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[3. Juni 2015]

Gesunde Kranke

Der medizinische Fortschritt hat als neue Zielgruppe „gesunde Kranke“ hervorgebracht. Das sind Menschen, die froh und munter leben können, aber - wissenschaftlich gemessen - ein höheres Risiko als üblich haben, zukünftig krank zu werden. Die Gendiagnostik macht's möglich - und wir müssen entscheiden ob mehr Wissen und mehr Lebensqualität zusammen passen.

„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ (WHO) – Kann jemand im Sinn der WHO Definition gesund sein, wenn die Wissenschaft beweist, dass mit 85%iger Wahrscheinlichkeit eine Krebserkrankung droht?
Symptome zu kurieren und Krankheiten zu heilen steht im ärztlichen Alltag im Vordergrund. Darum geht es aber gar nicht, wenn bei einer bestimmten Patientin auf eine vorhergesagte, künftige Erkrankung reagiert werden soll. Unspannend sind in diesem Zusammenhang allgemeine Tipps wie Mehr bewegen! oder Mehr Vitamine!. Manchmal sind die Maßnahmen zur Vorbeugung selbst wieder risikobehaftet, zum Beispiel schwerwiegende Nebenwirkungen von Medikamenten oder Narkoserisiken bei Operationen. Während die vorhergesagt Erkrankung „vielleicht“ oder „wahrscheinlich“ eintritt, wäre die Belastung durch eine Operation „sicher“ zu tragen.
Sicher ist auch, dass viele Menschen die Ergebnisse einer Krebsvorsorgeuntersuchung mit Angst, manchmal sogar Schlaflosigkeit erwarten. Außerdem: „Wer um sein Risiko weiß, sieht sich unter Zugzwang, Vorsorge auch in Anspruch zu nehmen. Doch welche Vorsorgemaßnahmen sind angemessen? Brustamputation oder doch nur – wie viele Experten raten – eine engmaschige und intensive Früherkennung? Gesunde Kranke werden zu Risikomanagern ... Die Beziehung zum eigenen Körper verändert sich. Das Defizitäre an ihm tritt in den Vordergrund. Er wird zum Objekt umfassender Kontrollen.“ Es ist auch denkbar, dass sich gesunde Kranke von anderen unter Druck gesetzt fühlen, Vorsorgeuntersuchungen und vorbeugende Maßnahmen in Anspruch zu nehmen.
Wir müssen selbst entscheiden, was für uns am meisten zum körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen beträgt.

 

Mehr lesen: Verwundbarkeit bleibt. Zur Problematik der Gendiagnostik, Katharina Klöcker in der Zeitschrift Frau und Mutter der kfd.

[546. Nachricht aus der Pflege]
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