PFLEGESTUFE.INFO --WERBUNG--
Menü - Anzeigen  | Lupe Suche
Zur Vorlesefunktion
[18. April 2015]

eGK wurde ausgezeichnet

BigBrotherAwardDie BigBrotherAwards zeichnen Personen und Firmen aus, die in Wirtschaft oder Politik persönliche Informationen speichern, verarbeiten, weitergeben und dabei Grundrechte missachten. Sie wurden deshalb von Le Monde „Oscars für Datenkraken“ genannt. Der BigBrotherAward 2015 in der Kategorie Verbraucherschutz geht an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), unter anderem für das „Leuchtturmprojekt Elektronische Gesundheitskarte“ (eGK).

Aus der Laudatio: „2004 haben wir bereits gewarnt, dass im Gesundheitswesen Unheimliches im Gange ist ... Schon damals mahnten wir, dass die bevorstehende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte im Jahr 2006 – haha – große Probleme mit sich bringen würde. Jetzt, seit Anfang 2015, ist sie tatsächlich da, und hat den Preis mehr als verdient.
Ich habe mich mal mit einem Blatt Papier und einem schwarzen Kugelschreiber hingesetzt und versucht auszurechnen, was das Projekt kostet, wenn alle 1,8 Millionen Heilberufskarten ausgegeben sind, alle Arztpraxen ein Lesegerät haben und alle 70 Millionen Versicherten so eine Karte haben. Ich kam auf 15 Milliarden Euro. Eine Studie der Firma Booz Allen Hamilton kommt auf ähnliche Ergebnisse ... Das Gesetz zwingt die Krankenkassen, die teure Infrastruktur zu finanzieren – und dies aus den Taschen der Beitragszahlenden. Also auf unser aller Kosten ...
Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit der eGK und auch mit den Papieren der Gematik ... An Datenschutz und Datensicherheit wurde stets gedacht ... Nur: Diese Spezifiationen sind ultrakomplex. Auf dem Papier, das bekanntlich geduldig ist, liest sich das prima. Aber es wird unterschlagen, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die sich eben nicht in ein Sicherheitskonzept hineindefinieren lassen. Menschen vergessen ihre PIN. Da steckt die ärztliche Heilberufskarte dauerhaft im Gerät am Empfangstresen, damit das Praxis-Team sich nicht jedesmal neu einloggen muss. Und: Den Menschen ist das System unheimlich. Wer wird zwischen der lebenslangen Patientenakte und der für jeden Krankheitsfall neu anzulegenden „Fallakte“ eines Patienten unterscheiden können? Und noch immer wird behauptet, dass beide auf der Karte gespeichert seien. Was nicht stimmt. Die Karte enthält lediglich den Schlüssel, um auf diese Daten, die, ich sag mal „irgendwo in der Cloud“, liegen, zugreifen zu können.
Und ich frage mal grundsätzlich zum eHealth-Gesetz: Wer ist auf die Idee gekommen, dass wir eine neue, besonders gesicherte Infrastruktur entwickeln müssen, damit sich Ärzte gegenseitig eine sichere Mail (im eBriefumschlag mit eStempel, eUnterschrift und eBriefmarke) schicken können? Das geht doch schon längst – Mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mittels PGP...
Ärzte, die schon früh vor diesem Kahlschlag im Gesundheitswesen warnten, wurden in den Medien als „die haben ja nur Angst, dass man damit besser ihren Betrügereien auf die Spur kommt“ denunziert. Tatsächlich wird den Ärzten die Kompetenz entrissen, über den Heilungsprozess ihrer Patientinnen und Patienten zu entscheiden. Sie sollen „richtliniengerechte Verordnungen“ treffen, vorgegeben von Krankenkassen, die mittels Morbiditätsindex entscheiden, ob es sich ab einem bestimmten Alter noch lohnt, einem Menschen z.B. eine neue Hüfte zu gewähren oder ein teures Medikament. Nicht die Lebensqualität ist ausschlaggebend, sondern die statistisch zu erwartende Lebensdauer ... Wenn das eHealth-Gesetz kommt, sind es nicht die Ärztinnen und Helfer in der Stadt oder auf dem Land, die städtische oder kirchliche Klinik, die heilen und einen Gewinn erwirtschaften, der in der Region wieder ausgegeben wird, sondern ein Klinikkonzern wird mit noch weniger Personal noch mehr Kaufkraft abschöpfen und den Profit in die Geldbeutel von wenigen Reichen umleiten.“

Hermann Gröhe war nicht erschienen, um den Preis entgegen zu nehmen.

 

Der BigBrotherAward 2015 in der Kategorie Verbraucherschutz geht an das Bundesministerium für Gesundheit (Laudatio). Text der Würdigung des Preisträgers durch Padeluun (17. April 2015).
Elektronische Gesundheitskarte. Fragen und Antworten, Informationen des BMG (Link geprüft am 18. April 2015).
Elektronische Gesundheitskarte, Internetseiten zum Thema vom Verein digitalcourage.
Und sie kommt doch, die eGK, unser Beitrag vom 1. November 2012.
elektronische Gesundheitskarte kommt ... irgendwann, unser Beitrag vom 2. Mai 2008.
Elektronische Gesundheitskarte auf dem Weg, unser Beitrag vom 28. September 2007.

Möchten Sie unsere
Nachrichten aus der Pflege
abonnieren?

[Über Verknüpfungen/Links ...]


[537. Nachricht aus der Pflege]


--Werbung--