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[3. März 2015]

Sorge um Menschen = Sorge um Rente

Wer sich beruflich für Pflegebedürftige engagiert, sollte früh genug einen kritischen Blick auf die „Renteninformationen“ werfen. Diese Briefe der Deutschen Rentenversicherung werden an alle Sozialversicherten geschickt. Sie zeigen, wie hoch die zu erwartenden Alterseinkünfte sein werden. Weil in den Sorgeberufen sehr viele Menschen in Teilzeit arbeiten, ist's um die Rente von Pflegeprofis oft schlecht bestellt.

„Ausgerechnet Menschen, die sich ihr Leben lang um Alte und Kranke kümmern, stehen finanziell oft schlecht da, wenn sie selbst ins Rentenalter kommen. Das ist nicht nur die Folge von politischen Reformen, sondern auch von problematischen Beschäftigungsbedingungen im Sozialbereich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Forschern des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Ob Geldsorgen den Ruhestand verhageln, hängt zu einem wesentlichen Teil von der Erwerbsbiografie ab: Einkommen, Arbeitszeit, Auszeiten wegen familiärer Verpflichtungen, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Je stärker der eigene Lebenslauf gegenüber“ dem Ideal - 45 Jahre, ohne Unterbrechung für ein volles Gehalt einzahlen - abfällt, „desto knapper fällt die Rente aus. Und gerade wer wenig verdient oder länger ohne Job ist, wird die Lücke auch kaum durch private Vorsorge schließen können – schon während des Berufslebens ist das Geld zu knapp, um nennenswerte Beträge für eine Riesterrente abzuzweigen.“
Altersarmut kann Berufstätige aus allen Wirtschaftszweigen treffen. Groß ist das Risiko aber vor allem in den Branchen, in denen „gut bezahlte und unbefristete Vollzeitstellen heute eher die Ausnahme als die Regel sind. Das gilt gerade für den Sozialsektor, wie die Analyse der WSI-Forscher Dr. Florian Blank und Susanne Schulz deutlich macht ...
Obwohl die Bedeutung von Kinderbetreuung und der Wachstumsbranche Gesundheit sowie der demografisch bedingt steigende Bedarf an Plätzen für die Altenbetreuung stets betont würden, liege bei den Beschäftigungsverhältnissen vieles im Argen, schreiben die Wissenschaftler. Einsparungen und Privatisierungen prägten das Bild. Die Ökonomisierung des sozialen Sektors äußere sich in Arbeitsverdichtung und einem wachsenden Anteil untertariflich bezahlter Jobs. Der traditionellen Arbeitsteilung entsprechend sind vor allem Frauen in Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen beschäftigt; in Arbeitsverhältnissen, die meist atypisch sind und häufig als prekär bezeichnet werden müssen, so Blank und Schulz ... Ausreichende oder gar zufriedenstellende Rentenansprüche erwüchsen aus solchen Jobs selten, warnen die Forscher. Hinzu kommt: Weil Stress und Belastungen im Arbeitsalltag von Sozialbetrieben zunehmen, ist eine längere Lebensarbeitszeit für einen erheblichen Teil der Beschäftigten keine realistische Option. Viele äußern Zweifel, ob sie ihren Job bis zur regulären Altersgrenze durchhalten.

Maßnahmen gegen Altersarmut
Punkt Eine größere Reichweite von Tarifverträgen, etwa durch Allgemeinverbindlicherklärungen, würde Löhne und Rentenansprüche prekär Beschäftigter erhöhen.
Punkt Die weit verbreitete Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung müsste zurückgedrängt werden, etwa durch bessere Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und andere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Job und Familie.
Punkt Verbesserte Arbeitsbedingungen – gute Arbeit – würden die Voraussetzungen für einen längeren Verbleib im Beruf schaffen.
Darüber hinaus sei die allgemeine Rentenpolitik gefragt: Die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus ließe sich zurücknehmen; Zeiten ohne Erwerbseinkommen oder mit Niedrigverdienst könnten rentenrechtlich aufgewertet werden.“

 

Beschäftigten im Sozialbereich droht Altersarmut, Pressemitteilung vom 24. Februar 2015.
Angehörige sind der „größte Pflegedienst der Nation“! Unser Beitrag zur Arbeit der Initiative Armut durch Pflege vom 4. Mai 2013.

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