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[18. November 2014]

Sterben begleiten

Der Bundestag debattiert ausführlich über Lockerungen bei passiver und aktiver Sterbehilfe. Viele Menschen werden bei diesem Thema sehr emotional. Erfahrungen, die in den Niederlanden gemacht wurden, könnten die Diskussionen in Deutschland dem Boden der Tatsachen näher bringen. Gerbert van Loenen hat ein hilfreiches Buch geschrieben.

Alle Jahre wieder wird in Deutschland darüber diskutiert, ob die Gesetze und Richtlinien zu Entscheidungen am Lebensende zu überarbeiten sind. Das wiederkehrende Argument: der einzelne Mensch ist verantwortlich für sein Leben. Und sein Sterben. Wer sein Leben beenden wolle, besonders im Angesicht einer tödlichen Erkrankung, müsse dies würdig, also nicht vor einem Zug, sondern mit ärztlicher Hilfe tun können.
Menschen, die an Krebs erkrankt sind, nur noch eine kurze Lebenserwartung haben und mit Hilfe des vertrauten Hausarztes zu Hause sterben wollen. Sie bitten von sich aus um Hilfe beim Suizid oder um aktive Sterbehilfe. In den Medien wurde in den vergangenen Jahren immer mal wieder berichtet, dass Menschen, weil derlei in Deutschland oder Großbritannien verboten ist, dann in die Schweiz fahren.
Solche Situationen sind nicht einfach. Individuelle, in der Lebensgeschichte begründete Wünsche in Gesetze zu fassen, ist sehr schwierig. Gerbert van Loenen macht sehr deutlich, dass das Szenario: ein Mensch ist geistig klar und wünscht sich den Tod, nur den Anfang einer Auseinandersetzung um Sterbehilfe bildet.
Was ist, wenn jemand vor Monaten oder Jahren Wünsche für die letzte Lebensphase geäußert hat, heute aber nicht mehr gefragt werden kann?
Was ist, wenn sich jemand zwar klar äußert, aber Alzheimer oder eine akute Depression diagnostiziert wurde?
Ab welchem Lebensalter wird es Menschen gestattet solche Entscheidungen zu treffen?

Gerbert van Loenen hat sich mit dreißig Jahren gesellschaftlicher Auseinandersetzung über Sterbehilfe in den Niederlanden beschäftigt und darüber ein Buch geschrieben. „Er lässt eine große Zahl jener zu Wort kommen, die an dieser Entwicklung entweder aktiv oder als Betroffene beteiligt waren.“ Nach dieser Arbeit schreibt er in einem Essay: „Die Idee, aktive Sterbehilfe auf Einwilligungsfähige beschränken zu können, hat sich als unrealistisch erwiesen. Wenn man akzeptiert, das Leid unter Umständen gelindert werden darf, indem man das Leben des Patienten beendet, dann findet man nicht so leicht eine neue Grenze. In den Niederlanden jedenfalls sucht man sie immer noch, die neue Grenze.“
Van Loenens schreibt also kein neutrales Buch, sondern begründet seine kritische Meinung zu den aktuellen Gesetzen im Nachbarland. Das macht seine Beispiele und Argumentationen nicht weniger interessant.

 

coverGerbert van Loenen Das ist doch kein Leben mehr! Warum aktive Sterbehilfe zu Fremdbestimmung führt. Übersetzt aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas und Bärbel Jänicke. Mabuse Verlag, Frankfurt, 2014
Gerbert van Loenen: Du sollst mich töten, Essay auf www.perlentaucher.de vom 30. Juli 2014.
Rezension von Prof. Dr. med. Hans Wedler auf www.socialnet.de von 26. Juni 2014.

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