Erklärungen zur Pflegeversicherung

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Die Pflegeversicherung wurde geschaffen, um das "Risiko Pflege" auf viele Schultern zu verteilen. Sehr ähnlich wird es seit über 100 Jahren bei der gesetzlichen Krankenversicherung praktiziert. Übrigens:
Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte Zahlen zum Risiko der Pflegebedürftigkeit:
"vor dem 60. Lebensjahr Pfeil rund 0,6 %,
zwischen dem 60. und dem 80. Lebensjahr Pfeil rund 3,9 %,
nach dem 80. Lebensjahr Pfeil rund 31,8 % " (*).
Hätten Sie das gedacht?

Die Pflegeversicherung ist der einzige Zweig der Sozialversicherung, bei dem der Beitragssatz festgeschrieben wurde. Die Beitragsstabilität soll die Höhe der Lohnnebenkosten begrenzen. Deshalb sind die Leistungen der Pflegekassen, noch viel mehr als bei den Renten- oder Krankenversicherungen, eingeschränkt.
Für 2015 hat der Bundestag eine weitere Reform der Pflegeversicherung beschlossen. Wie bieten Ihnen dazu eine Broschüre als pdf-Datei pdf Logo an.

Teilkasko

Hilfen bei Körperpflege, Kleiden, Toilettengängen und der Aufnahme von Getränken und Nahrung sowie die damit verbundenen Wege werden bei den "grundpflegerischen Tätigkeiten" berücksichtigt. So wird die Hilfe auf dem Weg vom Sessel zum Tisch, wenn es um eine Mahlzeit geht, angerechnet. Aufstehen, Mantel anziehen und die Begleitung bei einem Spaziergang durch den Garten aber nicht. Die Anleitung von Verwirrten beim morgendlichen Zähneputzen kann mit mehr als 5 Minuten täglich "zu Buche schlagen", die ergotherapeutischen Übungen mit einer Schere jedoch nicht.
Dabei geht es darum ob Hilfen nötig sind, darum in welcher Form die Hilfe geleistet werden muss und darum wie viel Zeit benötigt wird.

Um die Ausgaben zu begrenzen, werden für jede Pflegestufe nur Pauschalbeträge gezahlt. Entstehen Kosten darüber hinaus, so müssen sie von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Wenn keine Pflegestufe bewilligt werden kann, heißt das nicht, dass keine Hilfe benötigt wird (Pflegestufe 0).

Auch Pflegeprofis haben Schwierigkeiten, sich in dem Regelwerk der Pflegeversicherung zurecht zu finden. So beklagt ein Heimleiter sich öffentlich darüber, dass durch den MDK für das abendliche "Bettfertigmachen" nur ein Zeitaufwand von 7 Minuten anerkannt würde. Wer die Begutachtungsrichtlinien kennt, der weiß, dass oft mehr als 20 Minuten anzurechnen sind.
Die "Richtlinien der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" (BRi) sollen den MitarbeiterInnen der Medizinischen Dienste (MDK) der gesetzlichen und privaten Pflegekassen einheitliche Maßstäbe für die Begutachtungen an die Hand geben. Über 200 Seiten sind aber nicht leicht zu verdauen. So sind die Begutachteten ohne Hilfe nur selten in der Lage, die Gutachten nachzurechnen.

Die Pflegeversicherung beruht auf dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches. Dort wird bestimmt, wer "im Sinne des Gesetzes pflegebedürftig" ist. Es geht aber auch um die Finanzierung, die Sicherung der angemessenen Versorgung und die Qualität der geleisteten Pflege. Die Neuerungen der Jahre 2002, 2008, 2012 und 2014 haben die Lage nur in Details verbessert und insgesammt eher verkompliziert.
Die wichtigsten monatlichen Leistungen der Pflegekassen sind das Pflegegeld und die Sachleistungen.
Zu den Veränderungen durch die Pflegereformen finden sie wichtige Informationen in unseren Broschüren.

(Alle Leistungsarten und Geldbeträge ...)



(*) BMG-Webseiten "Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung (05/06)", Download am 4.12.2006