag zu GesundheitsApps vom 6. Januar 2014.
Unser Beitrag zu DiabetesApps vom 14. Januar 2014.

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