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[28.4.2014]

Wer wird pflegen?

babies1994 wurde auf Plakatwänden in NRW um Auszubildende für die Pflegeberufe geworben. Einige Säuglinge waren zu sehen und dazu eine Frage in der Art: "Wer wird Sie einmal Pflegen?". 20 Jahre später gibt es immer noch keine Antwort, aber Zahlen, die die Bedeutung des Problems unterstreichen. Eine englische Forschungsgruppe hat sich Bevölkerungsstatistiken vorgenommen. 2017 werden voraussichtlich mehr Menschen auf pflegerische Hilfen von Angehörigen angewiesen sein, als Angehörige in den Statistiken zu finden sind.

In England wird die Zahl der alten Menschen, die Pflege brauchen, voraussichtlich die Zahl der Familienmitglieder, die in der Lage sind informelle Pflege zu leisten, ab 2017 übertreffen. Dabei wurden nicht nur Kinder und Schwiegerkinder, Enkel, Nichten und Neffen gezählt, sondern auch die Lebensgefährten. Das schreibt das Institute for Public Policy Research (IPPR). Wird sich dann eine Tochter um Mutter und Onkel kümmern müssen? Die Verhältnisse in den anderen Industrieländern sind wahrscheinlich nicht grundsätzlich anders.
Und die Statistiken wurden weiter hochgerechnet. Im Jahr 2030 könnte es soweit sein, dass 230.000 Seniorinnen und Senioren in England, die mehr als 20 Stunden pro Woche pflegerische Hilfen brauchen, gar keine Familienmitglieder haben, die helfen können. Niemand weiß, welche Kosten auf die Einzelnen zukommen und wie Sozialkassen das finanzieren sollen *.
Diese Untersuchung beschreibt, worüber seit Jahren geklagt wird: es gibt zwei gegenläufige Trends.
Einerseits sinkt die Zahl derjenigen, die bereit und in der Lage sind pflegebedürftige Familienmitglieder zu unterstützen.
Andererseits wird, weil die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen, die Zahl derjenigen, die pflegerische Hilfen im Alltag benötigen, steigen.
Die eine Lösung für das Problem, kann diese Studie nicht zeigen. Auch international ist keine Patentlösungen bekannt.
Allerdings gibt es Ideen und Konzepte, die die zu erwartenden Schwierigkeiten mildern können. Die englische Studie betont die Bedeutung von "Quartierskonzepten" für die Lebensqualität der Pflegebedürftigen wie für die Einbindung Ehrenamtlicher. Derlei wird in Deutschland seit Jahren vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (kda) propagiert. Die europäische Union finanziert auch eine Internetplattform, die "Best Practice" Beispiele zeigt.


* Grob geschätzt: 230.000 Menschen brauchen mindestens
20 Stunden Pflege pro Woche. Stundenlohn mindestens 10 €.
Das ergibt knapp 2,3 Mrd € pro Jahr.
Weil in diesem Umfang Pflege durch Angehörige voraussichtlich
nicht mehr zur Verfügung stehen wird, sind das Mehrkosten.

 

More people needing social care than family carers available from 2017 Pressemitteilung des Institute for Public Policy Research (IPPR) vom 24. April 2014 (englisch).
Integrated Service Areas, EU Internetangebot (englisch, Stand 2013).
Quartierskonzepte pdf logo, Auszug aus der Zeitschrift Pro Alter des kda (2010).
Pflegestatistik, unsere Überlegungen zur Bedeutung der Leistung von pflegenden Angehörigen aus dem Jahr 2007.
Einige Leistungen der Pflegeversicherung für pflegende Angehörige.

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