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[16. April 2016]

Was die Pflegedienstleitung in der Altenpflege wissen muss ...

Ein Buchtitel wie eine Enzyklopädie. Jutta König hängt die Latte hoch, mit ihrem „etwas anderen Qualitätshandbuch in der Altenpflege“, aber sie kann auch aus dem Vollen schöpfen. Sie hat viele Jahre Erfahrungen als Pflegekraft, Heimleitung und Sachverständige in der Altenpflege.

Viele Stations- und Pflegedienstleitungen (PdL) in ambulanten Pflegediensten oder Altenheimen machen die obligatorische „Leitungsweiterbildung“ in einer gemischten Gruppe, zusammen mit Leitungen aus Krankenhäusern. Und oft ist die Altenpflege dann in der Minderheit, was sich in den Kursinhalten widerspiegelt. Die Nachfrage nach Profiwissen für den Alltag der Leitungen in der Altenpflege sollte also groß sein.
Was die PDL wissen muss. Das etwas andere Qualitätshandbuch in der Altenpflege informiert auf über 400 Seiten über Datenschutz und Heimrecht, Qualitätsprüfungen und Pflegestärkungsgesetz, Begutachtungsrichtlinen und den Umgang mit Expertenstandards. Die Autorin zitiert viele Vorschriften, so dass gut nachvollziehbar ist, wie sie zu Ihren Tipps und Hinweisen kommt. Dabei formuliert sie immer verständlich und bleibt nah am Altenpflege-Alltag. Sie Beschreibt auch detailliert, wie die MDK-Pflegenoten-Prüfungen ablaufen, zum Beispiel, wie die Pflegebedürftigen für die in-Augenscheinnahme ausgewürfelt werden. Wer über alternative Wohnformen in der Altenhilfe nachdenkt, sollte sich das Kapitel „5.2 Definitionen von Einrichtungen“ vornehmen. (Hätten Sie gewusst, dass eine DIN 77800, Regelungen für das „betreute Wohnen“ bestimmt.)
Im Alltag der Profipflege fällt immer mal wieder auf, dass das reale Leben und die Welt der Gesetze und Verordnungen nicht gut zueinander passen. Im Kapitel zum Datenschutz beschreibt König eine unsichere Rechtslage. Sie stellt klar heraus, dass die Pflegebedürftigen weitgehende Rechte haben, die Pflegedokumentation einzusehen. Daraus ergeben sich fragen, zu denen die Juristerei weite Entscheidungsspielräume bietet: Wer darf im Auftrag der Pflegebedürftigen Akten einsehen? Wie klappt's mit dem Einsichtsrecht, wenn im Computer dokumentiert wird? Wie viel Aufwand ist den Einrichtungen zuzumuten?
Die Erläuterung zu Aufbewahrungspflichten braucht schon eine Tabelle (Seite 37). In welcher Art Papiere, Festplatten und Sicherungskopien zu vernichten sind, nach dem vorgeschriebene Aufbewahrungspflichten abgelaufen sind? Hier muss König passen.
Geht es in pflegepolitischen Debatten um Entbürokratisierung, wird (meist ergebnisarm) über die Pflegedokumentation diskutiert. Dabei ist dies nur ein kleiner Ausschnitt der Gesundheitsbürokratie. Ein Beispiel: Ein großer Teil der Einnahmen von ambulanten Pflegediensten wird mit „Behandlungspflege“ erzielt. Dazu braucht's eine „Verordnung häuslicher Pflege“ aus der Arztpraxis. Ein Überblick zu den verordnungfähigen Massnahmen der häuslichen Krankenpflege braucht in Königs Buch 18 Seiten: Leistungsbeschreibungen, Bemerkungen und phantasievoll anmutende Vorschriften zur maximalen Verordnungshäufigkeit und -dauer. Dass müssen die PdLs „drauf haben“ um mit Arztpraxen auszuhandeln, dass die Formulare „genehmigungsfähig“ ausgefüllt werden, denn sonst zahlen die Kassen nicht.
Werden Altenpflegeprofis gefragt, was sie beruflich als Belastung empfinden, spielt die Dienstplangestaltung immer eine bedeutende Rolle. König widmet dem Thema nur acht Seiten, obwohl die Planung der Dienstzeit eine der wichtigsten Aufgaben der PdL ist. Sehr schade.

Gern empfehle ich dieses Buch den Menschen, die in der Pflegepolitik zu entscheiden haben. Hier können sie lesen, was neue Vorschriften bewirken können und wie viel Unsicherheit zwischen den Textzeilen bleibt, die in Parlamenten beschlossen werden.

PS: Der Verlag hat dem Buch einen ordentlichen Einband, schönes Papier und auch gründliches Lektorat zu kommen lassen. Ich nehme den Band gern in die Hand.

Jutta König:
Was die PDL wissen muss. Das etwas andere Qualitätshandbuch in der Altenpflege
gebunden, 434 Seiten
6., aktualisierte Auflage, Hannover, 2015
[D] 39,95€ [A] 41,10€
ISBN: 9783899933468


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[586. Nachricht aus der Pflege]

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