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[12.6.2014]

Die Wunde auf Zimmer 14

Seit Jahrzehnten wird kritisiert, dass es Krankenhauspersonal schwerfällt über die akute Erkrankung hinaus, den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen. "Operation gelungen. Patient tot", wurde so zur Redewendung. Pflegebedürftige leiden häufig an mehreren und oft chronischen Erkrankungen. Die nötigen pflegerischen Hilfen, Therapien und Medikamente zu organisieren und auszubalancieren verlangt Managementqualitäten. Das ist eine Herausforderung für pflegende Angehörige. Statt die Angehörigen aktiv in die Entscheidungen über Therapie und Pflege im Krankenhaus einzubeziehen und ihre Expertise zu nutzen, werden sie im Klinikalltag aber oft ignoriert.

Pflegebedürftige Menschen müssen immer mal wieder ins Krankenhaus. Man könnte meinen, dass pflegende Angehörige dann eine Erholungspause haben. Leider müssen viele pflegende Angehörige die Erfahrung machen, dass es ganz anders ist. Die Krankenhausroutine ist darauf ausgerichtet, mit akuten Erkrankungen umzugehen. Fast wie mit Scheuklappen wird behandelt, was als Diagnose auf dem Einweisungsschein steht. Menschen mit chronischen Erkrankungen haben aber in der Regel noch sehr viel mehr Bedürfnisse, die bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung berücksichtigt werden müssten.
In einem Zeitungsartikel für The Guardian beschreibt Allan Sutherland, wie er einen Krankenhausaufenthalt seiner Partnerin Victoria erlebte. Sie musste zur Behandlung eines Druckgeschwürs ins Hospital. Beide fanden es sinnvoll, dass die Wundmanagerin, die für die ambulante Versorgung verantwortlich war, in die Planung der Krankenhausbehandlung einbezogen würde. Allan steckte viel Energie in den Versuch, eine Zusammenarbeit möglich zu machen. Trotz allem gelang es nicht Besprechungstermine zu organisieren. So konnten die Erfahrungen, die die Wundmanagerin über fünf Jahre gesammelt hatte, für die Krankenhausbehandlungen nicht berücksichtigt werden.
Während des Klinikaufenthaltes fiel den Pflegekräften auf, dass Victoria gelegentlich an Atemnot litt. Erneut musste ihr Partner viel Energie investieren, um wieder und wieder zu erklären, dass das nichts Neues war. Ein Jahr zuvor waren die Ursachen der Atemnot in einer anderen Klinik intensiv untersucht worden. Nur mit Mühe gelang es, Victoria völlig überflüssige Tests und Diagnoseverfahren zu ersparen.
Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Pflegende Angehörige sind in den Kliniken in der Regel nicht gefragt. Sie müssen auf Pflege- und ärztliches Personal zu gehen, sich fast aufdrängen, um wichtige Informationen zur Gesundheit und pflegerischen Versorgung an den Mann und die Frau zu bringen. Oft sind es pflegende Angehörige, die sicherstellen, dass ausreichend Getränke und Nahrung konsumiert werden. Oft sind es pflegende Angehörige, die sicherstellen dass ein vorhandener Pflegerollstuhl auch benutzt wird. Oft sind pflegende Angehörige die Einzigen, die wichtige Informationen zur Krankengeschichte geben können.
Doch im Klinik-Alltag wird ihnen meist mit Ignoranz begegnet.

 

Hospital staff should recognise carers' skills and knowledge, Allan Sutherland in The Guardian (11. Juni 2014).
Demenz im Krankenhaus, unser Beitrag zu einer Tagung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vom 10. Dezember 2013.
Verwirrt im Krankenhaus, unser Beitrag zu einer Studie der Universität Witten/Herdecke vom 23. Juli 2012.

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